Verfasst von: haferklee | 14. Oktober 2008

Der ewige Gärtner und der verwegene Bibliothekar

Am Wochenende habe ich den Film „Der ewige Gärtner“ gesehen. An dieser Stelle weise ich auf ihn hin, weil sein Titel massiv ein Klischee zur Beschreibung seiner Hauptfigur benutzt: der Gärtner als Bezeichnung  für einen weltfremden, die Tragödien seiner Umgebung nie an sich heranlassenden, konfliktarmen und im Grunde unpolitischen Menschen, der sich, wenn es ernst wird, lieber um seinen peinlichst gepflegten Garten kümmert, als sich den Dingen zu stellen.

So exponiert wie das Gärtner-Klischee habe ich die Bibliothekswesen-Klischees (wir kennen sie alle zur Genüge) selten gefunden: als Titel eines großen Mainstream-Films oder ähnlichem. Andererseits kenne ich auch nur wenig Positives über uns.  Oder? Doch, hier, hier ist ja mal etwas: ein Roman, dessen Protagonist im Klappentext wie folgt beschrieben wird: „Henry ist ein verwegener und lebenshungriger Bibliothekar.“ Ob das (ein männlicher, verwegener! lebenshungriger!! Bibliothekar!!!) eine glaubwürdige Konstruktion ist, kann entscheiden, wer den Roman von Audrey Niffenegger: Die Frau des Zeitreisenden gelesen hat. Auf Seite 12 beschreibt sich Henry, der verwegene und lebenshungrige Kerl, übrigens so: „Ich schlendere unheimlich gern durchs Magazin in der Bibliothek, wenn die Leser nach Hause gegangen sind, und berühre zärtlich die Buchrücken.“


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