Verfasst von: haferklee | 18. Februar 2014

Ein geheimnißvoller Bücherdiebstahl aus der Königlichen Bibliothek zu Berlin anno 1878

Aus der Tageszeitung „Die Post“ (Berlin), XIII. Jahrgang, 6.1.1878, Ausgabe 2, Rubrik „Lokales“:

Die Bücherdiebstähle, welche vor ungefähr Jahresfrist in der Königlichen Bibliothek Veranlassung gaben, die Jedermann zugänglichen Schränke im Lesezimmer zu räumen, haben, wie die Staatsburger Ztg. mittheilt, zu erneuerter und eingehender Nachforschung sowie zur Untersuchung besonders werthvoller Werke, welche verliehen waren, geführt. Von den ehemals fehlenden, zum großen Theil unersetzlichen Bänden einzelner Werke – es waren deren 92 – ist ungefähr der vierte Theil wieder zurückgeliefert worden, natürlich geheimnißvoll, wie sie verschwanden; bald hier bald da fand man im Lesezimmer diesen oder jenen Band. Wahrhaft erschreckend ist mitunter der Zustand der zurückgelieferten Bände: Blätter und Kapitel, in den Text gedruckte Abbildungen und beigegebene Kupfer sind ausgerissen, so daß man sich billig fragt, wie Menschen, welche wissenschaftliche Werke benutzten, einen derartigen Vandalismus verüben konnten. An eine Zurücknahme der neuen Maßregel – wie man vielseitig hoffte – ist verläßlichen Versicherungen zufolge nicht im mindesten zu denken; im Gegentheil wäre man bei den vielen trüben Erfahrungen gern zu noch schärferen Bestimmungen übergegangen, könnten dieselben ohne zu herbe Belästigung der Benutzenden durchgeführt werden.

Auf ein Bild des Originaltextes verzichte ich wegen der schlechten Qualität der mir vorliegenden Kopie.

Bei der „Königlichen Bibliothek“ handelt es sich um die heute sogenannte „Alte Bibliothek“, im Volksmund wegen ihres Aussehens „Kommode“ genannt. Sie war die Vorgängereinrichtung der „Preußischen Staatsbibliothek“.

File:Kommode.JPG

Die „Alte Bibliothek“ (sog. „Kommode“) am Bebelplatz, Berlin, heute die Juristische Fakultät der Humboldt Universität zu Berlin.
Fotograf: Luukas. Public Domain.


Responses

  1. Tipp: Wer es mal nach Berlin schafft, sollte der Bibliothek einen Besuch abstatten. Fast anachronistisch ist nämlich das große farbige Fensterbild im Hauptlesesaal mit Marx, Engels und Lenin😀
    Auf dem Bebelplatz findet man zudem das Denkmal zur Bücherverbrennung in Berlin.

  2. Einen herzlichen Dank retour für die Ergänzung und den Tipp. In diesem Gebäude war ich noch nicht.


Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Kategorien

%d Bloggern gefällt das: