Verfasst von: haferklee | 20. November 2017

Die „Virtuelle Deutsche Landesbibliographie“ (VDL): unbekannt, unterbewertet?

Die „Arbeitsgruppe Regionalbibliographie“

verfolgt das Ziel, die VDL auf der obersten Ebene des KVK (in der Säule der deutschen, österreichischen und schweizerischen Kataloge) zu verankern, um die Präsenz und Sichtbarkeit der VDL als einer wichtigen länderübergreifenden Rechercheplattform zur Landesgeschichte und Landeskunde zu erhöhen.

Schreibt Ludger Syré in seinem Bericht zur diesjährigen Jahrestagung der AG Regionalbibliographie (frisch erschienen im „Bibliotheksdienst“ 51 (2017) Heft 10/11, hier Seite 830; https://doi.org/10.1515/bd-2017-0091). Meines Erachtens ist das überfällig. Nach meinem persönlichen Eindruck ist die VDL bei WissenschaftlerInnen nahezu überhaupt nicht und bei BibliothekarInnen wenig bekannt. Das ist nicht gut, denn für bestimmte Suchanfragen ist sie ein wichtiges Rechercheinstrument.

Ich sehe drei Gründe für den geringen Bekanntheitsgrad:

Erstens die bereits genannte fehlende Sichtbarkeit. Dabei gehört die VDL schon lange auf die erste Ebene des KVK.

Der zweite Grund steckt meines Erachtens in der Selbstbezeichnung als „Rechercheplattform zur … Landeskunde“. Die Landeskunde wird möglicherweise von vielen fälschlicherweise zu eng mit dem Fach Geographie verknüpft. Sie ist im Grunde aber ein Oberbegriff, der sich in recht verschiedenen, nämlich beispielsweise historischen, wirtschaftlichen, sozialen oder kulturellen Aspekten eines Ortes, einer Region, eines politischen oder eines Naturraums konkretisiert. In der VDL wird man also Literatur finden zum Nationalsozialismus in Tübingen, zu Museen in Frankfurt oder zur Berliner Tafel. Auch der Naturschutz findet in der Fläche statt und dementsprechend seinen Niederschlag in der VDL: Literatur zum Biosphärenreservat Rhön ist reichlich recherchierbar. Besser als die oben genannte Bezeichnung finde ich die von Jürgen Plieninger verwendete Beschreibung: Man wird in der VDL fast immer fündig, wenn die Suchanfrage einen Bezug zu einem geografischen Raum hat.

Schließlich mag es auch sein, dass die Ergebnisse der VDL als zu wenig wissenschaftlich eingeschätzt werden. Tatsächlich erschließt sie vor allem das regionale Schrifttum, in Bezug auf Periodika also eher das nicht peer-reviewte Schrifttum. Aber genau das ist auch ihre Stärke, denn dieser Ausschnitt aus der Literatur wird an keiner anderen Stelle nachgewiesen. Und für bestimmte Suchanfragen wäre es ein Fehler, solche Quellen zu übersehen.

Es lässt sich sicher das eine oder andere gegen die VDL einwenden. Die nach dem Modell des KVK gebaute Suchoberfläche über alle Landesbibliographien hinweg ist natürlich nur der kleinste gemeinsame Nenner für die Suche. Die Recherchemöglichkeiten einzelner Bibliographien sind dagegen deutlich vielfältiger. So verfügt zum Beispiel die Nordrhein-Westfälische Bibliographie über viele zusätzliche Features, darunter eine Karte mit unterlegter Raumsystematik, die als Rechercheeinstieg genutzt werden kann. Auch das Design der VDL-Oberfläche ist, wie Syré an oben genannter Stelle selbst schreibt, in die Jahre gekommen. Und Beiträge in Sammelbänden werden häufig nicht immer in Gänze erschlossen, worauf Klaus Graf vor längerem hingewiesen hat. Dies dürfte seinen Grund in der personellen Ausstattung an den Landesbibliotheken haben, die die VDL erstellen.

Übersehen oder vernachlässigen sollte man die VDL deswegen aber trotzdem nicht.

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Kategorien

%d Bloggern gefällt das: