Verfasst von: haferklee | 14. Mai 2018

Ein Bibliothekar kartiert die erotische Weltliteratur

Uwe Timms 1991 erschienener, großartiger Roman „Kopfjäger“ steckt voller merkwürdiger und manchmal unglaublicher Geschichten. Eine handelt von dem Schriftsteller, Gelehrten und Bibliothekar Wilhelm Heinse (1746-1803), der ab 1786 zunächst als Vorleser, bald auch als Bibliothekar, im Dienst des Mainzer Erzbischofs, Kurfürst Friedrich Karl Joseph von Erthal, und dessen Nachfolger stand. Peter Walter, der Protagonist des Romans von Uwe Timm, erzählt,

Heinse, der als Bibliothekar des Kurfürsten zu Mainz arbeitete, habe in monatelanger Arbeit einen Lehrpfad durch die Bücher angelegt, indem er zwischen all die Seiten der Weltliteratur, auf denen erotische oder sogar sexuelle Szenen beschrieben wurden, kleine rote Papierstreifen gelegt habe, als Lockspeise sozusagen für diesen Lehrpfad der Lüste. Eine enorme, kenntnisreiche, liebevolle Arbeit, die Heinse zum Vergnügen des lebenslustigen Fürstbischofs da geleistet habe, denn es sei ein literarischer Lehrpfad durch die Sittengeschichte der letzten zwei Jahrtausende gewesen. Nach dem Tod des Kurfürsten – auch Heinse sei recht jung gestorben – sei ein recht enggläubiger Bischof Kurfürst geworden. Der besuchte eines Tages die Bibliothek und begann, die Stellen mit den roten Lesezeichen zu lesen, in der Annahme, da sei ein Heilsweg durch die Literatur markiert, fromme, die Seele erbauende Stellen, er fand sich aber plötzlich auf einem ganz anderen Pfad und befahl, schleunigst alle Zettel zu entfernen. 2436 zählte ein Unterbibliothekar.

Eine erstaunliche, skurrile Geschichte! Uwe Timm legt dem Erzähler der Anekdote zwar eine Quelle in den Mund, allerdings eine äußerst vage: Er habe diese Geschichte demnach „aus einem alten Literaturlexikon“.

Wusste es Uwe Timm nicht genauer? Wollte er keine präzise Quelle nennen? Welche Herausforderung für einen Bibliothekar! Das muss doch zu verifizieren sein!

 Wilhelm Heinse im Jahr 1779. Gemälde von Johann Friedrich Eich, Gleimhaus Halberstadt, Wikimedia Commons.

Heinses Lebenslauf lässt sich schnell nachlesen: in der Wikipedia, der ADB, der NDB, dem Goedeke und vielen anderen kürzeren und längeren Nachschlagewerken. Denn ein Unbekannter ist er nicht. Sein Hauptwerk, „Ardinghello und die glückseeligen Inseln“ (2 Bände, Lemgo 1787) wird häufig als erster deutschsprachiger Künstlerroman bezeichnet. Und seine von 1780 bis 1783 unternommene Italienreise gilt als Vorbild für Goethes sechs Jahre später begonnene Reise. Ein Heinse-Eintrag findet sich deshalb in jedem Literaturlexikon, jüngeren wie älteren.

Aber eine Bestätigung für die seltsame Geschichte habe ich in ihnen nicht finden können. Auch in der bibliothekarischen Fachliteratur scheint noch niemand darauf hingewiesen zu haben. Und ebenfalls kein Hinweis in der Sekundärliteratur zum Werk von Uwe Timm, soweit sie für mich greifbar war. Insbesondere im von Gernot Frankhäuser und anderen herausgegebenen Begleitband zur Aschaffenburger/Mainzer Ausstellung anlässlich des 200. Todestages von Heinse müsste doch etwas dazu stehen. Denn er enthält viele Texte über die Bibliotheken, die Heinse zur Verfügung standen, und über die in seinen Werken entworfenen imaginären Bibliotheken. Aber: nix. Oder – halt: etwa doch? Heinse veröffentlichte 1773 die Übersetzung der „Begebenheiten des Enkolp“ aus dem „Satyricon“ des Petronius, ein Roman in lateinischer Sprache aus der Zeit Neros. Frankhäuser schreibt dazu:

In der meisterlichen Vorrede, einer Anleitung zum Umgang mit verbotenen Büchern, gab Heinse eine kleine Bibliographie derjenigen Literatur von der Antike bis zur eigenen Zeit, die im Verdacht der Förderung der Sittenverderbnis stand;

Liest man diese Vorrede, zählt man vielleicht ein Dutzend von Heinse genannte Schriftsteller. Tatsächlich eine eher kleine Auflistung und keineswegs eine Bibliographie mit über 2.400 „Stellen“.

