Es hat zwanzig Romane gedauert, bis sich Donna Leon bequemt hat, das sowieso Selbstverständliche wie nebenbei zu notieren:

Brunetti stellte überrascht fest, dass er sich nicht mehr an das Datum erinnern konnte, wann er Paola kennengelernt hatte. Das Jahr wusste er natürlich noch und warum er in der Bibliothek gewesen war und das Thema des Aufsatzes, den er schreiben sollte … (“Reiches Erbe”, 2012, Hardcover-Ausgabe, S. 290).

Wir haben das ja eh geahnt. Warum soll es in italienischen Bibliotheken anders zugehen als in russischen, wie uns Wladimir Kaminer berichtet hat?

In der Sowjetunion war das so, wenn man als Mann ein Mädchen anbaggern wollte, ging man zum Tanzen, wenn man aber intelligente Mädchen anbaggern wollte, ging man in die Bibliothek.

Donna Leon weiß genau, dass die Vermutung, Bibliotheken seien ausgezeichnete Orte zum Flirten und Anbandeln, eben keine urban legend ist, sondern romantische Gewissheit. Das wurde in diesem Blog schon oft bewiesen, ja, ist hier geradezu Lieblingsthema. Deshalb spielt es auch keine Rolle, dass es sich bei Brunetti möglicherweise nur um eine literarische Figur handelt. Übrigens werden, um dieses Thema zu illustrieren, zahlreiche professionelle Fotos angeboten. Zwei Beispiele hier und hier.

Update 24.11.2012: Bereits im achtzehnten Fall erwähnt Donna Leon das erste Zusammentreffen von Paola und Guido. Auf Seite acht der Diogenes-TB-Ausgabe denkt Brunetti darüber nach, wie er zu Beginn ihrer Freundschaft alles über seine neue Freundin in Erfahrung bringen wollte.

Alles, was ihm mehr über diese wunderbare Frau sagen konnte, die ein gütiges Schicksal ihm zwischen den Regalen der Universitätsbibliothek über den Weg geschickt hatte.

Falls jemand von einer früheren Erwähnung des ersten Treffens in den Brunetti-Romanen weiß, bitte per Kommentar melden.

“Ich verzweifle darüber, dass Bibliothekare und Informationsfachleute sich damit abfinden, dass sie den Rang von Ausputzern oder alten Jungfern in der modernen Informationsgesellschaft zugewiesen bekommen.”

Dies hat der norwegische Jurist und Professor für Computerrecht Jon Bing in einem Interview mit der Zeitschrift “Information Wissenschaft & Praxis” gesagt [61 (2010) 1, S. 59-60]. Bing gilt als einer der führenden Experten in Skandinavien zu aktuellen Entwicklungen der Informations- und Wissensgesellschaft.
Er hat eine Menge für Bibliotheken und Bibliothekswesen übrig: “Bibliothekare sollten doch die Pioniere und Helden in der Wissensgesellschaft sein … Stattdessen werden sie oft missverstanden, sind oft bescheiden und verlegen. Ich könnte wütend darüber werden, dass sie die Bedeutung ihres Wissens in der Wissensgesellschaft nicht demonstrieren … Diejenigen, die mit wissensbasierter Technologie arbeiten, haben keine Ahnung von der langen Tradition und den vielfältigen Erfahrungen, die durch die Klassifizierung in der Bibliothekswissenschaft gewonnen wurde … Ich verzweifle darüber, dass Bibliothekare und Informationsfachleute sich damit abfinden, dass sie den Rang von Ausputzern oder alten Jungfern in der modernen Informationsgesellschaft zugewiesen bekommen.”

Erheblich mehr von und über Jon Bing in diesem Post und diesem Buch:

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Verfasst von: haferklee | 30. Oktober 2012

Eine Fahrbibliothek im Weltraum

Gibt es ein Science-Fiction-Buch, in dem die Besatzung eines Raumschiffs vollständig aus BibliothekarInnen besteht? Das die Aufgabe hat, die im Weltraum verstreut wohnenden Menschen mit Büchern und Informationen zu versorgen, also als eine Art Fahrbibliothek mit Raketenantrieb zu fungieren?

Ja, das gibt es. Geschrieben hat es das norwegische Multitalent Jon Bing (mehr zum Autor, einem höchst ungewöhnlichen Menschen, auch unten). Bing hat eine Reihe von Jugendromanen rund um das Sternenschiff “Alexandria” verfasst, dessen Besatzung aus Bibliothekswesen besteht. Natürlich löst sie die Konflikte, in die sie gerät, mit Wissen und nicht mit Gewalt. Der erste Roman der Serie aus dem Jahr 1975, im Original betitelt “Azur – kapteinenes planet”, wurde von Helga Thiele aus dem Norwegischen ins Deutsche übersetzt und erschien 1980 unter dem Titel “Azur – Planet der Kapitäne” im (Ost)Berliner Kinderbuchverlag. Da ich des Norwegischen nicht mächtig bin, ist es für mich das einzig zugängliche Buch der Reihe.

