Verfasst von: haferklee | 2. Juni 2011

Vortrag zum Bibliotheksklischee auf dem Bibliothekartag, und Klischeezitat aus „Moby Dick“

Da sich dieses Blog um berufsbezogene Nebensächlichkeiten kümmert, ist es Ehrensache und Pflicht, auf die in dieser Hinsicht wichtigste Veranstaltung des 100. Bibliothekartages hinzuweisen. Im Rahmen der Session „Berufsbild: gestern – heute – morgen“ (Mittwoch, 8.6., 13:30 – 15:30 Uhr) hält Elisabeth von Lochner einen Vortrag mit dem Titel: „Farblos, verstaubt, verschroben? Bibliothekare in Eigen- und Fremdwahrnehmung“. Es geht also um’s Klischee, einem Thema, dem hier gern Raum gegeben wurde und wird (1, 2). Frau von Lochner hat sich nach vielen anderen, die sich vor ihr in diesen Gegenstand verliebt haben, 2008 im Rahmen ihrer online vorliegenden Masterarbeit mit dem Thema auseinandergesetzt. Das Abstract ihres Vortrags, der auf der Arbeit beruht, lautet wie folgt:

Bibliothekarisches Personal wird auch heute noch gerne mit geradezu klassisch zu nennenden und immer wieder reproduzierten Klischees, die in der Öffentlichkeit über diesen Beruf existieren, konfrontiert. Von sich selbst und ihrem Berufsstand pflegen Bibliothekare jedoch eine erheblich bessere Vorstellung. Die in der Öffentlichkeit dominierende Wahrnehmung des Berufsstandes scheint sich einerseits sowohl in der Literatur als auch im filmischen Genre wiederzufinden; andererseits beeinflussen diese die öffentliche Vorstellung. Mit einer Gegenüberstellung von Fremdwahrnehmung und Selbstkonzeption führt der Vortrag das in der öffentlichen Meinung vorherrschende, zweifellos negative Bild von Bibliothekaren auf seine Ursprünge zurück und zeigt die Interdependenz von fiktionaler Klischeebildung und Realitätswahrnehmung auf.

Und wen von uns Bibliothekswesen interessiert dieses Thema nicht? Wir wissen ja alle, dass, wie von Lochner im Schlussteil ihrer Arbeit zu Recht schreibt, „…die Klischee-Thematik über Jahrzehnte hinweg verfolgt und thematisiert wurde und wird, dass es sich dabei also um einen Dauerbrenner in der Selbstkonzeption handelt.“

Bei dieser Gelegenheit weise ich übrigens gern noch einmal auf eines der ältesten Klischeezitate aus der Weltliteratur überhaupt hin, nämlich auf Herman Melvilles Roman „Moby Dick“. In seiner Ausführlichkeit dürfte es sich wohl sogar um das älteste Beispiel handeln. Das Verblüffende daran: in keiner einzigen der bisher erschienenen Veröffentlichungen von Klischeezitaten, einschließlich der von Lochners, wird es erwähnt! Die Ehre des Aufspürens gebührt also bis zum Beweis des Gegenteils mir. (Zur Ehrabschneidung bitte die Kommentarfunktion nutzen; auch gerne, falls jemand ältere Klischeezitate kennt.) Melvilles Zitat macht in seiner witzigen Formulierung großen Spaß, also nur zu, bitte hier nachlesen.


Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Kategorien

%d Bloggern gefällt das: