CharliesTante beschreibt in ihrem Blog das Auswahlverfahren für die derzeit in ihrer Bibliothek ausgeschriebenen Ausbildungsplätze. Da es sich offensichtlich um eine größere Bibliothek handelt, wird ein recht aufwändiges Verfahren vorgestellt, dass sich kleinere Einrichtungen wohl kaum leisten können.
Jetzt wieder aktuell: die Auswahl neuer Azubis
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Bibliothekarisches in der Werbung?
Gerd Becker, 41, rückenschmerzgeplagter Bibliothekar und neuer Repräsentant unseres Berufsstandes, wirft mit der Erwähnung seines Berufes in einer Werbung des Kölner Boulevardblattes “Express” die Frage auf, wie oft es überhaupt schon vorgekommen ist, dass Bibliothekswesen oder Bibliotheken in der kommerziellen Breitenwerbung vorkommen. Ihre Präsenz in Literatur und Film ist nicht selten und zudem gut dokumentiert. Es scheint aber so, dass unser Berufsstand nahezu keine Erwähnung in der professionellen Reklame findet. Auf Anhieb ist mir nur die Werbung von Sony für seinen E-Book-Reader eingefallen; aber hier bleibt man, anders als bei der Express-Werbung, im Umfeld von Büchern. Anscheinend sind weder der Ort Bibliothek noch die dort Beschäftigten der Werbebranche ausreichend attraktiv. Vielleicht sind Beispiele dafür wegen der im Vergleich zu Literatur und Film höheren Flüchtigkeit auch nur weniger festgehalten. Ich bin bei einer kleinen Recherche zum Thema lediglich auf die beiden folgenden Quellen gestoßen. In der ersten werden drei Fernsehwerbespots aufgezählt:
Die gezeigten Beispiele stammen allesamt aus den letzten zwei, drei Jahren. In den Spots für „Knoppers“ und „Pfanni“ („Freu Dich!“) geht es lediglich um das sekundenkurze Zitieren unproblematischer Berufe und um die Nachvollziehbarkeit der Freude, die auch bei angenehmen Arbeitsbedingungen in Pausen und nach Feierabend durch die „Belohnung“ mit kleinen Leckereien und schnelle Gerichte ausgelöst wird. Die jeweils gezeigten Bibliothekarinnen sind daher (gemessen an den gängigen Filmklischees), eher untypisch, jung und attraktiv. Wobei sie eben nicht bei der Arbeit, sondern bei deren Unterbrechung bzw. beim Beginn des Feierabends gezeigt werden. In der etwas längeren Werbung für „Oil of Olaz“ („Diese Frau hat ein Geheimnis“) – übrigens ein Plot von erlesener Blödheit – fungiert die gezeigte Uni-Bibliothek lediglich als Arbeits- und heterosexueller Begegnungsort für akademisches Jungvolk. (…)
(Aus: Manfred Nagl: Stille, Ordnung, Katastrophen. Bibliotheken im Film – Bibliotheken aus männlichem Blick? In: Bibliotheken in der literarischen Darstellung : Referate des Seminars “Bibliotheken in der literarischen Darstellung”, das vom 10. bis 11. Oktober 1994 in der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel stattgefunden hat / hrsg. von Peter Vodosek … – Wiesbaden : Harrassowitz, 1999. S.117f. – Das Werk liegt mir nicht im Original vor, gefunden bei und mit Dank an taberna kritika).
Sehr interessant das andere Beispiel. Hier werden in einem spanischen Bibliotheksblog unter dem Titel “Los bibliotecarios y las bibliotecas en la publicidad” mehrere Beispiele zitiert und mit Bildern belegt, in denen unser Berufsstand in der kommerziellen Werbung eine Rolle spielt. Durchaus betrachtenswert, dieses Posting, selbst wenn man, wie ich, der spanischen Sprache kaum mächtig ist.