Die Handlung dieses Romans spielt auf dem viele Lichtjahre von der Erde entfernten Planeten Azur. Der Azur wurde, wie viele andere Planeten im Weltraum auch, vor langer Zeit von Menschen kolonisiert, nachdem es auf der Erde zu großen Umweltproblemen gekommen war. Die Verbindung zwischen den weit verstreut im Weltraum liegenden Planeten stellen Raumschiffe wie die “Alexandria” her, deren Besatzung aus BibliothekarInnen besteht. Während der jahrelangen Reisen zwischen den Planeten (Warp-Antrieb gibt’s hier nicht) steuert ein Computer die Raumschiffe. Die Mannschaft ist eingefroren und wird jeweils geweckt, wenn sich das nächste Ziel nähert.

Die Sternenschiffe brachten Neuigkeiten von einem Ende der Milchstraße zum anderen. Und womit waren die Schiffe beladen? Mit Informationen, Filmen, Theaterstücken, Romanen, wissenschaftlichen Arbeiten, Gemälden, Musik. Diese Fracht war unendlich mehr wert als eine Ladung von Gold, kostbarem Schmuck oder seltenen Getränken. Eigentlich waren die Sternenschiffe gigantische fliegende Bibliotheken. Die Mannschaftsmitglieder an Bord der Schiffe wurden auch meist “Bibliothekare” genannt.

Als der Azur erreicht ist, wird ein Bibliothekar namens Kayab zur Kontaktaufnahme auf den Planeten gebracht. Als er die ersten Menschen auf Azur trifft, stellt sich heraus, dass in dieser Zivilisation Bücher verboten sind und es demzufolge Bibliothekare nicht geben darf. Kayab wird niedergeschlagen und eingesperrt. Allerdings geht man recht human mit ihm um. In Gesprächen mit seinen Bewachern erfährt er nach und nach die Geschichte des Planeten Azur.

Seit der Erstbesiedelung haben die Menschen dort für mehrere Jahrhunderte, bis zum Auftauchen der “Alexandria”, keinen Kontakt mehr zu anderen Menschen gehabt. Auch auf dem Azur war es durch ungezügelte und massive Industrialisierung zu lebensbedrohlichen ökologischen Fehlentwicklungen gekommen. In dieser Phase verbreiteten die damaligen Bibliothekare,

“… es werde eines Tages ein Schiff, mit ungeheurem Wissen beladen, von den Sternen kommen. Diese Bibliothekare fütterten die Menschen mit Träumen. … Es gibt verschiedene Träume. Träume voller Hoffnung und Lebensmut. Andere enthalten Ausreden und Lügen. Mit den letzten lullten [die] Bibliothekare die Menschen ein. Sie sagten, ein Sternenschiff mit ungeheurer Wissensfracht werde kommen. Und unter all diesem Wissen werde sich gewiß auch eine Lösung für unsere Probleme finden lassen, ein Weg, wie man der Katastrophe entgehen … könne.”

Das angekündigte Sternenschiff kommt jedoch (noch) nicht, und die Probleme drohen außer Kontrolle zu geraten. In dieser Phase der Geschichte des Azur, dem “Wendepunkt”, übernimmt eine oligarchische Clique die Herrschaft, der sogenannte “Rat der Kapitäne”, dem es mit diktatorischen Mitteln gelingt, die ökologische Katastrophe zu überwinden und das Schicksal des Planeten Azur und seiner Siedler zum Guten zu wenden. Allerdings werden dabei die Fabriken stillgelegt, die Maschinen zertrümmert und die Bücher verboten. Die Kapitäne achten darauf, dass außer ihnen niemand Maschinen herstellt und Bücher besitzt, um die Entwicklung unter Kontrolle behalten zu können. Es werden nur Maschinen hergestellt, die mit Elektrizität aus Wind- und Wasserkraft betrieben werden, Maschinen, die nicht das Gleichgewicht der Natur stören. Computer übrigens gibt es durchaus, die Kommunikationsmittel Radio, Fernsehen und Telefon sind dagegen verboten.

Kayab gelingt es, Meriann, eine Frau, die Mitglied im Rat der Kapitäne ist und deren Stimme Gewicht hat, davon zu überzeugen, dass die strengen Regeln, die früher notwendig waren, veraltet sind und nun womöglich sogar das Gegenteil des einst gut gemeinten bewirken. Die Überwachung der Computer und die Kontrolle sämtlicher Informationen waren einst sinnvoll, führen aber nun zur Unterdrückung des Volkes. Die Gesetze stützen nur noch die Macht der Kapitäne und verhindern, dass sich das Wissen in der Gesellschaft ausbreiten kann.

