Verfasst von: haferklee | 30. Mai 2017

Da ist es: das Bibliotheksklischee in Japan

Wir deutschen Bibliothekswesen neigen ja zu einer gewissen Überbeschäftigung mit dem uns häufig zugeschriebenen Langweiler-Klischee in Literatur und Medien 😉 Ob das in anderen Kulturen ähnlich ist? Ich bin jetzt erstmals auf ein Zitat aus der japanischen Literatur gestoßen, in dem genau dieses Klischee bedient wird:

Ich döste ein, und als ich nach einer halben Stunde wieder aufwachte, las ich während der restlichen Zugfahrt in der Jack-London-Biographie, die ich in einem Buchladen in Hakodate erstanden hatte. Verglichen mit dem bewegten Leben dieses Schriftstellers wirkte meines verschlafen wie das eines Eichhörnchens, das in einer hohlen Eiche auf einer Walnuss dösend auf den Frühling wartete. Zumindest zeitweilig kam es mir so vor. Aber so sind Biographien nun einmal. Wer wäre denn auch am friedvollen Leben und Streben eines gewöhnlichen Angestellten der Stadtbücherei von Kawasaki interessiert?

Es stammt aus dem Roman „Tanz mit dem Schafmann“ von Haruki Murakami. Ich war höchst verblüfft, denn Murakami hat mit seiner Erzählung „Die unheimliche Bibliothek“ ein so ungewöhnliches wie originelles Werk fern jeden Bibliotheksklischees geschaffen. Aber auch einem so schätzenswerten Schriftsteller wie ihm unterläuft das wohl irgendwann einmal … Da kann man wirklich nichts machen.

Haruki Murakami: Tanz mit dem Schafsmann. Köln: Dumont, 2002. S. 35-36.

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