Das war’s, mehr ist mir nicht bekannt. Anderen aber vielleicht schon, weshalb die geneigten Leserinnen und Leser herzlich eingeladen sind, die Kommentarfunktion zu nutzen, falls sie weitere Beispiele zum Thema kennen.
Veröffentlicht in Das Klischee | Schlagwörter:Bibliothek, Bibliothekare, Bibliothekswesen, Image, Klischee, Reklame, Werbung
Das Ende des Klischees?
Auf großen Litfaßsäulen in der Kölner City wirbt das dortige Boulevardblatt Express für seine Serie “Die großen Volkskrankheiten”. Dabei stehen einzelne Personen, deren Namen und Berufe genannt werden, für bestimmte, weit verbreitete Leiden. An einer solchen Säule sah ich gestern plötzlich vor mir aufragen den sehr sympathisch herüberkommenden Gerd Becker, 41, Bibliothekar, der sich mit Rückenschmerzen quält. Schon das Plakat hob sich angenehm vom bekannten, zum männlichen Bibliothekswesen gehörenden Klischee ab. Wie viel größer die Überraschung, als ich den zugehörigen online-Teaser las. Ich glaube nicht, jemals einen Bibliothekar so positiv und klischeefrei dargestellt gesehen zu haben; er ist schon fast Men’s Health entsprungen. Und dann noch der kundige Satz:
Im Job muss er keine Bücher schleppen, sitzt am PC.
Bibliothekare, Ihr habt ein neues Vorbild. Bibliothekarinnen, wenn Ihr ins Träumen kommen wollt, klickt hier.
Veröffentlicht in Das Klischee | Schlagwörter:Bibliothekare, Bibliothekswesen, Express, Image, Klischee
Lebenslanges Lernen in Bibliotheken
Tsefai berichtet in ihrem Blog über ihre Bachelorarbeit zum Thema “Konzepte für Lebenslanges Lernen (LLL) in Öffentlichen Bibliotheken”. Die unter anderem in Inetbib durchgeführte Umfrage in den deutschen ÖBs brachte nur wenig Rücklauf. Zusammenfassend heißt es in dem Beitrag:
Auf der einen Seite war der geringe Rücklauf an Antworten enttäuschend, auf der anderen Seite zeigt dies deutlich, dass das Konzept des Lebenslangen Lernens in deutschen Bibliotheken noch nicht verbreitet ist. Einzelne Öffentliche Bibliotheken haben sich bereits intensiv mit diesem Thema befasst, die überwiegende Anzahl der Bibliotheken wird LLL allerdings nicht umsetzen.
Veröffentlicht in In the Library | Schlagwörter:Lebenslanges Lernen
Komische Namen in Bibliothekskatalogen
Hei, das waren noch Zeiten, als wir gemeinsam über den Zettelkatalog gebeugt saßen und neue Karten einlegten. Ich habe mir diese wenig prickelnde Tätigkeit damals versüßt, indem ich auf ungewöhnliche Namen geachtet habe. Und durch die Struktur des Zettelkatalogs stößt man dort tatsächlich häufiger auf seltsame Nachnamen als in einem online-Katalog. Bei diesem sucht man in der PND nach einem konkreten, gegebenen Namen und keinem anderen, den man dann übernimmt oder neu ansetzt; will man in jenem dagegen eine Karte einlegen, liest man, bis man die richtige Stelle gefunden hat, zwangsläufig mehrere andere Namen, entdeckt also mit deutlich größerer Wahrscheinlichkeit seltsame Nachnamen. Hier also eine kleine Auswahl meiner Fundstücke aus unserem Katalog. Wie es sich für ein Bibliothekswesen gehört, sind sie fein klassifiziert.
1. Normale, sprechende Namen.
Wenn man einmal darauf achtet, bemerkt man, wie häufig doch sprechende Nachnamen vorkommen. Die meisten sind allerdings wenig aufregend und fallen deshalb normalerweise nicht auf: Koch; Wolf; Klug; Feige; Korn; Post; Scherz; Preis; Esser (letzteren gibt’s übrigens ziemlich oft; “Trinker” ist dagegen ein extrem seltener Nachname).