In einem parallelen Handlungsstrang wird die Geschichte des Waisenjungen Benji erzählt, dem Sohn des letzten Bibliothekars von Azur. Er erhält eine Diskette, die eine rätselhafte Botschaft seines verstorbenen Vaters enthält. Benji findet heraus, dass sein Vater an einem bestimmten Ort einen Schatz für ihn versteckt hat. Er flieht aus seinem Internat und macht sich auf die Suche. Es gelingt ihm, die Botschaft zu entschlüsseln. Sein Vater hat in der Nähe seines letzten Wohnortes einen Raum in einen Felsen gehauen und darin Bücher versteckt, die letzten und einzigen Bücher auf dem Planeten Azur. Benji findet den Raum und die Bücher. Zeitgleich tauchen Kayab und Meriann auf, die sich den Wohnort des letzten Bibliothekars auf Azur anschauen wollten.

Am Schluss des Buches können die Bibliothekare den Rat der Kapitäne überzeugen, die verbotenen Maschinen wieder zuzulassen und das Verbot von Büchern, Radio, Fernsehen und Telefon aufzuheben. Die “Alexandria” umkreist noch für ein paar Jahre den Azur und versorgt die Bevölkerung mit Informationen. Als sie wieder losfliegt, um zum nächsten Planeten zu gelangen, ist ein neuer Bibliothekar an Bord, denn Benji hat sich entschlossen, diesen Beruf zu ergreifen.

Soweit zur Handlung. Ich sehe das Buch mit heutigen Augen als ein naives Märchen, bei dem ich bestimmte Aspekte aber durchaus interessant finde. Es ist nicht gerade actionlastig oder brutal – es gibt zwei leichte Verletzungen durch einen Unfall und eine kurze Bewusstlosigkeit durch den oben erwähnten Angriff, das war’s auch schon. Spannende Weltraumszenen findet man gar nicht. Insoweit könnte man heutige Jugendliche damit nicht hinter dem Ofen hervor locken, man würde den Jugendroman wohl nicht wie damals erst ab 11 Jahren empfehlen. Allerdings hat sich Jon Bing durchaus an einen komplexen Stoff gewagt. Phantasie kann man ihm in der Ausgestaltung der Flora und Fauna des Azur nicht absprechen: Dort gibt es Brotäpfel, Erdeulen, Flugkatzen, Flußgespenster, Glasfische, Goldmöwen, Lachechsen, Meerestrolle, Moosbären, Schirmvögel, Seidenschafe, Sonnenflieder, Wachsbäume, Zischelnüsse und Zuckerbirken. Zum Teil sind sie hier zu sehen:

Die Umschlagzeichnung und die Bilder im Inneren stammen von dem Illustrator Fred Westphal.

Nun zu den in meinen Augen auch heute noch interessanten Aspekten des Romans. Beginnen wir mit dem Autor.

Jon Bing ist Jurist und Professor für Computerrecht. Er gilt als einer der führenden Experten in Skandinavien zu aktuellen Entwicklungen der Informations- und Wissensgesellschaft. Neben vielen Fachpublikationen und wissenschaftlichen Auszeichnungen kann er auch auf zahlreiche belletristische Werke verweisen, die ebenfalls mehrfach Preise eingeheimst haben. Wenn man eine Vorstellung von seiner Originalität und Skurilität bekommen möchte, schaue man sich dieses einminütige Video auf YouTube an, ein Werbespot für die norwegische Telefongesellschaft Telenor. Darin geht es um die Langzeitaufbewahrung von Daten, die Haltbarkeit von Speichermedien und die Authentizität von elektronischen Signaturen. Der Werbefilm reflektiert nach Bings eigenen Worten darüber am Beispiel einer traditionellen Bibliothek, eines konventionellen Films und moderner Medien. Mitgemacht hat er an diesem Werbefilm übrigens vor allem deshalb, weil er als Science-Fiction-Autor die Möglichkeit bekam, einen Raumanzug tragen zu können. Außerdem ist er in einem altmodischen Nachthemd zu sehen, auf dem sein persönliches Elefanten-Logo aufgedruckt ist.
Jon Bing hat eine Menge für Bibliotheken und Bibliothekswesen übrig: “Bibliothekare sollten doch die Pioniere und Helden in der Wissensgesellschaft sein … Stattdessen werden sie oft missverstanden, sind oft bescheiden und verlegen … Ich verzweifle darüber, dass Bibliothekare und Informationsfachleute sich damit abfinden, dass sie den Rang von Ausputzern oder alten Jungfern in der modernen Informationsgesellschaft zugewiesen bekommen.”

