Verfasst von: haferklee | 7. Januar 2009

Rauchen in der Bibliothek? Aber bitte!

Derzeit sieht man sie wieder überall, zumindest in NRW und sicher auch in einigen anderen Bundesländern, in der bitteren Kälte draußen herum stehen, und sie tun einem fast leid, die RaucherInnen. Für dieses in Deutschland chaotisch geregelte Problem hat der Schriftsteller Jules Verne bereits vor mehr als 130 Jahren eine Lösung aufgezeigt, und zwar in seinem Roman „Zwanzigtausend Meilen unter den Meeren“. Im elften Kapitel der 2007 bei Artemis & Winkler erschienenen und neu übersetzten deutschen Ausgabe zeigt Kapitän Nemo seinem Gast, Monsieur Aronnax, sein Unterseeboot, die „Nautilus“. Die beiden besichtigen gerade die Bibliothek des U-Bootes:


„Kapitän Nemo“, sagte ich zu meinem Gastgeber, „das ist eine Bibliothek, der manchem Palast auf dem Festland zur Ehre gereichen würde. … Sie müssen da sechs- oder siebentausend Bände besitzen ,..“ „Zwölftausend, Monsieur Aronnax. … Diese Bücher, Herr Professor, stehen übrigens zu Ihrer Verfügung, und Sie können sich ihrer ganz nach Belieben bedienen.“ … „Monsieur“, sagte ich zum Kapitän, „ich danke Ihnen, dass Sie mir diese Bibliothek zur Verfügung stellen. Sie enthält wahre Schätze der Wissenschaft, und ich werde sie zu nutzen wissen.“ „Dieser Raum dient nicht nur als Bibliothek“, antwortete Kapitän Nemo, „sondern auch als Rauchsalon.“ „Als Rauchsalon?“, rief ich aus. „An Bord darf geraucht werden?“
„Gewiss.“


Ob wir so (Bibliotheken als Asyl für RaucherInnen) wohl neue Nutzerkreise erschließen können?


Responses

  1. Dabei fällt mir die Geschichte ein, wie eine der zwei Minibibliotheksbibliothekarinnen die kurzfristige Abwesenheit der Kollegin nutzte und im Büro rauchte, was die andere sich einige Wochen zuvor verbeten hatte. Aus Angst, erwischt zu werden, lehrte sie schnell den Aschenbecher in den Mülleimer und versteckte das corpus delicti unter etwas Papier, welches umgehend Feuer fing *g*

    Ansonsten: Ob die rauchfreien Kneipen durch ihre Neuerung Gäste hinzugewinnen konnten?

    Viele Grüße,
    Anna Amalia
    (scnr)

  2. @ widerspenst: Ist das mit den zwei Minibibliotheksbibliothekarinnen eigentlich eine verbürgte Geschichte, oder gehört sie zu den modernen Wandersagen, die Rolf Wilhelm Brednich seit der „Spinne in der Yucca-Palme“ sammelt und veröffentlicht? Falls ersteres: fein! Falls letzteres: gibt es eigentlich noch mehr Bibliotheks-Wandersagen? Könnte man mal drüber bloggen und nachfragen. Es passieren an der Theke aber ja eigentlich schon genug echte skurile Merkwürdigkeiten.
    Gruß zurück von Carl August

  3. Eine absolut wahre Geschichte und erst gut ein Jahr alt. Ich gehörte zu den StudentInnen, die besorgt an ihren Notebooks schnupperten und nach qualmenden Steckdosen Ausschau hielten, bis von der Theke her Entwarnung gegeben wurde🙂


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