2. Normalnamen, elegant aufgebrezelt.
Das Zwerchfell erwacht aus dem Schlummer, wenn die sprechenden Nachnamen ungewöhnlicher werden. Kleine Auswahl: Hungermann; Feierabend; Weichhart; Ohnesorge; Heinzelmann; Panisch; Kiffmann; Schönwetter; Kaltofen; Mitlacher. Und nicht zuletzt “Todeskino” (wird sicher Todéskinó gesprochen, sieht aber geschrieben sehr bedrohlich aus).
3. Normalnamen, unangenehm aufgebrezelt.
Dann tauchen immer einmal wieder sprechende, ungewöhnliche und unangenehme Nachnamen auf, bei denen man, wenn man auf sie trifft, spontan ausruft: “Hey, “Ratte” möchte ich ja auch nicht heißen!” Unsere Spitzenreiter in dieser Kategorie: die Nachnamen “Nothdurft” und “Morgenschweis”.
4. Regional normal, woanders lustig.
Sehr schön auch solche Namen, die regional gefärbt sind und außerhalb ihres Kontextes einfach nur lustig klingen. Meine Favoriten: die beiden norddeutschen Autoren “Ommo Hüppop” und “Onno Poppinga”.
5. Überregional zum Schmunzeln
… sind als Beispiele die Nachnamen “Schlumpf” und “Schnurpel”.
6. Das Adjektiv “Schön” bietet schöne Nachnamens-Kombinationen:
Schönborn, Schönmann, Schönherr (in diesen drei Varianten steckt ein ganzes Leben!); Schönhals, Schönhaar, Schönleber (ein Check-Up beim Arzt); Schön, Schöne, Schöner (“Spieglein, Spieglein …”);
7. Gelegentlich gibt es verblüffende Übereinstimmungen von Nachnamen und Werktitel nach dem Muster “Zahnarzt Dr. Bohrer”.
Zwei feine Beispiele: Eine vom Bundeslandwirtschaftsministerium in Auftrag gegebene, umfangreiche Studie mit dem dick gedruckten Hauptsachtitel ”Hanf” und dem Zusatz “Wissenschaftliche Untersuchung zum Thema Anbau, Ernte und Aufbereitung sowie Verwendung von Hanf” entstand 1996/1997 unter der Leitung von exakt “Claus-Henning Hanf” und niemand anderem.
Und die Autorin “Alice Ohrenschall“, die sowieso schon einen äußerst aparten Nachnamen ihr Eigen nennt, hat natürlich wozu publiziert? Genau, zum Thema Lärmschutz (Alice Ohrenschall: Den Lärm das Flüstern lehren. In: U – das technische Umweltmagazin, (1977) H. 5) .
8. Mein persönlicher Favorit über die Jahre ist und bleibt aber ein Mensch mit Nachnamen “Lustig”. Ihm haben seine Eltern mutig nicht den Vornamen “Peter” gegeben oder irgendeinen anderen, der vom Nachnamen ablenken soll, sondern den einzigen, der wirklich dazu passt. Und so heißt dieser Mensch mit vollem Namen “Ernst Lustig”.
Veröffentlicht in In the Library, Uncategorized | Schlagwörter:Nachnamen, Namenstag, Zettelkatalog
Frau Passig, Greser + Lenz, und die Gewerkschaften
Kathrin Passigs aktuelle Bemerkungen über “Standardsituationen der Technologiekritik” sind so lustig zu lesen wie richtig, und sie dürften in der Biblioblogosphäre, spätestens seit Archivalia darauf hingewiesen hat, inzwischen bekannt sein. Sollte jemand aus dem bibliothekarischen Umfeld noch nicht dazu gekommen sein, sich ihre Beobachtungen und Thesen zu Gemüte zu führen, die/der sei nachdrücklich auf den für unser Berufsfeld sehr provokanten letzten Satz hingewiesen:
Mit etwas Glück hat der Staat ein Einsehen und bietet in Zukunft Erwachsenenbildungsmaßnahmen an, in denen man hinderlich gewordenes Wissen – sagen wir: über Bibliotheken, Schreibmaschinen, Verlage oder das Fernsehen – ablegen kann.