Damit sind wir beim zweiten Aspekt, dem Berufsklischee. Es gibt im Roman keine alten Jungfern mit Dutt; dagegen können Bings Bibliothekswesen ausgezeichnet mit Technik umgehen und Raketen steuern, und sie treten für den freien Zugang zu Wissen und Informationen ein. Andererseits haben sie in einer bestimmten Phase der Entwicklung des Planeten falsch gehandelt. Zur Besatzung des Raumschiffs gehört auch “ein kräftiger Bibliothekar mit roten Haaren und rotem Bart, der lauthals und oft lachte”. Das ist alles schon recht variantenreich. Trotzdem blieb bei mir ein klischeehafter Eindruck hängen. Die BibliothekarInnen der “Alexandria” sind durchgehend sehr friedfertige Personen, die niemals Gewalt anwenden, Konflikte stattdessen durch Überzeugen lösen, emphatisch handeln und sehr, sehr viel Zeit und Geduld haben.

Interessant finde ich auch das Verhältnis von Computern und Büchern im Roman. Computer werden bereits in der Schule eingesetzt, und sie sind vernetzt. Dabei ist es so, dass die Kinder nicht mehr unbedingt selbst rechnen oder reines Faktenwissen pauken müssen. Stattdessen werden sie dazu angehalten, ihren Computern die richtigen Fragen zu stellen, um das in Datenbanken verfügbare Wissen zu erlangen; im Grunde handelt es sich um eine Schulung zur Informationskompetenz. Computer werden allerdings nur mit zweckgerichteten Daten gefüttert. “Ich bin sicher”, sagt Kayab in einem Gespräch zu Meriann, “daß ihr in euren Computern nur nützliche Dinge gespeichert habt. Daten über Meeresströmungen, Inseln, Personen, über Sterne und Wetter. Alles ausgesprochen nützliche Informationen. Aber habt ihr auch Märchen in euern Computern? Geschichten?” Im Gegensatz zu den Computern scheinen Bücher “etwas Magisches zu besitzen. Alle, die eins in die Hand bekommen, sind gleichsam verhext, wollen es nicht mehr hergeben,” so Meriann an einer anderen Stelle. Und in einem weiteren Dialog heißt es: “Ein Computer ist zwar sehr nützlich, aber er kann nicht Bücher ersetzen. Einen Computer kann man nicht in der Tasche mitnehmen, man kann nicht unter einem Baum liegen und auf einem Bildschirm lesen.” Merke: Auch ein Jon Bing kann nicht jede technische Innovation voraussehen.

Hochinteressant ist meines Erachtens ein politischer Aspekt. Ich bin äußerst verblüfft, dass das Buch 1980 in der DDR erschienen ist. Aus heutiger Sicht (und meines Erachtens auch aus damaliger Sicht) kann man es durchaus als eine Parallelentwicklung zur Geschichte der DDR lesen. An einem bestimmten, entscheidenden Punkt der Geschichte hat sich ein begrenztes Gremium, der Rat der Kapitäne, die Macht angeeignet mit dem Ziel, zu einer positiven Gesellschaftsentwicklung auf dem Azur zu kommen. Die Absichten waren gut (“Wir wollen nur alles zum besten des Planeten”, sagt Meriann), es gab Erfolge, und mit diesen Erfolgen rechtfertigte man Einschränkungen in Grundrechten. Im Buch dürfen bestimmte Regionen des Planeten nicht betreten werden, und der Zugang zum Wissen ist nicht frei, sondern unter der Kontrolle der Herrschenden. Die geben dann ihre einmal erlangte Macht nicht mehr ab. “Ihr Kapitäne habt gegenwärtig den gesamten Planeten unter eurer Kontrolle. Ihr behaltet alle Informationen über Maschinen und Geschichte für euch. Ihr wißt wahrscheinlich über jeden einzigen [sic] Computer Bescheid und paßt auf, daß nur genehmigte Informationen eingespeichert werden … Ihr hemmt doch nur die von euch gewünschte Entwicklung, unterdrückt das Volk, macht es unzufrieden. Die Kapitäne zu schützen – darin besteht der einzige Nutzen der Verbote … Eigentlich seid ihr Kapitäne Diktatoren. Vielleicht war am Wendepunkt eine solche Diktatur notwendig. Aber ihr könnt sie unmöglich weiterhin verantworten”, wirft Kayab Meriann vor. Man lese statt “Azur” einfach “DDR”, und statt “Rat der Kapitäne” “Ministerrat”.
Das Buch hat bei seinem Erscheinen in der DDR die Lizenz-Nr. 304/-270/51/80-(10) bekommen. Hat damals jemand nicht aufgepasst? Oder war im Gegenteil irgend jemand mutig und hat dieses Jugendbuch gerade wegen seiner politischen Brisanz veröffentlicht?