Könnte es also schlussendlich so sein, dass Timms Anekdote doch „nur“ gut erfunden ist? Das halte ich inzwischen für recht wahrscheinlich. Julia Schöll weist in einem Aufsatz über den Roman und dessen Protagonisten, den Versicherungsvertreter und Finanzberater Peter Walter, darauf hin, dass dieser in der Tradition „unzuverlässiger Erzähler“ stehe, und sieht den Grund in seiner wenig seriösen Profession:

Wenn Uwe Timm die Geschichte erfunden hat, dann wirklich gut und passend zur Person, der sie angedichtet wird. Denn Heinse war kein Kind von Traurigkeit. Noch einmal Gernot Frankhäuser:

… mit seiner erstmaligen Übertragung des bis dahin nur den lateinkundlichen Männern zugänglichen Textes ins Deutsche provozierte er einen Eklat unter den Kollegen.

Und auch die beiden nächsten Publikationen Heinses, eine weitere Übersetzung und ein erster eigener Roman, bezeichnet Frankhäuser als „skandalträchtig“.

Fazit: Großer Respekt vor Uwe Timm! Entweder hat er tatsächlich eine Geschichte ausgegraben, die in irgendeinem alten Literaturlexikon erwähnt wird, allen heutigen Fachleuten aber unbekannt ist. Oder er hat eine Anekdote so gut erfunden, dass die Falsifizierung schwierig ist. – Aber es gibt ja noch die lieben Kolleginnen und Kollegen.

Deshalb meine Frage in die Runde: Kann irgend jemand Informationen zu dieser bibliothekarischen Anekdote beisteuern?

 

Quellen:
Uwe Timm: Kopfjäger. Zitiert nach der bei dtv erschienenen Taschenbuchausgabe, 4. Auflage 2006, 3-423-12937-9, S. 254-255.

Julia Schöll: Zur Anwesenheit des Abwesenden. In: Marx, Friedhelm (Hrsg.): Erinnern, Vergessen, Erzählen : Beiträge zum Werk Uwe Timms. – Göttingen 2007, 978-3-8353-0117-7, S. 136.

Frankhäuser, Gernot u.a. (Hrsg.): Wilhelm Heinse und seine Bibliotheken. Mainz 2003. 978-3-8053-3233-0, S. 12

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Verfasst von: haferklee | 10. April 2018

Die scheinbar tagesscharfe Suche des DNB-Katalogs

Die „Erweiterte Suche“ des DNB-Katalogs gibt einem die Möglichkeit, unter Nutzung des angebotenen Kalenders tagesscharf (zum Beispiel vom Mittwoch einer Woche bis zum Dienstag der Folgewoche) die Neuanzeigen ausgewählter Reihen zu suchen, zusätzlich beispielsweise auch in Kombination mit bestimmten Sachgruppen.

Diese Möglichkeit existiert aber nur scheinbar. Denn die  Suche nach einer Teilwoche wird systemseitig umgesetzt zu einer Suche nach den Neuanzeigen einer ganzen Kalenderwoche. Bei der oben beschriebenen Suche erhält man also als Ergebnis nicht die Neuanzeigen der genannten sieben Wochentage, sondern diejenigen aller 14 Tage beider Wochen. Möchte man als Ergebnis die Neuanzeigen eines einzigen Tages erhalten und formuliert das so im Kalender, erhält man die Treffer der gesamten Woche.

Die Kalenderfunktion des DNB-Katalogs täuscht bezüglich der Treffermenge eine Genauigkeit (precision) vor, die sie nicht hat. Die meisten Kalendersuchen führen zu mehr Treffern als es der formulierten Eingabe entspricht, ohne dass man das sofort merkt. Und bei einer wöchentlichen Standardsuche, die nicht einer Kalenderwoche entspricht, erhält man ständig Dubletten.

