Verfasst von: haferklee | 2. November 2009

Novembermörder

Eines meiner Lieblingszitate zum Thema „Berufliches Klischee“ bezieht seine Spannung aus dem pikanten Gegensatz der beiden gegenübergestellten Berufsgruppen.
In dem bei btb im Jahr 2000 erschienenen schwedischen Kriminalroman „Der Novembermörder“ von Helene Tursten berichtet eine Polizistin namens Birgitta ihren Kollegen von der Mordkommission über das Verhör einer als Täterin in Frage kommenden Frau. Dabei hat sie herausgefunden, dass die Verdächtige, zusätzlich zu ihrem regulären Halbtagsjob, nebenbei gelegentlich als Prostituierte arbeitet.

„Eine Nebentätigkeit“, sagte Birgitta, „die ihr doppelt so viel einbringt wie ihr sonstiger Job. Ratet mal, als was sie normalerweise arbeitet?“ Birgitta sah sich unter den Kollegen um, die interessiert ihren Ausführungen gefolgt waren. “Stripperin“, „Kindergärtnerin“, „Krankenschwester“ lauteten einige Vorschläge. Birgitta schüttelte lächelnd den Kopf. „Alles falsch! Sie ist Bibliothekarin!“ Alle um den Tisch sahen verblüfft drein. Etwas so Langweiliges hatte sich keiner vorgestellt.

Die Betonung beim Lesen des letzten Satzes muss sicher auf „so“ liegen. Dass die normale Berufstätigkeit der Verdächtigen, egal, worum es sich handelt, im Vergleich zur „Nebenbeschäftigung“ langweilig sein muss, scheint für Frau Tursten eh klar zu sein. Aber so langweilig …

Verfasst von: haferklee | 27. Oktober 2009

Aus der Geschichte der Information Professionals

Seit wann benötigt man eigentlich gut ausgebildete Information Professionals, die einen sicher durch den Dschungel der Informationsflut geleiten und einem am Ende präzise liefern, was man wollte, und vielleicht sogar noch mehr, auf das man von selbst nicht gekommen wäre?

Spätestens seit 1688. Damals nämlich klagte Gottfried Wilhelm Leibniz:

Es ist zuvörderst männiglich unverborgen, welchergestalt alle Frankfurter Oster- und Herbstmesse eine große Menge neuer Bücher, so sich gemeiniglich auf etliche 100 belaufen, herauszukommen pflegen. Dadurch aber endlich alle Wissenschaften und Fakultäten dergestalt überhäuft werden, dass man schon allbereit nicht mehr weiß, was man in solcher Menge brauchen und wo man ein jedes suchen soll.

Kein Wunder, dass Leibniz später Bibliothekar wurde.

Zitiert nach B.I.T.online 12 (2009) 3 S. 291, wo Georg Ruppelt auf diese Feststellung von Leibniz hinweist.

Verfasst von: haferklee | 20. Oktober 2009

RAK für FaMIs

Seit einiger Zeit liegt im Internet frei verfügbar eine sehr gut brauchbare Handreichung zur betrieblichen FaMI-Ausbildung für die Katalogisierung nach RAK vor. Vermutlich haben noch nicht alle in dieses Tätigkeitsfeld der Ausbildung involvierte Kolleginnen und Kollegen damit gearbeitet, und manche wissen vielleicht auch überhaupt noch nicht davon. Für den eiligen Leser mag dieser Hinweis genügen.

Für die interessierte Leserin hier noch etwas Hintergrund.
Im Ausbildungsberuf FaMI werden Kenntnisse in der Titelaufnahme nach den RAK nicht nur von Auszubildenden aus der Fachrichtung Bibliothek gefordert, sondern – allerdings weniger umfassend – auch von den Auszubildenden der anderen Fachrichtungen. RAK wird zwar in der Schule unterrichtet, aber auch die Bibliotheken stehen in der Pflicht zur Lehre des Stoffs. Im Grunde fehlte aber bisher ein auf diesen Zweck und die Zielgruppe zugeschnittenes aktuelles Lehrmittel, denn der „Haller“ ist höchstens mit den ersten paar Beispielen einsetzbar. Um dieser misslichen Lage abzuhelfen, bildete sich auf Initiative der Bezirksregierung Köln in Person von Frau Roswitha Hoge eine Arbeitsgruppe mit sechs Kolleginnen und Kollegen aus Stadt- und Universitätsbibliotheken. Sie hat eine mit letztem Stand 1998 in einigen Bibliotheken kursierende frühere „Ausbildungsmappe“ (die mir nicht bekannt ist) vollständig überarbeitet und erweitert. Auf den Seiten der Bezirksregierung Köln, Zuständige Stelle in NRW, liegt sie nun online vor. Ich verwende diese Handreichung seit drei Monaten und finde sie ungemein praktikabel.