PS 1: Falls man den Roman erwerben möchte, bitte rasch handeln. Es werden nur wenige Exemplare antiquarisch angeboten.
PS 2: Ein Interview mit Jon Bing auf Deutsch unter dem bezeichnenden Titel: “Die Zeit als Lagerarbeiter ist für Bibliothekare vorbei” ist in der Zeitschrift “Information Wissenschaft & Praxis” 61 (2010) 1, S. 59-60 erschienen. Es ist nicht online zugänglich. Ihm verdanke ich die Anregung zum Thema und die oben zitierten Aussagen von und über Jon Bing.
PS 3: Das hier vorgestellte Buch scheint in (deutschsprachigen) Fachkreisen (also Bibliothekswesen und Astronauten) wenig bekannt zu sein, ich habe kaum etwas dazu gefunden. In der einschlägigen “Bibliographie Berufsbild Bibliothekarin” kommt es nicht vor. Nur zu gern wüsste ich, ob es in dieser hochinteressanten Veranstaltung Erwähnung fand, die leider 900 km zu weit südöstlich stattgefunden hat, als dass ich hätte teilnehmen können, was ich noch heute bedaure.

Verfasst von: haferklee | 24. September 2012

Wie Bücher unser Leben bereichern

Gehören Bücher, die man nicht mehr benötigt, in den Kamin? Dass das eine originelle Idee der Weiterverwertung für ausgelesene Werke sein könnte, denkt offensichtlich die Firma Knauber, die im Rheinland mehrere Freizeitmärkte betreibt. In der aktuellen Ausgabe 3/2012 ihres Kundenmagazins findet sich ein Themenschwerpunkt mit dem Titel: “Talente mit vielen Seiten: Wie Bücher unser Leben bereichern”. Wer nun begeistert denkt, hier kümmere sich ein Freizeitmarkt um Leseförderung, ist allerdings gründlich auf dem Holzweg, denn um’s Lesen geht es überhaupt nicht. Mit der Prognose “Das Medium Buch hat nämlich aus unserer Sicht noch lange nicht ausgedient” präsentiert die Firma stattdessen “… neue und ungewöhnliche Ideen, wie Bücher im Alltag stattfinden können.” Da werden Kinderbücher – gestapelt zusammengebunden und mit einem Sitzkissen versehen – zum bunten Hocker umfunktioniert. Ein Einzelbuch wird mit Knöpfen versehen, an die Wand gedübelt und erhält eine neue Aufgabe – als Schlüsselbrett. Dicke, alte Schinken könne man, so wird vorgeschlagen und im Bild gezeigt, mit der Stichsäge und einer ruhigen Hand ihres Buchblocks berauben und in eine “außergewöhnliche Schatulle für neuen wertvollen Inhalt”, sprich Schmuck, verwandeln. Faszinierender Höhepunkt des Ganzen ist der Kamin als Aufbewahrungsort:

Ich empfinde den Vorschlag, auf diese Art und Weise die Lieblingsstücke meiner Bibliothek unterzubringen, als in höchstem Maße entzückend. Da das Kundenmagazin mit seinem Ratgebercharakter sich zwar bunt und fröhlich, aber im Kontext keineswegs ironisch präsentiert, bezweifle ich, dass die Gestalter die tiefere (oder schiefere?) Bedeutung ihres Gestaltungsvorschlags bis zum Ende durchdacht haben.

PS. Zur Ehrenrettung der Firma sei hinzugefügt, dass einige Ideen durchaus originell sind. Die Idee zum Thema ist ihr wohl durch dieses kürzlich erschienene Buch gekommen, auf das sie auch hinweisen. Und im Übrigen empfinde ich die Knauber-Märkte als recht gut sortiert und fast immer erlebe ich eine sehr gute Beratung!

Verfasst von: haferklee | 10. September 2012

Benutzerführungen

Wie beginnt man Benutzerführungen? Ich habe Führungen in unserer Bibliothek, die im Bereich des Auskunftsplatzes starten, schon mal mit einem Zitat aus dem Roman “Das periodische System” des italienischen Schriftstellers Primo Levi begonnen:

Der Bibliothekar war ein unwissender, frecher, grundhässlicher Grobian, den man an den Eingang gesetzt hatte, damit er mit seinem Aussehen und seinem Geschimpfe die um Einlaß Bittenden abschreckte.

Und Gender hin, Gender her: Wenn am Auskunftsplatz “zufällig” gerade eine junge, hübsche Kollegin sitzt, hat man nicht nur die Lacher, sondern auch die Lacherinnen auf seiner Seite, und die Bibliotheksführung kann gut gelaunt beginnen.

