Verfasst von: haferklee | 25. November 2009

Wie sollen Büchereien/Bibliotheken benamst sein?

Die Benennung einer städtischen Mediensammlung oder eines universitären Informationszentrums mit den Worten Bücherei oder Bibliothek ist für viele nicht mehr ganz stimmig, da diese Worte inhaltlich allein auf Bücher hinweisen und konzeptionell den Sammlungsaspekt betonen. Deshalb steht die traditionelle Bezeichnung gelegentlich in der Diskussion. Dazu drei Fundstücke, auf die ich in den letzten Tagen gestoßen bin.

Der vom Bibliothekswesen unbeleckte Kommunikationsspezialist Klaus Schmidbauer plädiert in seinem 2004 erschienenen Fachbuch „Das Kommunikationskonzept : Konzepte entwickeln und präsentieren“ konservativ:

Im Rathaus der Stadt besorgte ich mir statistisches Material und in der Stadtbücherei, die seit neuestem großspurig „Mediathek“ hieß, fand ich ein spannendes Werk über Großsiedlungen …

Um dasselbe Problem geht es in einer Passage von Ian Sansoms in Nordirland spielenden Roman „So schnell wackelt kein Schaf mit dem Schwanz„, erschienen 2006 auf englisch und 2008 auf deutsch. Dort unterhalten sich der Leiter der örtlichen Fahrbibliothek, Israel Armstrong, und seine Vorgesetzte, Linda Wei, die Leiterin des städtischen Kulturamtes. Letztere eröffnet:

„Es gibt da den Plan, alle mobilen Lernzentren als Ideenzentrum neu zu definieren und -“
„Was?“
„Die Abteilung für Unterhaltung, Freizeit und Gemeindedienste hat den Plan entwickelt, alle mobilen Lernzentren -“
„Fahrbahren Büchereien“, sagte Israel.
„Auch die, wenn es sein muss.“ Linda linste über ihre Brille. „Zu Ideenzentren umzubauen. Sie werden also weit mehr ideenzentriert arbeiten.“
„Ideenzentriert?“
„Ja.“ …
„Verstehe. Sie werden also das Schild auf dem Bus ändern, oder … was?“
„Nein, nein, nein. … Das steht im Moment alles noch in den Sternen. Wir werfen einfach nur ein paar Dinge in die Arena und sehen, was ankommt.“
„In die Arena?“
„Exakt. Um zu sehen, was ankommt.“

Der Dialog macht sich sicher lustig und spielt an auf das recht neue britische Konzept der „Idea Stores„. Im aktuellen, äußerst interessanten Beitrag seines Blogs „LIS Traveller“ beschreibt Sebastian Wilke sehr ausführlich eine bibliothekarische Englandreise. Er stellt unter anderem das Idea Store Whitechappel vor, und geht auch auf dessen Benennung ein:

Nebenbei bemerkt würde mich mal interessieren, ob der Name „Idea Store“ auch bei den Nutzern der Einrichtung im aktiven Sprachgebrauch angekommen ist und wie hoch der Anteil der Leute ist, die trotzdem von der „library“ um die Ecke sprechen. Der Begriff „library“ taucht zwar auf der Webseite der Idea Stores auf, vor Ort habe ich ihn aber an keiner Stelle erwähnt gesehen.

Ich bin gespannt, welche Bibliothek in Deutschland es sein wird, die eine neue Benennung in die Arena wirft – und sich hoffentlich vorher überlegt hat, was ankommt.

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