Verfasst von: haferklee | 9. April 2011

Ein Challenger-Astronaut als Bibliotheksnutzer

Die anrührende Geschichte des Anfang 1986 beim Challenger-Unglück im Alter von 35 Jahren um’s Leben gekommenen Ronald E. McNair war mir bisher nicht bekannt. McNair war der zweite farbige Astronaut in der Geschichte der amerikanischen Raumfahrt. Was er 1959 als Neunjähriger in der Lake City Public Library in South Carolina erlebte, steht in einem Artikel der Website „The State: South Carolina’s Homepage“ vom 25. Januar 2011:

The boy walked to the counter of the Lake City Public Library through a gantlet of stares in 1959. Ronald E. McNair, then 9, wanted to check out books on advanced science and calculus, but the librarian wouldn’t release them. “We don’t circulate books to Negroes,” she told him.
Library patrons laughed at McNair’s behavior, and the librarian threatened to call the police — and his mother, Pearl. McNair didn’t budge.

Instead, he hoisted himself onto the counter, his spindly legs dangling, and waited, because he wasn’t leaving without the books. After two police officers determined that McNair wasn’t causing a public disturbance, and when Pearl said she would pay for the books if McNair didn’t bring them back, the librarian acquiesced. “Thank you, ma’am,” McNair, prompted by his mother, said before he walked out of the library. McNair, always a precocious student, would become an astronaut and a hometown hero…

Denkmal für Ronald Erwin McNair (mit Buch!). Es steht in einem nach ihm benannten Park in Brooklyn, New York City.
Veröffentlicht unter CC-by-2.5, Autor: Peter Shanks

Auf diese Geschichte aufmerksam wurde ich durch einen Post von Phillip Torrone im Blog „Make: technology on your time„, auf den ich hier schon einmal hingewiesen habe. Torrone stellt dazu die richtige Frage, die es aus meiner Sicht lohnt, sich auch bei uns mit McNairs Erlebnis als kleinem Jungen zu beschäftigen:

Obviously the public library was a big part of Ronald’s life. It’s interesting to think about the 9-year-old kids now who want to build or learn something — where will they go? Who will they ask and what will they become in 26 years given the right “tools”?

Geschichten, in denen berühmte Personen als Werbeträger für Bibliotheken auftreten, sind aus meiner Sicht mindestens genauso wichtig für die Existenzbegründung wie (teils schein-)rationale Leistungsstatistiken. Sie lassen sich hervorragend vermarkten und in Auseinandersetzungen mit dem jeweiligen Träger einsetzen. Oft lassen sie  Leute aufhorchen, wenn sie erfahren, dass Personen etwas mit Bibliotheken am Hut haben, von denen man es nie erwartet hätte (hier und hier). Eigentlich müsste es (für so etwas ist unser Berufsstand ja da) eine Sammlung solcher Testimonials geben, vergleichbar derjenigen der Bibliotheksvideos.

Alle Berichte dieser Art aber, die mir bekannt sind, spielen – logischerweise – in der Vergangenheit, und stets geht es um das gute alte Buch. Hat irgend jemand eine Idee davon, wie solche Testimonials zukünftig aussehen werden? Wer macht sich darum Gedanken? Die Zukunftswerkstatt? Wird es einmal einen Star geben, der in einem Interview darauf hinweist, dass er in der örtlichen Bibliothek ein tolles Computerspiel kennen gelernt hat? Ist eine deutsche Nobelpreisträgerin vorstellbar, die mit leuchtenden Augen erzählt, dass sie ihren ersten E-Book-Reader gesehen und damit den Zugang zur Literatur in der Bibliothek gefunden hat? Wird einmal jemand erzählen, dass er zur Stadtbibliothek gekommen ist, weil man dort kurz nach dem Verkaufsstart das neue iPad ausprobieren konnte, für dessen eigenen Besitz man noch für lange Zeit nicht genügend eigenes Geld hatte? Wann wird es die erste dieser „neuen“ Geschichten geben?

McNair Park

By Jim Henderson (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ron_McNair_memorial_jeh.JPG

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