 


Verfasst von: haferklee | 6. Juli 2012

Libraries in Pop Culture

Die Tumblr-Seite “Libraries in Pop Culture” bietet viele lustige Zitate zu unserem Beruf, von und über das und die Bibliothekswesen, mit und ohne Klischee:

I’m a semi-recent MLIS grad who loves libraries and pop culture, so I thought I’d collect the various manifestations of libraries and librarians in books, movies, TV, music, art, etc.

schreibt die Betreiberin, Whitney Winn. Eine Fundgrube. Beispiel:

Zugegeben, dieses Urteil hat, im Gegensatz zu dem zuletzt erwähnten von Rayk Wieland, schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel.
Es stammt von Alice Herdan-Zuckmayer, der Ehefrau des Schriftstellers Carl Zuckmayer. Beide mussten nach dem Einmarsch Hitler-Deutschlands in Österreich ihr Heim in Henndorf bei Salzburg verlassen. 1939 wanderten sie mit ihren beiden Töchtern nach Amerika aus, wo sie während der Kriegsjahre eine Farm in Vermont betrieben. Über diese Lebensphase berichtet sie in ihrem 1949 erschienenen Buch “Die Farm in den grünen Bergen”, in dessen umfangreichen Kapiteln “Der Weg zur Bibliothek” und “Die Bibliothek” sie ihre Eindrücke des amerikanischen Bibliothekswesens zur Zeit ihres Exils schildert. Beispielhaft für die amerikanischen Universitätsbibliotheken steht die Dartmouth College Library, deren Nutzerin Alice Herdan-Zuckmayer in den Jahren von 1940 bis 1945 war. Liest man diese Passagen, muss man feststellen, dass die amerikanischen UBs den deutschen damals in ihrer Nutzerorientierung um Lichtjahre voraus waren. Interessant ist natürlich die Frage, ob und wie viel sich dieser Abstand bis heute verringert hat.
Wenn man sich dort einmal eingenistet hatte, so erschienen alle anderen Bibliotheken, besonders aber die in Europa, Ausspeisungshallen, Bahnhofswartesälen, Steuerbüros oder Museen zu gleichen, deren variierende und unberechenbare Öffnungs- und Sperrstunden, deren Aufschriften, die aus mannigfachen Verboten bestehen, deren Beamte, in weißgraue Kittel gekleidet, in mir die Vorstellung erwecken, ein Bittsteller, ein Schüler auf Stipendium zu sein, der es sich nicht leisten kann, die nötigen Bücher zu kaufen, und daher ein Almosen entgegennehmen muß, wobei ihm gut auf die Finger geschaut wird, daß er nichts mitgehen läßt.
Am meisten aber stört mich an den europäischen Bibliotheken die Nüchternheit, die Unbeschwingtheit, die den Lesesälen aus allen ihren Staubporen dringt und einen zwingt, sich wie eine Schnecke mit dem geliehenen, ergatterten Buch in sein Haus zurückzuziehen.
In meiner Bibliothek ist man zu Gast, die Angestellten sind gekleidet wie zu einer Teegesellschaft, in deren Bibliotheksräumen man sich aufhält, und die Gastgeber setzen ihren Stolz darein, die Bücher zu haben oder zu beschaffen, für die man sich interessiert.
Es geht gastfreundlich und ungezwungen zu; das Gebäude, die Innenräume, die Einteilung, die Leute dort sind erfüllt von der Atmosphäre des Bedeutenden und Wichtigen, des Bedeutenden, das in vielen Büchern als latente Energie aufgespeichert ist, und des Wichtigen, dieses in das Leben überführen zu können und sie dem Lebendigen nutzbar zu machen.
Das also ist meine Bibliothek, und sie bedeutet nichts Geringeres für mich als auf einem anderen Planeten zu landen.
[Fotoquelle: historiann.com]
Da ist also die Bibliothek: mein Fels, mein Hort, mein Kloster. Die Bibliothek liegt genau in der Mitte der Stadt, das ist kein Zufall, sie haben sich die Mitte ausgedacht und die Mitte gewählt. Das Gebäude hat nach der Südseite einen breiten zweistöckigen Mittelteil mit einem hohen Turm und zwei Seitenflügeln im “Colonial Georgian”-Stil, rote Ziegelwände, weiße Fensterrahmen und Türen und einen weißen Turm. Da das Gebäude auf unebenem Gelände liegt, besteht die Nordseite aus zehn niedrigen Stockwerken, während die übrigen Teile nur aus zwei hohen Stockwerken gebildet sind. Es begrenzt den großen Rasenplatz mit den alten Bäumen …
Vom Ostflügel der Halle kommt man in zwei große Räume, den freundlichen, nüchternen Raum, der nur für Zeitungen bestimmt ist, und dem gegenüber liegenden “Reference”-Raum …, ein Bibliotheksraum wie in einem englischen Schloß … Vor diesem Reference-Raum sitzen von acht Uhr früh bis halb elf Uhr nachts an einem großen Schreibtisch, der bedeckt ist mit kleinen Fragezetteln, Angestellte der Bibliothek und erteilen Auskünfte, freundlich, hilfsbereit, unermüdlich. Sie helfen den Studenten Bücher in der Kartothek suchen und in den Bücherregalen finden, sie suchen ihnen Material … zusammen, sie beraten sie, wo sie ihre Mäntel hinwerfen sollen, und wo sie rauchen, und wo sie nicht rauchen dürfen.
“Obwohl das Privileg des Rauchens kaum jemals in Bibliotheken gestattet ist”, heißt es im Handbuch [der Bibliothek], “wegen der Feuersgefahr, hat sich die Bibliothek entschlossen, um einen angenehmen Platz für die Studenten zu schaffen, das Rauchen im Turm, in den Seminarräumen und im großen Studiersaal zu gestatten.”
Dieser Turm … ist ein Riesensaal. Hier sollen die Studenten zu ihrem Vergnügen lesen und nicht ihrer Prüfungen und Zeugnisse wegen. Hier haben sie bequeme Stühle für sie gebaut. Die Stühle sind so bequem ausgefallen, daß man die Studenten oft reihenweise schnarchen hört … “Hier sollen keine Regeln gelten und keine Beschränkungen”, erklären sie. “Dieser Raum soll als ein Club betrachtet werden. Vielleicht werden sich dann manche Studenten nach Jahren noch daran erinnern, daß sie die wertvollsten Stunden ihrer Universitätszeit dort verbracht haben.” Die Studenten gruppieren sich ums Kaminfeuer, das bei Abenddämmerung angezündet wird, es herrscht ein angenehmes, von Lampenschirmen gedämpftes Licht, und über allem liegt der Geruch von Kaffee, der im Hintergrund serviert wird.
Da ist ein Stab von Angestellten damit beschäftigt, einem das Buch zu besorgen, das man braucht. Die Antwort “Das gibt es nicht, das kann ich Ihnen nicht beschaffen” habe ich in all den fünf Jahren, die ich in der Bibliothek arbeitete, niemals gehört.
Da … sind die Zimmer der Bibliothekare und des Leiters der Bibliothek, Zimmer von einer Schönheit und Behaglichkeit, daß man sich fragt, ob die wohl je nach Hause gehen wollen.
Ich gehe also durch die Stockwerke und betrachte die Bücher. Und wie ich durch die Reihen von Hunderttausenden von Büchern gehe, denke ich, die kann ich alle haben, die gehören mir und den Studenten und Professoren und den Gästen, die in die Bibliothek kommen. Dieses Gefühl von allgemeinem Besitz oder gemeinsamem Besitz des Außergewöhnlichen macht es wohl, daß kaum jemanden die Lust ankommt, etwas davon wegzunehmen und zu behalten. Diebstahl ist ein Faktor, mit dem an der Bibliothek nicht gerechnet werden mußte.
Alle Zitate aus diesem Buch, zitiert aus der Ausgabe als Fischer TB, im 432. Tsd 1994.