Worin liegt nun der besondere Wert der Broschüre? Zum einen darin, dass der theoretische Teil auf gut 30 DIN-A-4-Seiten in sehr übersichtlicher Form genau den Teil des Lehrstoffs darstellt, den Bibliotheks-FaMIs benötigen. Für Auszubildende anderer Fachrichtungen können deren AusbilderInnen die Stoffmenge mühelos nach Bedarf noch einmal straffen. Das Besondere der Handreichung sind aber die daran anschließenden Beispiele. Die Arbeitsgruppe stellt sage und schreibe 85 perfekt ausgesuchte Beispiele für RAK-Titelaufnahmen samt Lösungen zur Verfügung, und für RAK-NBM noch einmal weitere zehn, insgesamt also 95 Katalogisierungsbeispiele. Zum Vergleich: der „Böttger“, das seit drei Monaten vorliegende FaMI-Lehrbuch, enthält ebenfalls ein Kapitel zur „Einführung in die Katalogisierung nach RAK-WB für einfache Titelaufnahmen; MAB 2″. Böttgers theoretischen Teil empfinde ich als etwas weniger übersichtlich, vor allem aber kann er dann mangels verfügbarem Platz nur 13 Beispiele bieten, davon 2 für NBM. Gerade die vielen Beispiele der Handreichung sind aber außerordentlich hilfreich bei der Stoffvermittlung. Noch ein Vergleich: der „Haller/Popst“ bringt in seinem 330-seitigen Lehrbuch für den gesamten, in aller Breite und Tiefe dargestellten Stoff auch nicht mehr als 85 Beispiele für Titelaufnahmen.  Allen in der RAK-Vermittlung tätigen Kolleginnen und Kollegen sei deshalb die Handreichung der Arbeitsgruppe wärmstens empfohlen.

Update: Weniger empfehlen kann ich, nachdem ich jetzt auch damit gearbeitet habe, das RAK-WB-Kapitel im „Böttger“. Zum einen lässt sich füglich bezweifeln, ob es sinnvoll ist, schon als zweites Beispiel ein Titelblatt anzuführen, bei dem gemäß der Lösung ein Teil des Sachtitels zugleich als Serientitel anzugeben ist; das muss man RAK-Einsteigern erst mal erklären können. Besser wäre es gewesen, ein nicht verwirrendes, einfaches Beispiel für eine Serie zu wählen. Dann wurde bei den Beispielen 2 und 4 in den Lösungen die Illustrationsangabe vergessen. Schließlich sind einige Titelblätter so winzig abgedruckt, dass die Arbeit mit ihnen kaum möglich ist. Beim Beispiel 4 ist das so extrem, dass die Erscheinungsorte auch nach Vergrößerung nicht lesbar sind und in meinem Fall dadurch ein falsches Katalogisat meines Azubis mitbewirkt wurde.

Verfasst von: haferklee | 12. Oktober 2009

Haarsträubende Erlebnisse am Auskunftsplatz

Unsere amerikanische Kollegin Rebecca Hickman berichtet in ihrem Blog von ungewöhnlichen Erlebnissen am Auskunftsplatz, die sie in einem Fall selbst erlebt, in den anderen erzählt bekommen hat. So etwas lesen wir ja immer wieder gern. Einer der sicherlich haarsträubendsten Vorfälle:

A man was banned from the library for sneaking up behind women and cutting off their ponytails.

Verfasst von: haferklee | 5. Oktober 2009

Wien bibliothekarisch

Bei meiner diesjährigen einwöchigen Wienreise – der vierten innerhalb von 10 Jahren – hatte ich Gelegenheit, zwei besondere Bibliotheken besichtigen zu können.

