Verfasst von: haferklee | 4. November 2008

Glanz und Elend des Web 2.0: Weblogs

Im klaren Bewusstsein, dass alles, was ich zum Web 2.0 zu sagen habe, von viel berufeneren Personen, die zudem wesentlich besser formulieren können als ich, bereits geschrieben wurde, und dass somit alles, was hier steht, diejenigen, die nicht erst seit kurzem mit diesem Thema zu tun haben, langweilt …

… erlaube ich mir, mein eigenes Fazit zu den verschiedenen bei den 13 Dingen behandelten Aspekten der Sozialen Software zu ziehen; wobei es anstelle von Fazit eher Zwischenstand heißen sollte. Meine Meinung hierzu war bisher nicht völlig fest, und sie hat sich durch die Aktivitäten der letzten Wochen erneut verschoben. Hier also einige Sätze zu den Weblogs. Dabei unterscheide ich zwischen privater und beruflicher Nutzung.

1. Viele private Blogs sind überflüssig. Das gilt natürlich genauso für dieses Blog, das ja im Wesentlichen aus Übungsgründen geführt wird. Es muss nicht jeder Gedanke, der einem gerade durch den Kopf schiesst und hinaus fällt, das Licht der breiteren Öffentlichkeit erblicken. Viel dient der Selbstdarstellung. Trotzdem sehe ich bei Blogs, auch für private Zwecke, mehr sinnvolle Möglichkeiten, und ganz vorsichtig gesagt auch weniger Schrott, als Plattformen wie Flickr und YouTube (mehr zu denen dann später) zeigen.

2. Ein Beispiel für die sinnvolle private Nutzung: Vier BibliotheksstudentInnen beenden ihr gemeinsames Studium, es verschlägt sie in verschiedene Städte, zwei gehen sogar ins Ausland.  Alle führen ein Blog, in dem die äußere weitere Lebensentwicklung für die Familienmitglieder, Freunde und die Vier sichtbar bleibt, mit den Möglichkeiten der Kommunikation, die Blogs bieten. Was man in solchen Blogs nicht finden wird, sind die wirklichen Lebensprobleme. Niemand der vier wird darüber bloggen, wie er/sie auf der ersten, befristeten Arbeitsstelle gemobbt wird, niemand wird erzählen, wie er/sie von ihm/ihr betrogen wurde. Falls doch, wird’s unangenehm.

3. Kann es sein (wenn die Beobachtung überhaupt zutrifft), dass in Blogs deshalb weniger Schwachsinn enthalten ist als in beispielsweise den oben genannten Plattformen, weil sie, trotz Einbindung von Bild/Video/sonstigen Dateiformaten, zunächst doch erst einmal textbasiert sind?

4. Bezüglich dienstlicher Nutzung denke ich inzwischen, dass Bibliotheken, je mehr sie in die Öffentlichkeit hinein wirken und je größer sie sind, desto eher auch ein Blog führen sollten.  Es bietet einfach mehr Möglichkeiten als die statische Website. Meine eigene Bibliothek ist eine vor allem auf den Unterhaltsträger bezogene, eher kleine Bibliothek im Bereich des Bundes mit relativ geringer fester Nutzerzahl und mit relativ geringer Neuigkeitsfrequenz. In diesem Fall werden wir die Entwicklung also noch ein Weilchen beobachten.

5. Sehr hilfreich kann ein Blog auch bei der Dokumentation eines größeren Projektes sein; als fast willkürliches Beispiel sei Beluga genannt.

6. Dienstliche Blogs von Einzelpersonen finde ich häufig überflüssig. Oft stehen die Beiträge in einem selbstreferentiellen System zueinander. Spannender, abwechslungsreicher, weniger selbstdarstellerisch finde ich es dann, wenn mehrere Personen an einem Blog mitarbeiten.

7. Wirklich überrascht hat mich, wie simpel die Einrichtung eines Weblogs ist, wenn man zu Beginn erst einmal auf Schnickschnack verzichten kann. Keine Entschuldigung für Bibliotheken, es nicht zu machen.

8. Erwähnt sei als Letztes noch der Aspekt der Gegenöffentlichkeit, den Blogs bieten können. Dazu müssen wir nicht ins Ausland gehen; der Hinweis auf das Bildblog genügt.


Responses

  1. Oha, im Moment wird vieles zum nachdenken geboten. In einem Blog geht es um dass Anonyme bloggen und hier die These: Viele private Blogs sind überflüssig.Ich blogge anonym und privat. Was bleibt zu tun: aufhören? Stellt sich die Frage: soll man sein eigenes Blog sperren und nur eingeladenen Personen den Zutritt erlauben. Was war der ursprüngliche Gedanke eines Blog: eine Art elektronisches Tagebuch. Gibt man sein Papiertagebuch anderen Personen zum lesen? Aber was ist das Fazit: ich weiß es (noch) nicht!

