Verfasst von: haferklee | 11. November 2008

„Nennt mich meinethalben Haferklee.“

Nein, hier geht es nicht um anonymes Bloggen, sondern um den vierten Beitrag in der Reihe „Das Image von uns Bibliothekswesen“, in der ich – nach der dritten Folge – auf einen weiteren, hoffentlich noch nicht allzu bekannten Text zu diesem Thema hinweisen möchte.

Fast wie der Titel dieses Postings beginnt nämlich „Moby Dick“ von Herman Melville. Fast; und zwar – in der bei Claassen und Diogenes erschienenen Übersetzung – mit dem Satz „Nennt mich meinethalben Ismael.“

Aber ist das wirklich der erste Satz dieses so bedeutenden Romans, wie es einem das Gedächtnis vormachen will?  Nein, Melville hat dem Text einige Auszüge aus früher erschienenen Werken über Wale vorangestellt. Und die bezeichnet er als „Beitrag eines Unterunterbibliothekars“, und er schreibt dazu:

Dieser arme Teufel von Unter-Unter hat offenbar als der emsige Bohr- und Bücherwurm, der er war, die langen vatikanischen Hallen der Erde und ihre Bücherkarren durchstöbert …
Fahr wohl, Unter-Unter, du armer Teufel, dem ich hier nun den Kommentar schreibe! Du bist vom Stamm der ewig Bläßlichen, die an keinem Wein dieser Erde erwarmen, denen der hellste Sherry immer noch zu golden ist. Und doch, von Zeit zu Zeit sitzt man gern einmal mit deinesgleichen beisammen und läßt sich’s wie einem von euch armen Schluckern zumute sein. Die Wehmut, sie mundet dann gar nicht schlecht, unter Tränen wird’s uns behaglich, und mit nassem Auge und trockenem Glas ruf ich dir zu: „Gib’s auf, Unter-Unter, die Welt dankt dir’s nur desto weniger, je mehr du dich abmühst, ihr zu gefallen …“

„Moby-Dick; Or, The Whale“ ist 1851 erschienen. Mir ist kein älterer Text bekannt, in dem das Klischee vom Bibliothekar als ewig Bläßlichem auftaucht. Fragen müsste man hierzu die Library Mistress. Monika Bargmann ist derzeit sicher eine der profundesten Kennerinnen von Aussagen zum Image des Berufs und von uns Bibliothekswesen; siehe ihr Aufsatz in BuB Heft 5/2008. Aber vielleicht weiß ja auch eine/r der LeserInnen mehr?


Responses

  1. 1770/72 schreibt Charles Burney in seinem Tagebuch einer musikalischen Reise (oder vielmehr seinen drei Tagebüchern von zwei Reisen) nicht nur über Musiker, Komponisten, Instrumente, Kirchen und Konzerträume, sondern auch über Archive und Bibliotheken. An einer Stelle (die ich jetzt auf die Schnelle nicht finden konnte, was mich ein bisschen erstaunt) beklagt er sich über ein äußerst phlegmatisches, begriffsstutziges Wesen.

  2. Danke für den Hinweis – „ewig bläßlich“ hat mir in meiner Sammlung noch gefehlt. Ich werde mal meine Bestände zuhause durchgraben, ob ich noch etwas Ähnliches Älteres finde!


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