 

Das mag für die eine oder den anderen ein alter Hut sein, mir ist es erst vor kurzem bewusst geworden. Zwar nutze ich die Kalenderfunktion seit langem, bisher aber zufällig nur in einer regelmäßigen Suche von Montag bis Sonntag einer Woche, was der Suche einer  Kalenderwoche entspricht. Als ich vor kurzem meine wöchentliche Standardsuche auf Freitag bis Donnerstag umstellen wollte, fiel mir das beschriebene Verhalten des DNB-Katalogs auf.

Und ich fühle mich von der DNB ein wenig hinters Licht geführt. Da hilft es auch nicht, dass die Umsetzung von der scheinbar tagesscharfen auf die unschärfere wöchentliche Suche für Eingeweihte zu erkennen ist. Denn wer, außer Personen mit genauen Kenntnissen der deutschen Nationalbibliographie, weiß schon, was das oberhalb der Treffer angezeigte „(wvn=18,A13* or wvn=18,B13*)“ bedeutet?

 

Ich bin es gewöhnt, mich auf Suchanfragen zu verlassen, die ich im Katalog einer Bibliothek stelle, erst recht einer Nationalbibliothek. Ein Tageskalender bedeutet dabei für mich – und suggeriert meines Erachtens im beschriebenen Fall – die Möglichkeit einer tagesscharfen Suche. Die ist aber nicht möglich, wie mir die DNB auf Anfrage bestätigt hat.

 

Weil ich kein RDA-Spezialist bin, schaue ich bei den Titelaufnahmen meiner Bibliothek (keine Verbundteilnahme) in Zweifelsfällen gern nach, wie es die großen anderen machen, sprich DNB und Verbünde. Mir fällt viel häufiger als zu RAK-Zeiten auf, dass sich deren Katalogisate jetzt oft deutlich voneinander unterscheiden. Ein sehr schönes Beispiel möchte ich hier präsentieren.

Ganz frisch erschienen ist die Manifestation mit der ISBN 978-3-423-05529-1. Ich habe sie im KVK am 04. April 2018 in einer kombinierten Suche von ISBN und Erscheinungsjahr (2018) gesucht.

Vier Verbünde liefern an diesem Tag Ergebnisse: der SWB, der GBV, der BVB, der KOBV; andere, auch die DNB, weisen den Titel noch nicht nach. [Nebenbei: HEBIS-Retro liefert außerdem ein falsches Ergebnis.]

Zum Vergleich die wesentlichen Teile der vier Katalogisate, beginnend mit dem SWB:

Es folgt der GBV:

Jetzt schauen wir uns das Katalogisat des KOBV an:

Und zum Schluss noch dasjenige des BVB:

 

Wie sieht es nun mit einheitlicher Katalogisierung bei Haupttitel und Titelzusatz aus? Gar nicht gut. Der aus einem Wort bestehende Haupttitel ist zwar noch einheitlich wiedergegeben, aber in Verbindung mit dem Titelzusatz schaffen es die vier Verbünde, ihren NutzerInnen vier verschiedene Varianten anzubieten. Vermutlich alle streng nach dem nationalen Regelwerk erfasst.

Die Titelangaben beim BVB:
Beamtenrecht ; [BundesbeamtenG, BeamtenstatusG, BundesdisziplinarG, BundesbesoldungsG, BeamtenversorgungsG, BundeslaufbahnVO, BundesbeihilfeVO] : Textausgabe mit Sachregister und einer Einführung ; BeamtR

Die Titelangaben beim KOBV:
Beamtenrecht : Textausgabe mit Sachregister und einer Einführung

Die Titelangaben beim SWB:
Beamtenrecht : Textausgabe mit Sachregister

Die Titelangaben beim GBV:
Beamtenrecht : Textausgabe

Fazit zu Haupttitel und Titelzusatz: Vier Verbünde liefern vier verschiedene Ergebnisse!

Das wird nicht besser, wenn die Verantwortlichkeitsangabe hinzukommt und damit am Buch möglicherweise beteiligte Personen. Hat das Ding eigentlich eine wichtige beteiligte Person?