Dabei ist Passig in der Gesamtwertung durchaus nicht einseitig:
Die hier versammelten Einwände gegen neue Technologien sind nicht automatisch unberechtigt – es ist lediglich nicht sehr wahrscheinlich, dass man damit valide Kritikpunkte identifiziert.
Ein letzter meines Erachtens wichtiger Aspekt sei noch hervorgehoben:
Das eigentlich Bemerkenswerte am öffentlich geäußerten Missmut über das Neue aber ist, wie stark er vom Lebensalter und wie wenig vom Gegenstand der Kritik abhängt. Dieselben Menschen, die in den Neunzigern das Internet begrüßten, lehnen zehn Jahre später dessen Weiterentwicklungen mit eben jenen damals belächelten Argumenten ab. Es ist leicht, Technologien zu schätzen und zu nutzen, die einem mit 25 oder 30 Status- und Wissensvorsprünge verschaffen. Wenn es einige Jahre später die eigenen Pfründen sind, die gegen den Fortschritt verteidigt werden müssen, wird es schwieriger.
Das sehe ich genauso. Die wichtigste Trennlinie zwischen Computer- bzw. Web 2.0-NutzerInnen und NichtnutzerInnen (allgemeiner gesagt: bei der Akzeptanz neuer Technologien) scheint mir (neben vielen anderen, z.B. Beruf, Wohnort, Geschlecht) immer noch das Lebensalter zu sein. Und da wir ja alle älter werden, dürfte es kaum jemanden unter uns geben, die/der nicht einmal an irgend einer Abwehrschlacht auf der defensiven Seite beteiligt war und verloren hat.
Wer die Zeit für die Lektüre nicht aufbringen möchte, sei auf einen grandiosen Cartoon des Zeichnerduos Greser & Lenz hingewiesen, der das, wofür Frau Passig etliche Sätze braucht, in einem einzigen Bild ausdrückt. Greser & Lenz haben dort die Abwehrkämpfe gegen technisch-gesellschaftliche Veränderungen in einem meines Erachtens klassischen Bild zum Ausdruck gebracht.
Ihre Zeichnung führt mich weiter zu einem Artikel in der Wiener Straßenzeitung “Augustin“. Dort wurde vor einiger Zeit eine Kollegin aus der Stadtteilbibliothek in der Wiener Zirkusgasse vorgestellt, ein Portrait übrigens, das die bekannten Klischees vermeidet. Die 57-jährige Bibliothekarin sagt zur Frage, ob die Wiener weniger lesen als früher:
Die Leute würden heute genauso viel lesen, animiert durch das Internet und die Notwendigkeit, sich weiter zu bilden, vielleicht sogar mehr. Übrigens sagt das eine, die es wissen sollte: „Ich war anfangs eine scharfe Gegnerin des Computers.“
Wir sehen: auch hier hat einmal eine Abwehrschlacht stattgefunden. Und ich möchte wetten, dass es eine Schlacht war, an der diese Wiener Kollegin, die auch Personalvertreterin ist, nicht zufällig beteiligt war. Außer ihr waren darin manche andere, heute ältere Semester unseres Berufsstandes verwickelt, insbesondere diejenigen, die den Gewerkschaften nahe gestanden haben. Ich erinnere mich sehr gut, wie etwa in der zweiten Siebzigerhälfte und zu Beginn der 80er Jahre die Gewerkschaften Sturm gegen die Automatisierung in der Arbeitswelt, auch in den Bibliotheken, gelaufen sind mit dem Argument, dass dadurch massenweise Arbeitsplätze vernichtet würden. Diese Argumentation fand auch ich als junger Bibliotheksstudent und späterer Berufsanfänger sehr überzeugend, und sie ist ja auch keineswegs falsch. Die Gewerkschaften, in ihrer Wirkung eine strukturell konservative Bastion, konnten oder wollten aber damals nicht sehen, dass die Veränderungen nicht nur negative Auswirkungen haben würden. Bei mir hat damals die Haltung, EDV sei arbeitsplatzvernichtendes Teufelszeug, recht lange angehalten.