Zunächst sei die Bibliothek der Arbeiterkammer Wien (AK) genannt. Ursprünglich 1921 gegründet, ist sie die bedeutendste sozialwissenschaftliche Bibliothek in Österreich. Und ihr Bestand von etwa 450.000 Bänden, mit etwa 750 laufend gehaltenen Zeitschriften und umfangreichen Sammlungen zur Geschichte des Sozialismus und der Arbeiterbewegung, zur Geschichte der europäischen Revolutionen des 18. und 19. Jahrhunderts sowie zur Geschichte der Nationalökonomie und der Sozialpolitik, ist über Österreich hinaus im ganzen deutschen Sprachraum von Bedeutung.Eingang AK-Bibliothek Seit 1960 residiert die AK in der Nachbarschaft des Belvedere. Allerdings war das Gebäude mit der Zeit den veränderten Anforderungen nicht mehr gewachsen. Von 2006 bis 2008 wurde es umgebaut, und so konnte ich, nachdem ich die AK 1999 noch in den alten Räumen kennengelernt hatte, ein architektonisch eindrucksvoll gestaltetes Haus mit einer jetzt wieder ausgezeichnet untergebrachten Bibliothek bewundern. Es gibt viele gelungene Details zu bestaunen. Als Beispiel hier ein Foto aus dem Eingangsbereich. Auf dieser riesigen Tafel sind eine Menge der für das Sammelgebiet der AK-Bibliothek bedeutenden AutorInnen aufgeführt.

Aufzug AKUnd dieses originelle Detail habe ich noch nirgends gesehen: ein Lift mit Glastüren, durch die man auf der gegenüberliegenden Wand des Aufzugsschachtes wichtige Termini des Sammelgebietes lesen kann, wenn die Kabine unterwegs ist.

Nahezu alles ist beim Umbau des AK-Gebäudes gelungen. Herausgekommen ist ein äußerst stimmiges Gebäude.

Die zweite bibliothekarische Station war die 2003 eröffnete Hauptbücherei. Meine nicht geringen Erwartungen wurden erfüllt: so muss eine gute Öffentliche Zentralbibliothek aussehen. Ein großes Medienangebot mit viel Platz, offensichtlich gut angenommen.

Zumindest an diesem Tag, einem Samstag, war die Bibliothek gut besucht. Die direkte Anbindung an U- und Straßenbahn sowie ein nettes
Cafe auf dem Dach des Gebäudes vervollständigen die Infrastruktur. Es gibt übrigens absolut keine Zugangsbeschränkungen und keine Eingangskontrolle. Ich bin zum ersten Mal in meinem Leben mit einem Rucksack auf dem Rücken durch eine große Bibliothek spaziert. Das ich das noch erleben durfte!
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Zwei Dinge seien hervorgehoben. Zum einen hat die Bibliotheksleitung keine Angst vor den neuesten Entwicklungen auf dem Buchmarkt. Man ist eine Kooperation mit Sony eingegangen und präsentiert seit dem 15. September im Lesesaal eine e-Book Reader Lounge, in der Gelegenheit besteht, sich mit dem Ding vertraut zu machen und es auszuprobieren. (Netbib und Infobib, das ist doch euer Terrain und durchaus eine Meldung wert!)

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Noch wesentlich verblüffter war ich aber schon beim Eingang in die Bibliothek. Einen kurzen Moment überlegte ich, wieso man neben der Hauptorientierungstafel einen Kaugummiautomaten aufgestellt hatte. Dann erkannte ich es: es handelte sich um einen Ohrstöpsel-Automaten! Also wirklich! Statt das „Shhhhh!“ durchzusetzen, der Verkauf von Ohrstöpseln. Liebe KollegInnen aus den deutschen (Großstadt-)ÖBs, ist das inzwischen Standard? Gibt es das bei euch auch schon?

Bisher hatte ich immer gedacht, dieser Unshelved-Comic sei zwar sehr witzig, entbehre aber der Realität. Von wegen!

Earplugs

Zu meinem dritten bibliotheksbezogenem Erlebnis in der Wien-Woche ist mir Haftgrund zuvorgekommen, so dass ich mich kurz fassen kann. Die Wiener Straßenzeitung „Augustin“ hat in ihrer aktuellen Ausgabe einen ganzseitigen Artikel über eine Kollegin veröffentlicht, die in einer Stadtteilbibliothek im 2. Bezirk arbeitet. Der Bericht kommt dabei ohne die sattsam bekannten Klischees aus. Vielleicht liegt das an der gewürdigten Person, vielleicht aber auch am Medium; der Augustin ist weiß Gott kein bürgerliches Druckerzeugnis.
Auf einen bei Haftgrund nicht zitierten und erwähnten Aspekt, der für die Wiener Kollegin, mich selbst und sicher auch viele andere etwas ältere Bibliothekswesen in ihrer beruflichen Entwicklung eine Rolle gespielt hat, werde ich aber demnächst noch etwas näher eingehen. Bis dahin: ba-baa!

