Verfasst von: haferklee | 6. Juli 2009

Bericht vom jährlichen Treffen der FaMI-AusbilderInnen von Bundesbibliotheken

Vom 25. bis 26. Juni 2009 fand das jährliche Treffen der FaMI-AusbilderInnen von Bibliotheken des Bundes statt, diesmal in München. Die Tagung dient vor allem dem gegenseitigen Erfahrungsaustausch der etwa 60 AusbilderInnen. Durch die bewährte Leitung der Ausbildungsberaterin Gabriele Freudenberg (DNB) und erstmals ihres Kollegen Oliver Olesch (Umweltbundesamt), der Teilnahme von Mitgliedern verschiedener Prüfungsausschüsse und nicht zuletzt der stets souveränen Beiträge der Vertreterin der Zuständigen Stelle beim Regierungspräsidium Köln, Roswitha Hoge, hat die Veranstaltung immer einen beträchtlichen Informationswert.

Bestimmte wiederkehrende TOPs gibt es jedes Jahr: dies sind insbesondere ein allgemeiner Überblick über die FaMI-Ausbildung im Zuständigkeitsbereich des Bundesverwaltungsamtes (BVA), Berichte über die jährliche Tagung der Ausbildungsberater beim BVA und über die Tagung aller deutschen Zuständigen Stellen, sowie ein Austausch über tagungsrelevante Aktivitäten beim jeweils zurückliegenden Bibliothekartag. Seit mehreren Jahren ist natürlich der aktuelle Stand bei der Entwicklung des Fachwirtes ein Thema.

Zum Standardprogramm gehört auch, dass sich die am jeweiligen Tagungsort liegende FaMI-Berufsschule vorstellt. Für die Region München tat das in diesem Jahr Frau Dr. Sabine Gillitzer von der Städtischen Berufsschule für Medienberufe. Frau Dr. Gillitzer gab zum einen eine allgemeinen Übersicht über die Situation ihrer Berufsschule und des Berufsschulwesens in Bayern mit den besonderen bayerischen Verhältnissen. So nahmen die TagungsteilnehmerInnen amüsiert zur Kenntnis, dass die FaMIs in Bayern den Beginn ihrer Berufsschulausbildung im 10. Schuljahr starteten und mit dem 12. Schuljahr abschlössen. Dies, weil es formal in Bayern immer noch so gesehen und geregelt sei, dass eine Ausbildung üblicherweise nach Abschluss des 9. Schuljahres begonnen werde, unabhängig von der Realität, in der viele BerufsschülerInnen ihre Ausbildung ja nach dem Abitur antreten – womit sie formalrechtlich von der 13. zurück in die 10. Klasse rutschen! Frau Gillitzer berichtete zudem über die Situation im Bereich der Fachrichtung „Bildagentur“, auf die sich zum einen die generelle Krise der Presse auswirke und zum anderen die massiven Veränderungen, die durch das Aufkommen der Microstockagenturen entstanden seien. Der FaMI-Arbeitsmarkt sei in diesem Bereich derzeit alles andere als gut, und ausgebildet werde nur strikt bedarfsorientiert. Zudem würden an die FaMIs in der Fachrichtung Bildagentur besonders hohe Anforderungen gestellt. Die Ausbildungsbetriebe verlangten fast immer das Abitur; sie setzten eine sehr gute Allgemeinbildung, Fremdsprachenkenntnisse, ein ausgeprägtes ästhetisches Empfinden, solide EDV-Kenntnisse bezüglich Photoshop und Webdesign und die Fähigkeit zu selbständigem Handeln voraus. Das ist nach meinem Eindruck wesentlich mehr, als es von Bibliotheks- oder Archiv-AnfängerInnen verlangt wird.

Die Schwerpunkte in der Diskussion dieses Jahres bezogen sich vor allem auf einen Austausch über die Vorbereitung auf die mündlich-praktische Abschlussprüfung einschließlich der Bewertung der Soft Skills bei dieser Prüfung, auf rechtliche Grundlagen beim Auswahlverfahren, und auf Hilfestellungen zur beruflichen Orientierung für Schüler durch die Bibliotheken angesichts zurückgehender Bewerbungszahlen. Bezüglich des erstgenannten Punktes berichteten die anwesenden Mitglieder der Prüfungsausschüsse über Veränderungen in der Prüfung. So werden jetzt verstärkt bestimmte Fragestellungen anhand von praktischen Fallbeispielen geprüft, die fast bis hin an die Grenze zu Rollenspielen gehen können. Als Beispiel wurde die/der NutzerIn genannt, die/der mit quengelndem Kind und beschädigten Büchern zur Rückgabe kommt. Diese Aufgabe hat der Prüfling dann situationsbezogen zu bewältigen.

Kontrovers diskutiert wurde die Problematik und praktische Anwendung von „Beurteilungen“ der FaMIs während der Ausbildung. Da laut BBiG für Azubis (im Gegensatz zu Festangestellten) keine Beurteilungen vorgesehen sind, sollten solche Instrumente, sofern sie schriftlich angewendet werden, nicht „Beurteilung“, sondern „Leistungsfeststellung“ genannt werden. Diese Leistungsfeststellung wiederum gehört rechtlich nicht in die Personalakte, sondern nur in die Handakte des Ausbilders. Daraus sollte sie nach Abschluss der Ausbildung entfernt werden.

Diskutiert wurde zudem die die ungeklärte und unbefriedigende tarifliche Regelung der Ausbildungstätigkeit, die dazu führt, dass es FaMI-AusbilderInnen gibt, die im mittleren Dienst arbeiten und entsprechend bezahlt werden. Ihre Tätigkeit ist aber nach Ansicht der TagungsteilnehmerInnen an der Grenze vom mittleren hin zum gehobenen Dienst einzustufen.

Die Tagung war ein erneuter Beweis für die gute Vernetzung der Bundesbibliotheken in diesem Arbeitsbereich. Ich vermute, dass es bei den Landes- und Kommunalbibliotheken ähnlich aussieht und lade zu entsprechenden Hinweisen in der Kommentarfunktion ein.

Ein besonderer Dank erging von allen Ausbilderinnen und Ausbildern an die langjährige Ausbildungsberaterin der DNB, Frau Freudenberg, die in der Zeit bis zum nächsten Treffen in den Ruhestand gehen wird. Sie hat, noch zu Assistentenzeiten, ihre Tätigkeit mit der Betreuung von 4 Einrichtungen des Bundes begonnen und kümmerte sich zuletzt um etwa 60 Bibliotheken in diesem Bereich!

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Responses

  1. Ich finds immer wieder interessant, wenn für eine Berufsausbildung Kenntnisse in einer Profi-Software für über 1000 € (Photoshop) vorausgesetzt werden. Ich vermute mal, dass viele sich diese Kenntnisse mit illegalen Mitteln besorgen (müssen).


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