Veröffentlicht in Out of the Library, Soziale Software | Schlagwörter:Augustin, Computer, EDV, Gewerkschaft, Greser & Lenz, IT, Kathrin Passig
Famious – Informationen über die FaMI-Ausbildung
Es existieren inzwischen mehrere Werbefilme, die den Beruf FaMI recht anschaulich für eine breites Publikum darstellen. Als Beispiele sei hingewiesen auf
http://www.youtube.com/watch?v=3NYSHIPVzAE
http://www.youtube.com/watch?v=uAAVc8c_WUg
und mit viel Humor http://www.youtube.com/watch?v=DqOOgen00AQ
sowie http://www.youtube.com/watch?v=soA4beIvoxk
Die meisten der Werbefilme und noch mehr die Materialien, die gedruckt oder online bei den Arbeitsagenturen, den Berufsschulen und anderen Institutionen erhältlich sind, richten sich von ihrem intellektuellen Gehalt her vorwiegend an AbiturientInnen, und damit an Personen mit einem Alter von etwa 18-19 Jahren. Dagegen wird man wohl vergebens nach Informationsmaterial zum FaMI-Beruf suchen, das sich ausdrücklich an noch Jüngere mit einem “nur” mittleren Bildungsabschluss wendet.
Genau diese bisher etwas vergessene Zielgruppe will die FaMI-Klasse IT 07C am Joseph-DuMont-Berufskolleg in Köln mit ihrem Lehrer Peter Cremer in den Focus rücken. Die SchülerInnen haben in einem Projekt ein Zeitschriftenheft mit Informationen über die FaMI-Ausbildung produziert, das den oben genannten Filmen in nichts nachsteht. Ganz ausdrücklich und bewusst hat man aber das intellektuelle Niveau etwas heruntergeschraubt; wohlgemerkt, das ist hier einmal positiv gemeint. Denn man hatte die Absicht, an das Lebensgefühl eines/einer etwa 16-jährigen Jugendlichen heranzukommen. Schließlich kann man auch diese Klientel ja mal auf unser Berufsfeld aufmerksam machen und ein möglicherweise schlummerndes Interesse wecken. Als äußerliches Vorbild hat eine Zeitschrift gedient, die allen Jugendlichen bekannt ist, die “Bravo”.
Bei dem Schulprojekt herausgekommen ist die “Famious”.
Mit ihren sage und schreibe 30 Seiten macht sie erst einmal einen sehr bunten Eindruck und zieht sofort die Aufmerksamkeit auf sich. Blättert man das Heft auf, folgt zunächst das Inhaltverzeichnis, geordnet in die Rubriken “Fun”, “Music”, “Fashion” (“Die heißesten FaMI-Trends!”), “Life” und “Basics”. Wie man es aus der “Bravo” und aus anderen Jugendzeitschriften kennt, gibt es ausführliche Horoskope (in diesem Fall für die 5 Fachrichtungen), man kann sich einem Psychotest unterziehen (“Was für ein FaMI bist du?”), und das “Dr.-FaMI-Team” beantwortet viele, auch intimste Fragen zum Beruf. Auf weiteren vier Seiten lacht man ab über die schönsten, unvergesslichsten, lustigsten und peinlichsten Erlebnisse am Arbeitsplatz. Höhepunkt und ein echter Knüller ist aber eine tolle achtseitige Foto-Lovestory, sehr aufwändig gemacht und lustig zu lesen.
Fazit: ein höchst gelungenes Ergebnis eines Schulprojekts, die “Famious”. Sie ist, um es mit ihren eigenen Worten zu sagen, “unseriös – engagiert – neuartig – einmalig – unkonventionell – in Farbe”.