PS: Hier noch mein nicht-bibliothekarischer Wien-Geheimtipp. Einer der schönsten Plätze der Stadt wird von Touristen nahezu überhaupt nicht frequentiert. Dabei ist er ein echtes Kleinod in dieser mit prachtvollen Plätzen und Straßen nicht geizenden Metropole. Zitat aus dem DuMont-Wien-Reiseführer von Karl Unger über den Jodok-Fink-Platz im 8. Bezirk, nicht weit entfernt vom Rathaus: „Schon der große Stadtplaner Camillo Sitte hob dessen Intimität im Gegensatz zur herzlosen Ringstraße hervor. Daran hat sich bis heute nichts geändert. In den Sommerabenden hat er ein leicht römisches Gepräge – nicht nur, weil hier eine Pizzeria einen Gastgarten betreibt. Die hochbarocke Kirche Maria Treu … gibt einen stimmungsvollen Hintergrund, vor dem sich die ganze Leichtigkeit des Wienerischen Lebens entfalten kann.“ Und die Kellner lassen sich dort anscheinend von der Atmosphäre anstecken. Sie sind überaus freundlich, was in Wien keine Selbstverständlichkeit ist. Und da in meiner Wien-Woche noch herrlichstes Wetter war, habe ich die intime Stimmung des Platzes uneingeschränkt genießen können.
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Verfasst von: haferklee | 29. September 2009

Hate Mail from Librarians; oder die Erklärung für das Shhhhhh

Schon immer haben wir uns gefragt, warum uns Bibliothekswesen so leicht das „Shhhhhh!“ aus dem Mund entfleucht – manchmal wie von selbst, fast automatisch. Einer hat die Erklärung, nämlich Michael Moore; ja, der Michael Moore. Aber hier in Deutschland dürfte sie kaum jemand kennen.

Denn nur in der bei Penguin Books erschienenen zweiten Ausgabe „published for the English-speaking world outside of North America“ seines ursprünglich Ende 2001 bei ReganBooks/Harper-Collins erschienenen Bestsellers “Stupid White Men” ist ein gesondertes Einleitungskapitel („Introduction to the Penguin Edition“) erschienen, in dem er über die schwierige Veröffentlichungsphase seines Buches nach 9/11 berichtet.  Darin finden sich folgende Zeilen über BibliothekarInnen und ihre Neigung zum „Shhhhhh“:

Thank God for librarians! … Most people think of them as all mousy and quiet and telling everyone to „Shhhhhh!“. I’m now convinced that „shush“ is just the sound of the steam coming out of their ears as they sit there plotting the revolution! You better believe they’re mad.

Wie kommt Michael Moore nur zu dieser lustigen Erklärung für unser „Shhhhhh“? Nun, daran, dass „Stupid White Men“ überhaupt erscheinen konnte, haben engagierte amerikanische BibliothekarInnen einen wesentlichen Anteil. Die problematische Veröffentlichungsgeschichte des Buches lässt sich im Wikipedia-Artikel nachlesen:

Das Buch wurde vor dem 11. September 2001 geschrieben und auch gedruckt (die erste Auflage, 50.000 Exemplare, verließ am 10. September 2001 die Druckerei). Es wurde vom Verlag (ReganBooks/HarperCollins Publishers) jedoch zurückgehalten und erst kurze Zeit nach dem 1. Dezember 2001 vertrieben. Am Abend des 1. Dezember 2001 hatte Michael Moore aus dem – bis dahin noch nicht erhältlichen Buch – öffentlich gelesen. Dies löste – obwohl kein Pressevertreter anwesend war – innerhalb weniger Tage soviel Wirbel aus, dass das Buch dann doch in den Vertrieb gegeben wurde, und schnell in verschiedenen Bestenlisten Platz 1 erreichte. Der Verlag hatte vorher von Michael Moore verlangt, einen Großteil des Buches umzuschreiben und viele ‘unpassende’ Formulierungen zu entschärfen oder zu streichen. Die bereits gedruckten Exemplare sollten vernichtet werden.