Ja, sagt der BVB: Es hat einen Herausgeber. Wir nennen ihn in einer eigenen, mit „Autor/Person“ bezeichneten Kategorie, auf eine Verantwortlichkeitsangabe verzichten wir aber.
Ja, sagen GBV und SWB: Es hat zwar keinen Herausgeber, aber einen Verfasser einer Einleitung. Wir nennen ihn in einer eigenen Kategorie und in der Verantwortlichkeitsangabe, allerdings benennen wir die Kategorie unterschiedlich: GBV „Person/en“, SWB „Beteiligt“.
Nein, sagt der KOBV: Keine Person ist in so wichtiger Funktion beteiligt, dass man sie irgendwo nennen müsste.

Fazit zur beteiligten Person: Ein ziemliches Durcheinander und wieder weit voneinander abweichende Katalogisate!

Gibt es auch beteiligte Körperschaften?

Nein, sagen KOBV und GBV. Uns nicht bekannt.
Ja, sagt der BVB: Beteiligt ist „Deutschland“, wir führen es in der Kategorie „Körperschaft“; aber uns ist nicht bekannt, in welcher Funktion sie an dem Buch beteiligt ist.
Ja, sagt der SWB: Beteiligt ist „Deutschland [Normerlassende Gebietskörperschaft]“, Deutschland ist Verfasser und deshalb führen wir es in der Kategorie „Verfasser“.

Fazit zur beteiligten Körperschaft: Dasselbe Durcheinander wie bei der beteiligten Person.

Wir können kaum noch, schauen uns aber doch noch schnell die Serienansetzung an:

GBV: Eindeutig eine Serie, nämlich „dtv“.
KOBV: Yep, eindeutig eine Serie: „Beck-Texte im dtv“.
SWB: Da sind doch ganz klar zwei Serien: „dtv“ und „Beck-Texte“.
BVB: Zwei Serien natürlich, und zwar „dtv“ und „Beck-Texte im dtv“. Wir führen aber keine eigene Kategorie für die Serie wie die anderen Verbünde, sondern verstecken die Serienangabe am Ende der Ausgabebezeichnung, dann findet man sie nicht so schnell.

Fazit zur Serienansetzung: erneut vier Verbünde und vier Varianten. Fast schon erstaunlich, dass es nicht deren fünf sind!

Kommt es da wirklich noch darauf an, dass drei verschiedene Angaben zum Stand der Manifestation gemacht werden? KOBV „15. Februar 2017“, GBV und SWB „1. Januar 2018“, BVB „15. Februar 2018“. Dass als Verlag mal „dtv“, mal der „Dt. Taschenbuch-Verl.“ und auch mal gar kein Verlag genannt ist? Verwundert es bei dieser, ähem, Uneinheitlichkeit (oder eben doch eher diesem Versagen?) der Katalogisierung nach einem nationalen Standard noch, dass nicht einmal die Seitenzählung einheitlich angegeben wird? Dreimal „XXIII, 656 Seiten“, beim BVB dagegen „688 Seiten“.

Handelte es sich hierbei um eine große Ausnahme, wäre das nicht sonderlich schlimm. Nach meinem Eindruck, den ich natürlich nicht mit Zahlen untermauern kann, ist das aber keine Seltenheit mehr, seit nach RDA-Standard katalogisiert wird.

Deshalb drei Fragen zum Schluss:
Wie erkläre ich das meinen FaMIs, die in RDA geprüft werden?
Was war noch mal das Ziel bei den zahlreichen, geld- und zeitfressenden RDA-Schulungen der letzten Jahre?
Und was, liebe katalogisierende Kolleginnen und Kollegen, hat sich nur bei euch verändert, seit Will Manley sein grundlegendes Psychogramm eures zuverlässigen Wirkens geschrieben hat?

PS.
Die hier behandelte 32. Auflage unterscheidet sich von der ein Jahr zuvor erschienenen 31. Auflage in fast nichts, selbst die Seitenzahl ist gleich geblieben. Die DNB hat die 31. Auflage katalogisiert, mit diesem Ergebnis:
Vergleicht man das Katalogisat mit denen der 32. Auflage der vier Verbünde, stellt man entsetzt fest, dass bei vielen wichtigen Titeldaten (Haupttitel/Titelzusatz, beteiligte Person, beteiligte Körperschaft, Serientitel) eine weitere, fünfte Variante hinzukommt! Ich habe dies nicht mit in die obige Auflistung genommen, weil es ja eine andere Auflage ist und es sein kann, dass die DNB demnächst die 32. Auflage anders katalogisiert als die 31. Auflage. Aber soll man das wirklich hoffen? Denn beide Manifestationen wären ja nach RDA bearbeitet …

 

 

 

 

 

 

Verfasst von: haferklee | 21. Februar 2018

Meine Herren Bibliothekare, Ihr habt einfach den falschen Beruf!

