Verfasst von: haferklee | 18. Januar 2016

Käptn Peng und die falsche Bibliothekarin (mit Dutt!)

Als „Käptn Peng“ macht er gemeinsam mit den „Tentakeln von Delphi“ interessante Musik und produziert dazu originelle Videos. Als Schriftsteller veröffentlichte er vorletztes Jahr seinen Debütroman „Der unsichtbare Apfel“ unter seinem bürgerlichen Namen Robert Gwisdek.
Unter bibliothekarischem Blickwinkel wird dieser Roman auf Seite 286 interessant:

Immer wieder dachte er an die gigantischen Ansammlungen von Büchern, die er gesehen hatte, und überlegte, dass es aufschlussreich sein müsste, ein paar von ihnen zu lesen. Aber wo sollte er anfangen? Die Regale waren unzähmbare Monster aus Informationen und jeder Versuch, sie sich auf eigene Faust zu erschließen, wäre absurd gewesen.
Eines Morgens stand er auf und sagte lächelnd: „Ich denke, es ist an der Zeit, dass wir uns mit einer Bibliothekarin anfreunden.“

Wann haben wir nur zuletzt einen solch entzückenden Satz gelesen! Sofort freuen wir uns darauf, diese Kollegin kennen zu lernen, sie muss ein wundervolles, außergewöhnliches Wesen sein. Aber die kalte Dusche folgt umgehend:

An einem der vielen länglichen Tische saß eine Bibliothekarin und war vertieft in die Abschrift eines Buches … Sie war unauffällig gekleidet, hatte einen Dutt und einen zarten Hals und schien von einer hohen Fähigkeit zur Konzentration. Still und versunken las sie …

Weia! Der Sprachmeister Gwisdek greift tief in die Mottenkiste und präsentiert uns als Bibliothekarin eine stille, unauffällig gekleidete Person mit Dutt. Enttäuscht lese ich weiter, als sich kurz darauf herausstellt, dass diese Bibliothekarin gar nicht echt ist! Der Zugang zu Büchern wird nämlich rigide kontrolliert und erfordert einen zu einer Leseberechtigung führenden Antrag mit genauer Bezeichnung der gewünschten Werke. Die vorgebliche Bibliothekarin benötigt aber indizierte Literatur, weshalb sie auf den Trick verfallen ist, sich als eine in der Bibliothek arbeitende Person auszugeben, was ihr den Zugang zu allen Werken ermöglicht. Und welche Verkleidung wäre besser geeignet dafür als eben genau das klischeehafte Äußere samt entsprechendem Verhalten!

Teufel auch! Das ist ja geradezu genial! Kennt Gwisdek etwa unser altes berufliches Klischee und nutzt es, um eine Bibliothekarin möglichst gut unter anderen Bibliothekarinnen zu „verstecken“? Wenn das so ist, dann Hut ab. Mir ist Vergleichbares aus unserem beruflichen Umfeld nicht bekannt.

Aber ist der Gwisdek wirklich so clever? Leider fällt es mir schwer, an ein bewusstes Spiel mit dem Klischee zu glauben, denn er verliert zu rasch das Interesse an dieser Figur, die sich doch jetzt erst entwickeln könnte. Ob er es mir irgendwann einmal sagt? Ich wüsste es nur zu gern …

 

Vintage female photograph 4.jpg

Foto: „Vintage female photograph 4“ von Unbekannt. Gemeinfrei über Wikimedia Commons.

PS. Rezensionen zum Roman hier, hier und hier.
Mit Dank an Marvis.

 

 


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