Einziger kleiner Wermutstropfen: online zu sehen ist sie bisher nicht. Wer gern ein gedrucktes Exemplar bekommen möchte, wende sich per Mail an den im Impressum als “Chef vom Dienst” bezeichneten Berufsschullehrer peter dot cremer at jdbk dot de.
Formales PS: Das Urheberrecht für das hier gezeigte Bild liegt bei der oben genannten Schulklasse.
Veröffentlicht in FaMI-Ausbildung | Schlagwörter:Ausbildung, FaMI, Famious, JDBK, Köln, Werbung
Wie sollen Büchereien/Bibliotheken benamst sein?
Die Benennung einer städtischen Mediensammlung oder eines universitären Informationszentrums mit den Worten Bücherei oder Bibliothek ist für viele nicht mehr ganz stimmig, da diese Worte inhaltlich allein auf Bücher hinweisen und konzeptionell den Sammlungsaspekt betonen. Deshalb steht die traditionelle Bezeichnung gelegentlich in der Diskussion. Dazu drei Fundstücke, auf die ich in den letzten Tagen gestoßen bin.
Der vom Bibliothekswesen unbeleckte Kommunikationsspezialist Klaus Schmidbauer plädiert in seinem 2004 erschienenen Fachbuch “Das Kommunikationskonzept : Konzepte entwickeln und präsentieren” konservativ:
Im Rathaus der Stadt besorgte ich mir statistisches Material und in der Stadtbücherei, die seit neuestem großspurig “Mediathek” hieß, fand ich ein spannendes Werk über Großsiedlungen …
Um dasselbe Problem geht es in einer Passage von Ian Sansoms in Nordirland spielenden Roman “So schnell wackelt kein Schaf mit dem Schwanz“, erschienen 2006 auf englisch und 2008 auf deutsch. Dort unterhalten sich der Leiter der örtlichen Fahrbibliothek, Israel Armstrong, und seine Vorgesetzte, Linda Wei, die Leiterin des städtischen Kulturamtes. Letztere eröffnet:
“Es gibt da den Plan, alle mobilen Lernzentren als Ideenzentrum neu zu definieren und -”
“Was?”
“Die Abteilung für Unterhaltung, Freizeit und Gemeindedienste hat den Plan entwickelt, alle mobilen Lernzentren -”
“Fahrbahren Büchereien”, sagte Israel.
“Auch die, wenn es sein muss.” Linda linste über ihre Brille. “Zu Ideenzentren umzubauen. Sie werden also weit mehr ideenzentriert arbeiten.”
“Ideenzentriert?”
“Ja.” …
“Verstehe. Sie werden also das Schild auf dem Bus ändern, oder … was?”
“Nein, nein, nein. … Das steht im Moment alles noch in den Sternen. Wir werfen einfach nur ein paar Dinge in die Arena und sehen, was ankommt.”
“In die Arena?”
“Exakt. Um zu sehen, was ankommt.”
Der Dialog macht sich sicher lustig und spielt an auf das recht neue britische Konzept der “Idea Stores“. Im aktuellen, äußerst interessanten Beitrag seines Blogs “LIS Traveller” beschreibt Sebastian Wilke sehr ausführlich eine bibliothekarische Englandreise. Er stellt unter anderem das Idea Store Whitechappel vor, und geht auch auf dessen Benennung ein:
Nebenbei bemerkt würde mich mal interessieren, ob der Name „Idea Store“ auch bei den Nutzern der Einrichtung im aktiven Sprachgebrauch angekommen ist und wie hoch der Anteil der Leute ist, die trotzdem von der „library“ um die Ecke sprechen. Der Begriff „library“ taucht zwar auf der Webseite der Idea Stores auf, vor Ort habe ich ihn aber an keiner Stelle erwähnt gesehen.
Ich bin gespannt, welche Bibliothek in Deutschland es sein wird, die eine neue Benennung in die Arena wirft – und sich hoffentlich vorher überlegt hat, was ankommt.