Dieses harte Urteil fällte der Schriftsteller Rayk Wieland, nachdem er auf seiner Lesereise die Bibliothek des Provinzstädtchens Campeche in Mexico besucht hatte. Die ist tatsächlich recht nobel:

das empfangszimmer gleicht einem prunkvollen palastsaal, und wer immer hier leiter, chef, direktor, generalpräsident oder buchpapst ist, der logiert nicht in einer besenkammer. während die provinz-bibliotheken in deutschland ein ebenso kümmerliches wie kummervolles dasein fristen, eben noch so geduldet, resterampen vormaliger epochen, bestückt mit billigschwarten, betrieben von teilzeitkräften, scheint in mexiko der bibliotheksdirektor erstrangige repräsentationsfunktionen zu versehen, glanz und gloria auf sich zu ziehen und jedenfalls über ein arbeitszimmer zu verfügen, in dem auch der spanische könig gut mal absteigen und eine cigarre durchziehen könnte.

Zu sehen und mehr zu lesen ist hier.

Rayk Wielands Post ist ja schon etwas älter, und hier im Rheinland sind wir gerade in generöser Karnevalsstimmung. Wir wollen das also mal auf sich beruhen lassen.

 

Verfasst von: haferklee | 3. Februar 2012

Ist Sex in der Bibliothek ein guter Gedanke?