  2. Als Betreiberin eines fast drei Jahre alten privaten Zweitblogs, das des öfteren als Gedankenablage dienen muss, würde ich der Bezeichnung „überflüssig“ vehement widersprechen. Es kommt immer darauf an, welches Maß man anlegt. Suche ich wissenschaftliche oder sonstwie fundierte Information, sind die privaten sicher nicht der richtige Ort und damit möglicherweise als „überflüssig“ zu betrachten. Für die Betreiber ist es eine Möglichkeit, Ähnlichdenkende zu finden, mit ihnen asynchron im Kontakt zu sein. Vielleicht boomen die Windelblogs deshalb, weil diese Art der Kommunikation es aushält, wenn Mutti mitten in einem Beitrag stoppen muss, um das Kind zu versorgen. Privates Bloggen ist nicht so autistisch wie Tagebuchschreiben, es besteht die Chance, dass jemand mitliest, der mit seinem Kommentar kreisende Gedanken in neue Bahnen lenken kann. Ich würde behaupten, dass man durchs Bloggen nicht nur Kontakte aus dem realen Leben halten, sondern auch aus virtuellen Bekanntschaften reale werden können. Wer sagt denn, dass nicht zwei, drei, vier, fünf der 13Dinge-Teilnehmer irgendwann beschließt, gemeinsam Kaffeetrinken zu gehen, weil sie virtuell auf einer Wellenlänge sind? Auch echte Lebensprobleme werden in Blogs geschildert, und das Bloggen wird teilweise konstruktiv genutzt, sie zu lösen. Zu finden sind sie, das muss ich zugeben, schwer, weil sie oft über Suchmaschinen nicht gefunden werden oder sogar passwortgeschützt sind.
    Dass Weblogs oft weniger Schrott enthalten, als die genannten Plattformen, habe ich auch beobachtet. Ich vermute es liegt daran, dass es einfacher ist, die (Film-)Kamera auf irgendwas draufzuhalten, als in halbwegs verständlichen Sätzen seine Gedanken zu schildern.

  3. Dass Weblogs oft weniger Schrott enthalten, als die genannten Plattformen, habe ich auch beobachtet. Ich vermute es liegt daran, dass es einfacher ist, die (Film-)Kamera auf irgendwas draufzuhalten, als in halbwegs verständlichen Sätzen seine Gedanken zu schildern.

    Interessant, ich hatte genau die umgekehrte Vermutung. Ich glaube, es ist wesentlich schwerer, mit der Kamera etwas Brauchbares zu schaffen. Aus verschiedenen Gründen. Hauptsächlich aber wohl, weil wir seit Schulbeginn Texte produzieren und dort eine gewisse Mindestkompetenz erworben haben. Um ein unterhaltsames oder informatives Filmchen zu machen, ist wesentlich mehr Aufwand notwendig.

    Die wenigsten produzieren ja mit Vorsatz „Schund“. Meist wird es einfach Unvermögen sein.

  4. >>>Ich glaube, es ist wesentlich schwerer, mit der Kamera etwas Brauchbares zu schaffen<<<

    Schon. Aber nur in ästhetischer Hinsicht. Von der Ästhetik her ist es schwer und es fehlt oft dieses Empfinden, gute Fotos zu produzieren. Technisch muss man aber zunächst einmal nur auf einen Auslöser drücken, um ein Foto zu produzieren. Das macht es leicht, und das führt zu so vielen schlechten Fotos. Einen Text zu fabrizieren erfordert dagegen auch technisch (und zeitlich!) mehr Aufwand, nicht nur ästhetisch.

    And something totally different: wie kennzeichne ich in einem Kommentar ein Zitat mit einem so schönen seitlichen Balken? Ich sehe die Möglichkeit dazu hier nicht.

  5. Noch ein Kommentar zu der Anmerkung: „Dienstliche Blogs von Einzelpersonen finde ich häufig überflüssig. Oft stehen die Beiträge in einem selbstreferentiellen System zueinander.“

    Ich hatte mal das Glück einem sehr interessanten Vortrag über das Bloggen in der Wissenschaft bzw. im Berufsleben lauschen zu können. Hängengeblieben ist u.a. folgendes Zitat: „Der kleinstmögliche Leserkreis eines Blogs besteht aus einer Person“ (= dem Schreiber). Auch wenn die Beiträge für den zufälligen Besucher überflüssig sind, kann das „selbstreferentiellen System“ für den Informationslieferanten durchaus hilfreich und sinnvoll sein…. und keiner weiss genau an welchen Themen eine Öffentlichkeit möglicherweise interessiert ist.

