Verfasst von: haferklee | 11. November 2008

Glanz und Elend des Web 2.0: Flickr

Tja, jetzt also Flickr.

Was soll ich da sagen: ich werde nie verstehen, warum die Leute Fotos von sich, und zwar egal, ob peinlich oder nicht, im Internet veröffentlichen. Hier scheint natürlich nicht nur das Elend des Web 2.0 leuchtend klar auf, das gab’s ja auch schon im ersten Web. Ja, sicher, es ist, wie auch auf statischen Webseiten, einiges Interessante dabei, aber trotzdem …

Es fand es nicht wirklich überraschend, wie viele Bilder von bestimmten Bibliotheken in meiner Stadt zu finden sind, oder aus der Stadt, in der ich wohne. Eher verwundert mich die oftmals seltsame Verschlagwortung: ein Foto der Blüte eines Kirschbaums mit den Tags „Bonn“ und „Universitätsbibliothek“ zu versehen, weil das Foto wohl in der Nähe der UB aufgenommen wurde, lässt an den Segnungen des Social Tagging zweifeln. Beispiele dieser Art finden sich zuhauf.

Und dann gibt’s noch die „Lets make a list of Libraries with Flickr Accounts“-Gruppe. Dorthin hat beispielsweise vor einem guten halben Jahr die amerikanische Kalamazoo College Library stolz ein einziges Foto hochgeladen, ein Foto ihres offensichtlich neuen Auskunftsplatzes. Dazu gibt es die folgende Bildunterschrift:

I realized that this photo was taken before our Reference Desk was operational – there is no computer at the Desk! We do indeed have one at the Reference Desk.

Ich denke, so soll’s dann auch nicht sein. Im übrigen genügt es meines Erachtens vollkommen, wenn Bibliotheken aktuelle Fotos ihrer Räumlichkeiten auf ihrer Website veröffentlichen; Flickr ist dazu ein ergänzender Spaß, aber keine notwendige Alternative.

Bevor ich zum Glanz komme, noch ein funktioneller Kritikpunkt. Ich suche nach einer Möglichkeit, nach einer Feier die Fotos allen Teilnehmern zur Verfügung zu stellen, ohne sie öffentlich zu machen, und ohne dass man sich zum Betrachten beim Bilderdienst anmelden muss. Dies scheint mir bei Flickr nicht möglich zu sein, während der Fotodienst von Google http://picasaweb.google.com das nach Aussage eines verlässlichen Gewährsmannes wohl leistet. Da kann man Bilder hochladen, und wenn ein Album als „Nicht öffentlich“ definiert ist, können es die Leute sehen, denen man einen direkten Link dazu schickt.

Nun zum Glanz von Flickr.

Natürlich kann man sich, wenn man kurzfristig nach Bangkog versetzt wird, wie es meinem Nachbarn geschah, im Vorhinein viele Bilder von vielen Plätzen und Häusern in der Stadt anschauen. Das vorhin genannte Teilen von privat gestellten Fotos mit bestimmten Personen finde ich ebenfalls einen Gewinn.

Das ist aber alles nichts im Vergleich zu den Commons. Von diesem Projekt bin ich wirklich absolut überwältigt. Auf diese wunderbare Möglichkeit, öffentliche Fotosammlungen wirklich der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen, bin ich erst durch die 13 Dinge aufmerksam geworden. In diesem Fall sind die Möglichkeiten zur Kommentierung und Verschlagwortung eine ideale Möglichkeit, weiteres Wissen aus dem öffentlichen Raum hinzuzufügen. Das Ganze empfinde ich als ein absolutes Highlight.

PS: Wie ich gerade auf die Kalamazoo College Library komme? Das liegt an Kommissar Zufall. Ich lerne derzeit neben den 13 Dingen auch, Lindy Hop zu tanzen, der auf der Swingmusik beruht. Und da lief während meiner Flickr-Recherchen im Hintergrund ein Lied des Glenn-Miller-Orchestra namens „I’ve got a Gal in Kalamazoo“.  Was lag näher als nach einer Bibliothek in Kalamazoo zu zoochen …

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Responses

  1. Ich denke, so soll’s dann auch nicht sein. Im übrigen genügt es meines Erachtens vollkommen, wenn Bibliotheken aktuelle Fotos ihrer Räumlichkeiten auf ihrer Website veröffentlichen; Flickr ist dazu ein ergänzender Spaß, aber keine notwendige Alternative.

    Da unterschätzt du die Möglichkeiten von Web 2.0-Plattformen aber doch ein wenig.

    Eine Plattform wie Flickr hat Millionen von Besuchern im Monat – eine Bibliotheksseite dagegen vielleicht ein paar hundert. Natürlich gucken sich nicht alle die Bilder von eurer Bibliothek an, aber die Wahrscheinlichkeit, dass jemand zufällig darüber stolpert ist deutlich höher.

    Deutlicher wird das vielleicht, wenn man sich das mal bei Videos und YouTube ansieht: Mal angenommen, ich möchte, dass ein Video von möglichst vielen Menschen gesehen wird. Dann kann ich es entweder auf meine eigene Webseite hochladen und hoffen, dass es genug Leute finden. Ich kann es aber auch auf YouTube hochladen, wo es über eine komfortable Suche von Millionen Leuten leicht zugänglich ist und zudem auch noch einfach in privaten Webseiten und Blogs weiterverwendet werden kann.

    Ein Werbeplakat hängt man doch auch am besten in die Fußgängerzone, nicht bloß vor die eigene Haustür, oder? 🙂


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