Verfasst von: haferklee | 10. Februar 2009

Glanz und Elend des Web 2.0: Wikis

Der nächste Betriebsausflug, die nächste Karnevalsfeier können kommen: das richtige Arbeitsinstrument, um sie zu organisieren, kenne ich jetzt und kann es, zumindest in den Grundzügen, auch bedienen. Die Einarbeitung in die Wikis hat sich also generell und hätte sich spätestens dann gelohnt. Tatsächlich sind Wikis für solche Aufgaben wohl das beste Instrument, wie ich in den beiden entsprechenden Lektionen der 13Dinge gelernt habe. Und mit der Wikipedia haben wir ja ein absolutes Paradebeispiel für den Einsatz bei der gemeinschaftlichen Erarbeitung von Inhalten. Einerseits.

Warum, andererseits, setzten sich Wikis als Arbeitsinstrument trotzdem nur so mühsam durch, warum berichten hier nur so wenige TeilnehmerInnen (wohl nur Croozer in ihrem Testwiki) davon, dass bei Ihnen intern bereits Wikis eingesetzt werden? Auch in meinem Amt wird weiterhin mit den althergebrachten Instrumenten gearbeitet: Standarddokumente im Fileserver ablegen, Informationen über Fortschritte per Email. Ich denke, das hängt nicht nur mit der Trägheit der Leute zusammen, sondern hat auch damit zu tun, dass Wikis wieder eine, wenn auch kleine, Einarbeitung in eine bestimmte Formatierung verlangen. Und da sehe ich, dass sich meine KollegInnen zum Teil mühsam in den Word-Korrekturmodus einarbeiten, dass sie für das unser Intranet-verwaltende CMS wiederum neue Bedienfunktionen lernen müssen. Kurz danach kommt dann ein neuer Mailclient ins Haus. Und dann noch eine Wiki-Formatierung lernen? Viele tun sich da schwer, und die intuitive Bedienung von Formatierungsfunktionen entsteht erst, wenn man häufiger damit arbeitet. In unserem speziellen Fall mag es dann noch damit zusammen hängen, dass wir als Bundesamt mit Vollzugsaufgaben die Arbeit mit einem straffen Aktenplan und hierarchischen Ordnerstrukturen gewohnt sind.

Erstaunt bin ich, wenn ich in der OPL-Checkliste Nr. 16  lese, dass oft auch deutliche Überzeugungsarbeit geleistet werden muss, wenn man die IT-Abteilung dazu bringen will, Wiki-Software im Intranet zu installieren. Sollten diese Jungs und Mädels denn die Vorteile nicht kennen, oder schätzen sie die Sicherheitsaspekte falsch ein? Merkwürdig.

Den häufig genannten Vorteil, dass mit Wikis die Schwelle zum Mitmachen und Mitschreiben sinke, bezweifle ich ein wenig. Ohne eigene Erfahrung mit einem Mitarbeiter-Wiki zu haben, glaube ich, dass die Leute, die gern Schreiben, es in jeder Umgebung tun. Ich kann mir nicht gut vorstellen, dass diejenigen ohne weiteres die Hürde der Wiki-Formatierung  nehmen, denen Mitmachen und Mitschreiben in den Standardanwendungen schon schwer fällt.


Responses

  1. In einer Behörde wäre ein externes Wiki Teil der Öffentlichkeitsarbeit der Behörde und von daher nur von der Behördenleitung zu genehmigen bzw. zu beauftragen.
    Die IT-Abteilung kennt viele Vorteile von Anwendungsprogrammen nicht. Man muss darüberhinaus aber die Sache mit ihren Augen sehen: Es wird etwas vorgeschlagen, in dem die IT-Abteilung nicht die Kernkompetenz hat. Wenn die Leute es nicht verstehen oder Probleme auftreten, wird aber die IT in Anspruch genommen und verantworlich gemacht. Die IT wird auch ständig mit trivialen Fällen behelligt, in denen Mitarbeiter nicht in der Lage sind, Word zu bedienen oder den Stecker in den Drucker zu stecken. Von daher verstehe ich eine gewisse Reserviertheit.
    Lösung: Sie schlagen die Installation eines internen Wiki vor und erklären sich bereit, die Schulung und Hotline dafür selbst dafür zu übernehmen.
    Man muss es realistisch sehen: Wenn Sie im Haus ein Intranet mit CMS haben und Word und Mail, wird sich ein Wiki flächendeckend nicht durchsetzen. Insofern wird sich die Anwendung auf diejenigen beschränken, die Information selbst zum Gegenstand ihrer Arbeit haben: Bibliothek, Dokumentation und Archiv.
    Dort sehe ich als sinnvolle Anwendungen:
    – Wissensspeicherung und Austausch
    – Erstellung von Hilfe-Dateien für die Benutzer
    – Erstellung kleiner, themenzentrierter „Nachschlagewerke“ unter Einbeziehung interner Quellen aus dem Bestand und externer Internetquellen
    Zur Organisation von Betriebsausflug und Karnevalsfeier sind eher reine To-Do-Anwendungen sinnvoll. Ich weiß nicht, ob ich dafür ein Wiki einsetzen würde.

  2. Lieber Reisszwecke,
    vielen Dank für die ausführliche Rückmeldung. Gäbe es hier, wie bei Amazon, die Frage „War dieser Kommentar hilfreich für Sie?“, würde ich mit „Ja“ antworten.
    Tatsächlich liegen in Behördenbibliotheken die Möglichkeiten der Web 2.0-Anwendungen ein wenig anders als in UBs oder ÖBs. Auch ein Blog, sofern überhaupt sinnvoll, wäre ja Teil der Öffentlichkeitsarbeit des ganzen Hauses und müsste, wie die Website der Bibliothek, von dort aus genehmigt werden.
    Herzliche Grüße von Behördenbibliothekar zu Behördenbibliothekar.

  3. Reisszwecke hat es sehr treffend beschrieben, das sind auch meine Erfahrungen. Neue Technologien einzuführen ist relativ schwierig, auch bei innovationsfreudigen IT-Abteilungen.
    Die Kolleginnen sind es einfach gewohnt, E-Mails mit Word-Attachments herumzuschicken, und wundern sich dann, dass kaum jemand die Anhänge öffnet. Die Verantwortung zu informieren sind sie aber los, denn sie haben ja „alle informiert“.
    Den Durchbruch für die Akzeptanz des Wikis brachte vor ein paar Jahren bei uns übrigens die Planung für den Betriebsausflug…

  4. Bei uns ist es eher die TOP-Planung für Besprechungen. Ob EDV-AG oder allgemeine Mitarbeiterbesprechung: Wenn man etwas besprochen haben möchte, trägt man es einfach auf der entsprechenden Wiki-Seite ein.

    Das funktioniert sehr gut.

  5. Wir machen das mit einem Word-Dokument. Ich glaube, das klappt in einem Rahmen von ca 12 Beteiligten und ca 6 Personen, die wirklich TOPs einbringen, gernau so gut. Ich denke immer noch, dass die Hemmschwelle für Leute, die sonst nicht mit Wikis zu tun haben, Word aber bedienen können, so sogar niedriger ist.
    In größerem Rahmen könnten Wikis, vor allem mit ihrer Versionsdokumentation, aber übersichtlicher sein.


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