Verfasst von: haferklee | 24. November 2008

Kommunikation I: soziale Plattformen

Web 2.0-Anwendungen sind Kommunikation. Deshalb führt die Beschäftigung mit den 13 Dingen vor allem dazu, sich über Kommunikation Gedanken zu machen.

Da gibt es eine halbwegs vernünftige Talkshow im Südwestfernsehen, das Nachtcafe, das sich am Freitag vergangener Woche mit dem Thema „Leben online – wie das Internet uns verändert“ beschäftigte. Die Ärztin Marianne Koch (für alle etwas Älteren: ja, die mit der Goldkante) antwortete auf die Frage, ob sie an einer sozialen Plattform angemeldet sei, sinngemäß, nein, denn sie schaffe es ja nicht einmal richtig, ihre bestehenden Realkontakte zu pflegen. Eine Freundin schrieb mir, als ich sie über mein Blog informierte,

das kostet mich einfach zu viel Zeit. Ich habe schon genug damit zu tun, alle realen Freunde regelmässig zu treffen, geschweige denn, mich auch noch virtuell unter Zugzwang zu setzen.

Mir selbst geht es im Grunde auch so. Marvis wiederum, berufsmäßiger Web 2.0-Anwender, meinte sinngemäß: „Die Plattformen machen vor allem dann Sinn, wenn man bereit ist, neue Kontakte zu bekommen.“

Was folgt daraus? Ich denke, die virtuellen sozialen Plattformen sind nicht in allen Lebensphasen gleich wichtig und nützlich. Ist man in einer Lebensphase, die durch Familie und/oder Kinder und/oder viele Freunde und/oder berufliche Belastung und/oder private Einbindung in Vereine gekennzeichnet ist, bleibt nur wenig Zeit für Kontakte über Plattformen. Und wenn man diese Kommunikationsform nicht gelernt hat, wird man sie erst recht nicht nutzen. Denn eins ist eindeutig: Kommunikation ist gelerntes Verhalten, und deshalb stellen sich viele Menschen in ihrer Art zu kommunizieren nur schwer um.

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Responses

  1. Dem muss ich zumindest teilweise widersprechen. Blogs und soziale Plattformen sind zumindest für mich gerade bei Zeitmangel sehr nützlich, erlauben Sie doch eine sehr effiziente Kontaktpflege. Zumindest für berufliche Zwecke ist das ein sehr geeignetes Instrument, und auch in Vereinen etc. sehr nützlich.

    Inwiefern man auch privat so agiert, ist natürlich eine andere Entscheidung.

  2. Und wenn man diese Kommunikationsform nicht gelernt hat, wird man sie erst recht nicht nutzen.

    Man muss natürlich auch Lust dazu haben, Neues zu entdecken. Es gibt genug ältere Leute, die die neuen Möglichkeiten entdecken und nutzen.
    Ein sehr schönes Beispiel ist für mich HoSi, der neben Senioren-Lernen-Online viele seiner Entdeckungen im Weblog HoSi´s Kurse beschreibt.

  3. Blogs und soziale Plattformen sind zumindest für mich gerade bei Zeitmangel sehr nützlich, erlauben Sie doch eine sehr effiziente Kontaktpflege. Zumindest für berufliche Zwecke ist das ein sehr geeignetes Instrument …

    Das hab ich praktisch wortwörtlich auch von anderen (jungen!) Web 2.0-Anhängern schon gehört, und ich glaube es aufs Wort. Was die sozialen Plattformen angeht, gilt es allerdings nur dann, wenn die Kontakte, die ich pflegen möchte, auch dort vertreten sind. Was nach meinem Eindruck von den Web 2.0-Enthusiasten übersehen wird: Alle KollegInnen oberhalb 45-50 Jahren haben sich bereits mit konventionellen Mitteln ein persönliches Netzwerk aufgebaut, das sie auch mit konventionellen Mitteln (Telefonaten, Mails, Treffen bei Fortbildungen, Kongressen und Dienstreisen, Weihnachtsgrußkarten, Bibliotheksstammtischen, Gremienarbeit, Teilnahme an Arbeitsgruppen oder dem Personalrat …) weiter pflegen wollen. In sozialen Plattformen finde ich sie kaum, mich übrigens bisher auch nicht. Denn die dafür aufzubringende Zeit käme tatsächlich hinzu; es würde nichts eingespart werden. Unterschätzt den Faktor des Alters nicht! Womit ich aber eigentlich das generationstypische gelernte Kommunikationsverhalten meine.

    Ich stimme ES zu, dass das Web 2.0 für die Kommunikation alter und/oder in ihrem Bewegungsradius eingeschränkter Menschen über große Potentiale verfügt. Hier hat es vielleicht tatsächlich im besten Sinn „soziale“ Wirkung. Von Menschen, die das Web 2.0 nicht anwenden, indirekt zu behaupten, sie seien Neuem gegenüber nicht aufgeschlossen, ist allerdings nicht schlüssig. Sie wenden sich vielleicht anderen neuen Dingen zu, und möglicherweise insbesondere anderen nicht rechnergebundenen Tätigkeiten. Denn das ist der zweite unterschätzte Aspekt: Jede Web 2.0-Kommunikation ist rechnergebunden, und das ist einfach nicht jedermanns Sache.

    Und, nebenbei bemerkt: der 13-Dinge-Kurs vermittelt doch auch ein klein wenig Technik, ganz ohne geht es nämlich doch nicht. Oder, anders gesagt: schwerer als ein Festnetztelefonat ist die Teilnahme an sogenannter sozialer (Rechner-) Kommunikation allemal!


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