Veröffentlicht in In the Library | Schlagwörter:Bücherei, Benennung, Bibliothek, Name
Die zukünftige Vergütung der FaMIs
Beim jährlichen Treffen der FaMI-AusbilderInnen am Joseph-DuMont-Berufskolleg Köln in der vergangenen Woche gab es informelle Neuigkeiten zum Verhandlungsstand der Tarifpartner bezüglich der zukünftigen Eingruppierung neu einzustellender FaMIs gemäß TVÖD/TV-L. Demnach scheint es derzeit eine Vereinbarung in den zuständigen Gremien zu geben, den FaMIs künftig nur noch die Entgeltgruppen 5 und 6 zu öffnen und Absolventinnen und Absolventen mit Fachwirt-Abschluss in die Entgeltgruppe 8 einzustufen.
Für mich war diese Information neu, zumindest mit der Charakterisierung als inzwischen wohl feste Vereinbarung. Ich empfände das als eine Katastrophe:
- Den FaMIs die oberen Entgeltgruppen des mittleren Dienstes von vornherein zu verwehren, wäre ein eklatanter Rückschritt gegenüber der jetzigen Tarifsituation.
- Es würde nicht nur zwischen den Laufbahnen, sondern sogar innerhalb einer Laufbahn eine nicht nachvollziehbare Schranke eingezogen.
- Das Vorhaben, den Fachwirtabschluss als Zugang zum gehobenen Dienst zu etablieren und FaMIs damit eine Aufstiegsmöglichkeit jenseits des Studiums zu ermöglichen, wäre gescheitert.
Eines der Ziele der Ablösung des BAT war die Etablierung einer modernen Vergütungsstruktur, die auch die Überwindung der starren Strukturen der Laufbahngruppen und die zementierende Bindung von Eingruppierungen an rein formale Abschlüsse lockern sollte. Dieses Ziel würde, käme es so wie beschrieben, bezüglich der FaMIs nicht nur weit verfehlt. Im Gegenteil, es käme zu einer eindeutigen Verschlechterung der jetzigen Situation. Einen Zugang zur EG 8 hätten FaMIs dann nur noch über eine zusätzlich zu absolvierende, mehrere tausend Euro teure Fachwirt-Fortbildung.
Trifft das alles zu? Liest hier jemand aus berufenen Kreisen mit, die/der Hinweise geben kann, ob es sich um mehr als Kolportage handelt?
Veröffentlicht in In the Library | Schlagwörter:BAT, FaMI, TVÖD, Vergütung
Eine Sisyphosarbeit?
Wer hat ein noch schlechteres Image als BibliothekarInnen?
Während der Sitzung des “AK Ausbildung FAMI” und dem anschließenden “Forum Ausbildung Fachangestellte für Medien und Informationsdienste (FAMI)” am 26.9.2006 im Rahmen des 76. Deutschen Archivtages in Essen berichtete Katrin Hein vom „Beruflichen Schulzentrum 8“ in Leipzig von ihrer selbst gestellten Aufgabe, „das Bild des Archivars und des Archivs bei den Azubis gerade zu rücken.“ Denn in der ersten Unterrichtsstunde der neuen FaMIs habe sich als Antwort auf die Frage nach der „Spezies des Archivars“ häufig folgende Charakterisierung ergeben:
Er hat eine ungesunde, blasse Gesichtsfarbe; trägt eine Brille mit dicken Gläsern; ist meist grau gekleidet; unscheinbar und langweilig; hat wenig Kontakt zu seiner Umwelt.
Frau Hein wies zudem auf die uns allen bekannte Problematik der viele Jugendliche in die Irre führenden Berufsbezeichnung hin:
Viele Schulabsolventen hätten von dem FAMI-Berufsbild Vorstellungen wie beispielsweise „das Testen von Computerspielen“ oder die „Dauerbeschäftigung mit dem Rechner und dem World Wide Web“.
Veröffentlicht in Das Klischee | Schlagwörter:Archivar, Berufsbild, FaMI, Klischee