Was im deutschen Wikipedia-Artikel fehlt (nicht aber in dem der englischen WP!), und was Moore in dem gesonderten Penguin-Vorwort erzählt, ist die Geschichte, auf wen der „Wirbel“ eigentlich zurückgeht, der ReganBooks/Harper-Collins bewog, die 50.000 Exemplare in den Verkauf zu geben und nicht zu vernichten. Das ist nämlich die amerikanische Bibliothekarin Ann Sparanese. Sie war in der Veranstaltung am 1. Dezember anwesend. Im Anschluss daran verbreitete sie den Fall von Zensur ohne Moores Wissen in ihren bibliothekarischen Zusammenhängen im Internet auf Seiten, wie Michael Moore schreibt, „devoted to progressive librarian issues“. Sie bat alle, an den Verlag zu schreiben und zu fordern, Moores Buch zu veröffentlichen. Und das taten dann Hunderte, möglicherweise sogar Tausende von BibliothekarInnen in den USA. Kurz danach wurde der Autor von einem äußerst wütenden Vertreter des Verlages angerufen:

„WHAT DID YOU TELL THE LIBRARIANS! … We got it off the Internet. Some librarian is spreading the whole story. AND NOW WE’RE GETTING HATE MAIL FROM LIBRARIANS! … It’s all out in the open now.“

Der Verlag musste sich dem öffentlichen Druck schließlich beugen, und das Buch erklomm rasch die Bestsellerlisten. Moores Hochachtung vor den amerikanischen Bibliothekswesen gipfelt in dem Rat, den er seinem ersten Verleger ReganBooks/Harper Collins (und vielleicht der Bush-Regierung in Bezug auf den Patriot-Act) gibt:

Librarians are certainly one terrorist group you don’t want to mess with.

Moore 2

MoorePS 1: Wie ich darauf komme, dass diese Geschichte in Deutschland kaum jemand kennt, auch Bibliothekswesen nicht? Machen Sie doch einmal eine Google-Suche mit dem String „Ann Sparanese“. Das bringt 15.400 Treffer. Führen Sie jetzt dieselbe Suche mit „Seiten auf deutsch“ durch. Ergebnis? 65 Treffer, davon nur zwei aus dem bibliothekarischen Umfeld, und nur einer mit Relevanz.

PS 2: Welcher dieser eine Treffer wohl ist? Nun, auf die Geschichte mit Ann Sparanese und den Fall von versuchter Zensur hat Edlef Stabenau, mit präzisen Quellen, in einem recht kurzen Post bereits am 7.1.2002 im Netbib Weblog aufmerksam gemacht. Nicht aber auf Moores lustige Erklärung für das „Shhhhhh“. Aus Stabenaus Beitrag lässt sich schließen, dass ihm das Vorwort dieser speziellen Ausgabe nicht vorlag bzw. bekannt war.

PS 3: Auf das Vorwort, aus dem ich zitiere, kann ich nicht verlinken, weil Moores Buch natürlich nicht online ist. Mit der Amazon-Blick-ins-Buch-Funktion lässt sich aber nachprüfen, dass die beiden Ausgaben (die beiden ersten, die bei der Amazon-Ergebnis-Liste der englischen Bücher des Titels vorn stehen) verschiedene Vorworte haben, denn zumindest die Inhaltsverzeichnisse sind einsehbar.

Verfasst von: haferklee | 16. September 2009

Da staunte die Buchhändlerin

… reagierte aber cool, als der Kunde vor ihr stand und sagte: „Ich schlage vor, dass wir uns küssen.“

Was sollte ich, der Kunde, aber auch anderes zur Buchhändlerin sagen? So heißt nun mal das neue Werk von Rayk Wieland, einem Autor aus dem Umfeld der Titanic und der Konkret. Da ich bisher – nicht nur in der Amazon-Kritik – nur Gutes darüber gehört habe und es sehr interessant erscheint, habe ich es gekauft und werde es hoffentlich bald lesen.

Wieland

Ich vermute mal, dass auch die Buchhändlerin diese Begegnung mit einem aus ihrer Sicht bescheuerten Kunden in ihrem Blog zum Besten gibt.

Und P.S.: Das aktuelle, oben verlinkte Blog des Autors, ein Reiseklagebuch aus Shanghai, ist überaus empfehlenswert, weil originell und sehr nett zu lesen.

Verfasst von: haferklee | 10. September 2009

Stadtbüchereien, seid bedankt!

Die Danksagung in Heinrich Steinfests Kriminalroman „Ein dickes Fell“ lautet wie folgt:

… außerdem bedanke ich mich bei allen mir bekannten Stadtbüchereien.