    Mit oder ohne Blogs ist es Realität, dass sich immer diversere Informationen im WWW finden lassen… lasst uns also auf die Relevanz-Algorithmen der Suchmaschinen hoffen😉

  6. And something totally different: wie kennzeichne ich in einem Kommentar ein Zitat mit einem so schönen seitlichen Balken? Ich sehe die Möglichkeit dazu hier nicht.

    Das ist ein „Blockzitat“.

    (blockquote)Hier den gebalkten Text schreiben(/blockquote)

    Nur dann mit Spitzklammern anstelle der runden Klammern.

  7. PS: Das geht übrigens auch in den Postings.

  8. Das geht übrigens auch in den Postings.

    Danke. Ich kannte dort bisher nur die entsprechende Schaltfläche.

  9. … stimmt: Was bei WordPress echt fehlt:

    „previews“ für Kommentare
    eingabehilfen für kommentare (man kann echt nur raten, welche tags erlaubt ist und welche nicht

    … oder ist da eine Einstellung irgendwo?

    gruesse aus Muc, inga

  10. aha! „ordered lists“ (ol) sind nicht erlaubt….

  11. @ ioverka:
    In manchen Layouts steht unter dem Kommentarfeld, welche XML-Tags erlaubt sind, bei „meinem“ ist angegeben:

    <a href=““ title=““> <abbr title=““> <acronym title=““> <b> <blockquote cite=““> <cite> <code> <del datetime=““> <em> <i> <q cite=““> <strike> <strong>

  12. @widerspenst:
    Vielen Dank für die Gedanken und vielen Anregungen zum Thema Bloggen, und gleichzeitig Entschuldigung für die so späte Reaktion.
    Die beziehe ich, weil meine Meinung zu vielen Web-2.0 Anwendungen, also auch zum Bloggen, im Fluss sind, auch nur auf eine Sache.
    Wenn ich dieses gelten lassen soll

    es besteht die Chance, dass jemand mitliest, der mit seinem Kommentar kreisende Gedanken in neue Bahnen lenken kann

    und ich tue es gern, weil der widerspenst-Kommentar zu meinem Posting seinen eigenen Satz beweist, muss ich doch der Bemerkung zu der „19. Jahrhundert-3.0-Anwendung“ widersprechen. Ich meine die Einschätzung des Tagebuchschreibens als autistisches Tun.
    Ich schreibe selbst seit nunmehr 18 Jahren kontinuierlich Tagebuch. Ich empfinde es als eine höchst selbstreflektierende Tätigkeit, die bei der Einschätzung vieler Dinge sehr hilft. Müsste ich mich zur weiteren Aufbewahrung zwischen meinen Fotos oder meinen Tagebüchern aus dieser Zeit entscheiden, würde ich die Tagebücher wählen. Es stehen sehr viele sehr persönliche Dinge dort, die ich so niemals in einem Blog veröffentlicht hätte, auch nicht in einem passwortgeschützten. Ironischerweise habe ich mit dem Schreiben des Blogs mangels Zeit das Tagebuchschreiben unterbrochen …

  13. Danke für die Möglichkeit, hier mitzulesen🙂 – habe mir vorgenommen, wieder mehr zu üben, wie das geht mit dem Bloggen und bin dann neugierig dem mich anspringenden Kommentarlink aus http://13dinge.wordpress.com/2008/10/13/lektion-02-im-weblog-schreiben/ gefolgt.

    Und inhaltlich:

    6. Dienstliche Blogs von Einzelpersonen finde ich häufig überflüssig. Oft stehen die Beiträge in einem selbstreferentiellen System zueinander.

    Wenn diese Blogs allerdings als „Ersatz“ für ein CMS (Content Management System) genutzt werden, WEIL sie so schön einfach einzurichten sind, würde eine dienstliche Nutzung schon auch Sinn machen, wenn es nur eine einzige Autorin gäbe, oder?

    @ioverka: Ws sind ordered Links? oder werde ich das noch lernen im Laufe der noch ausstehenden Lektionen?

  14. @vero:
    Ich bin zwar nicht ioverka, kann die Frage nach den ordered lists aber ebenfalls beantworten. HTML hilft einem, Listen zu erstellen, die entweder ordered, also nummeriert, oder unordered sind. Hier gibt es eine Anleitung dazu.

  15. @)->- – danke! ich bin sehr gespannt, ob es mir gelingt, anhand der anleitung dann in meinem blog endlich mal was „anständig“ zu ordern – äh – ordnen🙂

  16. […] Listen in WordPress 30. März 2009 — Vero Nachdem ich freundlicherweise einen hilfreichen Hinweis bekam, möchte ich doch direkt mal ausprobieren, wie das mit dem Erstellen einer ungeordneten Liste […]

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