Verfasst von: haferklee | 3. September 2013

Bucherwerb in der Stuttgarter Stadtbücherei – im Roman

Nur selten dürfte der Vorgang der Beschaffung von Büchern in einer Stadtbibliothek literarisch verarbeitet sein. In Heinrich Steinfests Roman „Ein sturer Hund“, ausgezeichnet mit dem Deutschen Krimipreis, geschieht das in der bei ihm gewohnt skurrilen bis absurden Art.

Einer der Protagonisten in Steinfests 2003 erschienenem Werk ist der Stuttgarter Schriftsteller Moritz Mortensen. Dessen drei Romanen blieb der Erfolg bisher vollkommen versagt, sie fanden nicht den Hauch von Beachtung. Trotzdem stehen sie im Bestand der Stuttgarter Stadtbücherei, Mortensens Heimatbibliothek:

Mortensen …  erinnerte sich der Anstrengungen, die es gekostet hatte, bis man schließlich bereit gewesen war, seine drei Bücher in den Bestand dieser Bibliothek aufzunehmen. Denn natürlich waren die zuständigen Einkäufer nicht von selbst auf sein Werk gestoßen. Vielmehr war es notwendig gewesen, die Bibliothekare mit Telefonaten und Briefen zu traktieren. Mortensen hatte diese Leute geradezu weichgeklopft. So lange, bis sie wohl keinen anderen Ausweg mehr gesehen hatten, als die drei Bücher anzukaufen und in der Belletristik einzuquartieren. In etwa, wie man faule Früchte unter die frische Ware schmuggelt. Bloß um einen Dämon zu bannen.

Das erste Kapitel von Steinfests Roman, zu dem die hier zitierten Sätze gehören, spielt in der Zentrale der Stadtbücherei Stuttgart, als sie noch im Wilhelmspalais untergebracht war. Steinfest scheint ein Freund von Stadtbibliotheken zu sein, denn als Kulisse für den Showdown in einem späteren Werk hat er das Gebäude der Wiener Hauptbücherei gewählt. Aber ganz sicher kann man sich darüber eigentlich doch nicht sein, denn an anderer Stelle des Kriminalromans liest der Detektiv, Markus Cheng, in einem seit langem vergriffenen Buch:

Cheng hatte es vor einiger Zeit aus der Stadtbücherei entliehen und später vorgegeben, es verloren zu haben. Einfach aus dem Grund, da er keinen Band auf dem freien Markt hatte auftreiben können. Daß sein Vorgehen unkorrekt war, nahm er gelassen hin. Reuelos.

Siehe auch: https://haferklee.wordpress.com/2009/09/10/stadtbuchereien-seid-bedankt/


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