Was will man mehr, in deutschsprachigen Werken liest man so etwas selten. Als Kulisse für den Showdown hat Steinfest zudem das Gebäude der Wiener Hauptbücherei gewählt, wie überhaupt der vorzügliche Roman in Wien spielt, dieser wundervollen Stadt. Ob Steinfest, der dort aufgewachsen ist, der gleichen Ansicht ist wie ich? Scheint so, denn auf Seite 39 schreibt er: „Wie ja ganz Wien einer aufpolierten Geisterbahn glich.“ Gefällt mir gut, der Satz! Auf jeden Fall ist der Roman Anregung genug, mir bei meinem bevorstehenden Wienaufenthalt einmal die erst 2003 eröffnete neue Hauptbücherei anzusehen.

Cheng

Verfasst von: haferklee | 7. September 2009

Usability im Musikkabarett

Auch Bibliothekswesen schlagen sich ja immer wieder mit den Tücken der IT herum, jedes natürlich auf seinem eigenen, mehr oder weniger hohen Level. Drei Musikkabarettisten aus Berlin haben diesen ewigen Kampf für alle Zeiten in einem furiosen Rap verewigt. Ihr Stück mit dem Titel „Nieder mit I.T.“ fordert Rache für die gebrochenen Versprechen der IT-Industrie:

http://www.youtube.com/watch?v=xTorchdVl5c

Inhaltlich begeben sich Pigor, der Sänger, Benedikt Eichhorn am Flügel und der Ulf am Computer (!) in die Maschinenstürmerpose. Aus dieser Haltung heraus beklagen sie zum Beispiel die andauernden  Versionsänderungen und unausgereiften Produkte, die einen bei IT-Anwendungen immer wieder ärgern; üben notwendige Gesellschaftskritik; machen sich, in der Aufzählung allen von der IT ausgehenden Ungemachs, dann doch auch wieder über die AnwenderInnen lustig, die sich das entweder alles gefallen lassen oder, zum Brüllen komisch, bockig reagieren („Ich such diesen Button nicht!“). Und sie rufen zum Aufstand!

Formal handelt es sich um einen Rap, der sprachlich brillant („Status quo ante“; wer verwendet diesen Ausdruck schon?) und wortgewaltig daherkommt. Indem Pigor in seiner Präsentation Gestik und Mimik des Rap aber karikiert, bekommt auch die Musikform ihr Fett weg. Das liegt nicht zuletzt daran, dass er äußerlich das genaue Gegenteil eines (Gangsta-)Rappers darstellt und eher einem viertklassigen Napoleon-Darsteller gleicht.

Alles in allem: eine wütende Litanei, dabei hochkomisch – abgedrehtes Musikkabarett auf der Höhe der Zeit, und Lichtjahre entfernt von den Witzen mit Barth! Wem die gut neun Minuten allerfeinste Lebenszeitvernichtung auf den ersten Blick zu lang erscheinen, beginne einfach bei Minute 7:30; ich verspreche, danach schaut man sich alles an.

Von Hans Mentz, dem Humorpapst auf der Titanic, ist das Ganze übrigens abgesegnet. Soweit also alles in Ordnung.

Vor gefühlten ichweißnichtwievielen Jahren brachte der Bonner Express einen nahezu ganzseitigen Bericht über die Flirtsituation in verschiedenen Bonner Bibliotheken. (Für die Nicht-RheinländerInnen: der „Express“ ist im Raum Düsseldorf/Köln/Bonn eine lokale Boulevardzeitung und hat hier der Sage nach sogar eine deutlich höhere Auflage als das Konkurrenz-Revolverblatt Bildzeitung.) In dem knallig aufgemachten Artikel nahm der „Express“ nach meiner Erinnerung die Stadtbibliothek, die UB, die damalige Zentralbibliothek für Landbauwissenschaften, die Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung und ein, zwei Institutsbibliotheken unter die Lupe. Als Ergebnis wurde jede Bibliothek mit einem „Flirtfaktor“ in Form einer Schulnote bewertet.

Der Verfasser gesteht tief beschämt, den einmaligen Bericht nicht sorgfältig aufgehoben zu haben, weshalb er ihn nur schemenhaft beschreiben kann. Das Internet gibt bei der Suche nichts her. Hiermit ergeht die inständige Bitte um Hilfe an die Biblioblogosphäre. Liest jemand aus dem Bonner Raum mit und verfügt noch über den Artikel? Es ist an der Zeit, ihn dem Vergessen zu entreißen. Er könnte Anregung dafür sein, den BIX um ein bisher sträflich vernachlässigtes Kriterium zu erweitern, und er würde das Schlussplädoyer unserer Untersuchung „Bibliotheksflirt: eine urban legend?“ bilden. Bis dahin wird die Verhandlung vertagt und also diese kleine Artikelfolge vorerst beendet.

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