Die “Zeit online” hat ihren Reporter Max Gruber losgeschickt, damit er über öffentlichen Sex an der Uni nicht nur nachdenke, sondern ihn auch vollziehe. Das tut er auftragsgemäß an verschiedenen Orten, natürlich auch in der Bibliothek. (Wo sonst?)  Als Ort des Geschehens wird die “Hauptbibliothek in Köln” genannt; Max Gruber meint damit wohl die USB, und berichtet am 12.12.2011 für die Rubrik “Uni-Leben”:

Ich brauche ein paar Versuche, bis ich einen guten Platz gefunden habe: erster Stock, ganz in der Ecke, hinter Regal 1, KS/ A2–A5005. Ein einsamer Tisch steht versteckt hinter meterhohen, weißen Regalen. Es riecht nach alten Büchern, die Bibliografia hispanica von 1947 steckt hier oder der Suomen kirjalliisuus, 1993. … Platz ist genügend da, sie stützt sich am Tisch ab. Ich halte mich am Handbuch der Abkürzungen N bis O fest, dem achten von zehn Bänden, wie ich später feststelle. Früher habe ich gedacht, dass so was vor allem schnell gehen muss. Doch schnell heißt meist auch laut. Hier hört man aber fast jede Bewegung. Wir machen also langsam und leise.

Die Titanic macht auch, nämlich sich in ihrer aktuellen Printausgabe – also nicht verlinkbar, und mit der durch die monatliche Erscheinungsweise bedingten Verzögerung – über den Artikel lustig:

Wir müssen an dieser Stelle leider abbrechen, sonst könnten wir nicht mehr an uns halten, während sich Dein Autor noch auf den Toiletten, der Wiese vor sowie dem Treppenhaus in der Lehranstalt vergnügt … Und das alles im Dienste der erkenntnisleitenden Frage: “Ich will wissen, ob Sex in der Bibliothek mehr ist als nur ein guter Gedanke.” Jetzt aber mal ehrlich, Zeit Campus: Das kann doch mit dem Selbstversuch rein epistemologisch gar nichts werden, wenn schon die Grundannahme falsch ist: Woher will jemand, der für Dich schreibt, wissen, was ein guter Gedanke ist?

 

Verfasst von: haferklee | 25. Januar 2012

Die Bücherei im Gefangenenlager von Guantánamo

Im Januar 2002, also vor zehn Jahren, wurden die ersten Terror-Verdächtigen nach Guantánamo Bay gebracht. Die Reporterin Katja Schlesinger war im November 2011 vier Tage auf der Insel und und im Lager. Sie berichtete darüber in einem Beitrag für die Sendung „Neugier genügt“, der am 10.1.2012 im Radio auf WDR 5 lief. Sie hat auch die Bücherei des Gefangenenlagers besucht und dabei eine bizarre Entdeckung gemacht. Hier eine Abschrift der Sendung, soweit es die Gefängnisbücherei betrifft; Einschübe in [ ] von mir:

[Die Offizierin (Erica), die die Reporterin durch das Lager führte] … zeigt mir auch den Raum, wo die Gefangenen Englischunterricht haben, und Malunterricht. Die Bilder der Gefangenen hängen im Eingangsbereich der Häftlingsbücherei. Gleich an meinem ersten Vormittag in Guantánamo Bay bin ich dort gewesen. Nach der freundlichen Begrüßung macht mich die Chefin der Bücherei, Rosária, sofort auf die Gemälde der Gefangenen aufmerksam. [Eine Weile geht es um die Gemälde.] … Die Bibliothekarin zeigt mir jetzt die vielen Bücher, rund 18.000 in 18 verschiedenen Sprachen. Sie führt mich auch zur deutschen Sektion. Es sind nur ein paar Bücher, darunter alle Bände von Harry Potter. Murat Kurnaz hat mir erzählt, dass er die gelesen hat. Mir fällt ein lilafarbener Einband auf. Kafka; ein Erzählband in deutsch und englisch. Ich will wissen, welche Geschichten enthalten sind, und knie mich hin: „Urteil, Verwandlung, In der Strafkolonie. – Do you know Kafka?“ „No.“ „Do you, Erica?“ „No.“ „It’s interesting to have this here, because …“ Weil niemand in der Bücherei Kafka kennt, erzähle ich ein wenig von seinen verstörenden Geschichten, die die Situation, in der sich die Gefangenen hier in der Guantánamo Bay befinden, gut beschreiben, und ich frage, wie dieses Buch wohl hierher geraten ist. Doch das lässt sich nicht klären. Rosária zuckt mit den Schultern und hakt das Thema schnell ab. Mir aber geht es nicht mehr aus dem Kopf. Kafka in Guantánamo Bay – das ist mindestens so bizarr wie die Karaoke-singenden Philippinos am Strand [von Guantánamo, die zu Beginn des Beitrags beschrieben wurden].

Dieser Teil läuft ab Minute 13:00 des knapp siebzehnminütigen Beitrags.

Gefangene bei der Ankunft im Januar 2002. Foto: Shane T. McCoy, U.S. Navy, gemeinfrei.

Update: Schöne Ergänzung mit Infos und Fotos hier.

Dank an Rainer Koch für den Hinweis auf die Sendung.

Ähnliche Beiträge:
Die Bibliothek auf Alcatraz.

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