Verfasst von: haferklee | 8. März 2011

„Hängt die Frau erst einmal am Mann, dann geht sie auch überall mit hin“

Diese erschütternde Erkenntnis hat kein Stammtisch formuliert, sondern Kriminalpolizei-Oberrat Alfred Hager in seinem Büchlein „Verhör : Technik und Taktik„, erschienen als Band 1 der „Polizei – Fachliche Schriftenreihe“ im Jahre des Herrn 1948. Wer angesichts des heutigen 100. Weltfrauentages wissen möchte, welches angeblich gesicherte Wissen der Herr Oberrat zum kriminalpolizeilichen Verhör weiblicher Personen von sich gegeben hat, lese im Zusammenhang weiter:

Schließlich darf nicht übersehen werden, daß weibliche Personen allgemein der Einwirkung eines gewissen Mitgefühls unterliegen, wie andererseits die Beweggründe der Frau bei kriminellen Handlungen – im Gegensatz zum Manne – vorzugsweise gefühlsbetont sind, und zwar infolge der beim weiblichen Geschlecht stark ausgeprägten Charaktereigenschaften wie Neid, Haß, Rachsucht, Eifersucht und Eitelkeit. Das Unterscheidungsvermögen allgemein von Recht und Unrecht ist bei vielen Frauen noch nicht klar ausgeprägt. Bestimmte Begriffe, wie Berufs- und Standesehre, Notwendigkeit der öffentlichen Ordnung, sind weiblichen Personen vielfach fremd.
Die Hauptwaffe der Frau ist die List, die sie der Logik des Mannes, seinen körperlichen Kräften und seiner Tatkraft gegenüberstellt. Deshalb neigt die Frau insbesondere zu Straftaten, die ihr das Ausnutzen dieser Veranlagung und der ihr entsprechenden Intrigen (Verleumdung, Erpressung, falsche und anonyme Anzeigen u.a.m.) gestattet. „Die Zunge ist das Schwert der Frau, denn ihre körperliche Schwäche hindert sie, mit der Faust zu kämpfen, und ihre geistige Veranlagung läßt sie auf Beweise verzichten, also bleibt nur die Fülle der Worte“, sagt ein bekannter Kriminalpsychologe. Dementsprechend groß ist auch der Anteil der Frau an Beleidigungsprozessen. …

Des weiteren kann aber gesagt werden, wenn eine weibliche Person erst einmal auf den Weg des Verbrechens geraten ist, wird sie in der Ausübung ihrer Taten viel rücksichtsloser als der Mann. Sie übertrifft ihn meistens an Brutalität und Gemeinheit.
Es ist bekannt, daß der männliche Verbrecher mehr Herz und Mitleid zeigt und überhaupt edlerer Taten fähig ist als seine weibliche Gehilfin. Man kann wohl mit Recht sagen, daß die Frau, die sich erst einmal zum Verbrechen hergibt, bei der Ausführung oft weiter geht als der Mann.

Hängt die Frau erst einmal am Mann, dann geht sie auch überall mit hin. Und begeht ihr Begleiter die verabscheuungswürdigsten Verbrechen, so hilft sie ihm dabei als seine treueste Gefährtin. Es braucht nicht immer Liebe sein, was eine weibliche Person an den Mann bindet; es kommen auch gemeinsame Interessen wie Putzsucht, Eitelkeit, sexuelle Verwahrlosung u.a.m. in Frage.  … Im allgemeinen neigt die Frau aber nicht zu gewalttätigen Verbrechen, …, ebensowenig auch zu solchen Straftaten, deren Ausführung scharfe Überlegung und Intelligenz erfordert.

Übrigens war der Verfasser, Alfred Hager, von 1946 bis 1947 Direktor des Landeskriminalamtes Niedersachsen; kein kleines Licht also.
Und was hat dieser Post nun für einen bibliothekarischen Zusammenhang? Im Juli 2009 hat Edlef Stabenau im netbib weblog auf das „Awful Library Blog“ aufmerksam gemacht. Dort werden merkwürdige Bücher aufgelistet, die eigentlich aus Bibliotheksbeständen ausgeschieden werden sollten. Und gehört nun ein Buch zur Technik und Taktik des Polizeiverhörs wirklich in die Wissenschaftliche Spezialbibliothek für Naturschutz, in der ich arbeite? Selbstverständlich nicht, deshalb habe ich es, als ich darauf stieß, ausgesondert. Statt es dem genannten Blog zu melden, habe ich es aber lieber und sehr gern zur Feier des 100. Weltfrauentages aufbewahrt😉


Responses

  1. Puhhh… Ein Dienst an der Menschheit, nicht nur dem weiblichen Teil, denke ich.

    1948 scheint furchtbar lang her, wenn man ausblendet, dass manche der obigen Vorurteile weiterhin Bestand haben.

    Ich habe aber am meisten Schwierigkeiten bei der Vorstellung, inwiefern „Putzsucht“ Personen in einem kriminellen Kontext aneinander binden könnte. Zwanghaftes Klauen von Topfschwämmen? Einbrüche a la Bin Jip? …

    Danke für’s Ausgraben🙂

  2. @Stadtkatze: „Putzsucht“ ist hier nicht als zwanghaftes Saubermachen gemeint. Es steht in diesem Kontext in der heute nicht mehr sehr gebräuchlichen Form als „Sich Herausputzen“, also im Sinn von z.B. Gefallsucht, Dandytum, Geckenhaftigkeit oder Selbstgefälligkeit. – Ansonsten vielen Dank für den Hinweis auf den ungewöhnlichen Spielfilm.

  3. Ahhh, OK, dann wird’s ein My klarer!


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