Verfasst von: haferklee | 14. Februar 2009

Fräulein Mwumbanas Schicksal

Es gibt sicher nicht viele afrikanische BibliothekarInnen in deutschsprachigen Büchern. Eine von ihnen ist Fräulein Mwumbana. Zugegeben, sie hat nur eine Nebenrolle in meinem neuen Lieblingsbuch namens „So wird man Löwe“ von Hans Zippert und Rudi Hurzlmeier.

zippert

Die Handlung spielt irgendwo in der afrikanischen Savanne. Dort lebt der kleine Löwe Heribert, und der ist mächtig aus der Art geschlagen. Er ist Vegetarier, geht zum Meditieren in die Flamingoschule, sammelt Briefmarken, er arbeitet ehrenamtlich als Schülerlotse am Wasserloch, singt gemeinsam mit Zebras und Warzenschweinen im Savannenchor und, tja, und er hilft Fräulein Mwumbana in der Leihbücherei, die Neuzugänge einzubinden und einzuordnen. Und das als Sohn des Rudelführers! Das geht dann auch nur so lange gut, bis Heriberts Vater zufällig den Büchereiausweis entdeckt. Er wird furchtbar wütend, als ihm sein Sohn erklärt, dass man damit Bücher ausleihen könne, denn das ist eines richtigen Löwen natürlich unwürdig. Der bettelt nicht darum, ein Buch ausleihen zu dürfen, er holt es sich einfach. Er jagt und hetzt es, bis es nicht mehr kann und ihm gehört.

Heriberts Vater trommelt sofort sein Rudel zusammen, um seinem Sohn zu demonstrieren, wie es geht. Bei seiner Rückkehr hat er nicht nur ein Buch im Maul, sondern auch das daran hängende Fräulein Mwumbana, das ihre Bibliothek heldenhaft und bis zum letzten Atemzug verteidigt hat.

Der weitere Verlauf ist eine typische Coming of Age-Geschichte. Heribert muss seine Familie verlassen, kommt in der Welt herum und gerät in Situationen, in denen ihm nicht rohe Gewalt, sondern seine Intelligenz hilft, viele Tiere vor dem sicheren Tod beziehungsweise der genetischen Umgestaltung durch eine böse Firma zu retten. Das muss schließlich auch sein Vater anerkennen, der ihm nachgereist ist und nun ihm hilft. Auf dem Rückflug in die Savanne, nach erfolgreich bestandenen Abenteuern, denkt Heribert plötzlich noch einmal an Fräulein Mwumbana, die ihm die Wunder der Leihbücherei gezeigt hat. Auch sein Vater erinnert sich gern an die Bibliothekarin, „deren saftigste Stücke noch in der heimischen Tiefkühltruhe auf ihn warten„.

Dank an die unverlinkbare Rita für den Hinweis auf’s Buch!

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Responses

  1. Jetzt bin ich so neugierig geworden, dass ich mir das Buch gleich bei tauschticket.de ertauscht habe. Selbst der Satz mit der Tiefkühltruhe hat mich nicht abschrecken können.
    Danke für den schönen Tipp!

  2. Meine Mittagspause war heute sehr lustig, ich habe „So wird man Löwe“ zu Ende gelesen… Für den Rest des Tages werden meine Mundwinkel bestimmt noch nach oben tendieren!
    Hans Zippert kommt vom Satire-Magazin „Titanic“, das erklärt einiges.
    Nochmals danke für den Buchtipp!


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