Das scheint zumindest die Meinung des amerikanischen Krimiautors Ross Macdonald (1915-1983) gewesen zu sein, einem der wichtigsten Vertreter des klassischen hard-boiled-Detektivromans. Er beschreibt nämlich eine seiner Figuren wie folgt:

Es war diese ihre Leidenschaft für das gedruckte Wort gewesen, die sie ursprünglich auf die Idee gebracht hatte, eine Leihbibliothek zu eröffnen. Es hatte etwas mit Literatur zu tun und war zudem als Beschäftigung ladylike.

„Der Mörder im Spiegel“, ursprünglich 1948 erschienen und 1985 in einer Neuübersetzung in Deutschland wiederveröffentlicht, kam mir nicht nur deswegen etwas angestaubt vor. Es finden sich darin noch andere Preziosen wie zum Beispiel diese:

Er hatte sie immer für ehrlich gehalten, fast ehrlicher, als es für eine Frau natürlich war.

Vorschlag: Diesen Satz am in zwei Wochen stattfindenden nächsten Internationalen Frauentag an geeigneter Stelle anbringen.

Zitate aus „Der Mörder im Spiegel“, Diogenes Verlag, 3-257-21303-4, S. 185 bzw. S. 180.

Verfasst von: haferklee | 5. Februar 2018

Lori Nix: Library

Lori Nix ist eine international ausgestellte Künstlerin aus New York. Sie erstellt gemeinsam mit ihrer Partnerin Kathleen Gerber in aufwändiger Arbeit, häufig über Monate, detaillierte Dioramen mit oft surrealen Szenen und Landschaften. Anschließend fotografiert sie die entstandenen Werke. Die Fotografien sind das Ergebnis ihrer künstlerischen Arbeit, die Dioramen vernichtet sie wieder.
Auf diese Weise ist auch die Serie „The City“ entstanden, die städtische Szenen in einer postapokalyptischen Vision zeigt. Teil dieser Serie ist die Fotografie „Library“, in der sich die Natur eine verfallende Bibliothek zurückerobert. Sehr sehenswert!

Wenn man hier noch einen romantischen Schauder empfinden mag, weil die Vergänglichkeit einen langsamen Verlauf nimmt, ist das am „Circulation Desk“ sicher nicht so. Denn dort sieht es aus wie nach einem Erdbeben.

Noch einmal zur Verdeutlichung: Alles ist handgefertigt, es gibt keine digitalen Manipulationen. Videos zur Arbeitsweise der beiden finden sich auf der Website von Lori Nix.

Dank an Barbara Petersen für den Hinweis.

Verfasst von: haferklee | 15. Januar 2018

The Truth about Catalogers

Unsere Zeit ist schnelllebig. Ein Beweis dafür ist die Dauer der Anwendung von landesweiten Regeln zur bibliographischen Beschreibung. Der erste Standard, die „Preußischen Instruktionen“ (PI), hatten ungefähr 80 Jahre Bestand. Deren Nachfolger, die „Regeln für die Alphabetische Katalogisierung“ (RAK), wurden etwa vier Jahrzehnte als nationaler Standard angewendet. Dem aktuellen, international ausgelegten Regelwerk „Ressource Description and Access“ (RDA) hatte ich 20 Jahre gegeben. Aber unsere Zeit ist einerseits noch schnelllebiger geworden, als ich dachte, andererseits aber auch komplizierter:

Im Rahmen des 3R-Projekts (RDA Toolkit Restructure and Redesign Project) erfolgt derzeit eine umfassende Umstrukturierung und Neugestaltung des Regelwerkstextes.

Schreibt die verdienstvolle Heidrun Wiesenmüller in einem in der neuen Ausgabe von obib erschienenen Aufsatz, aus dem ich hier zitiere. Obwohl das Regelwerk also einerseits seinen Namen behält, hätte es, wenn es so kommen sollte, dann also andererseits eigentlich nicht mal zehn Jahre Bestand gehabt. Und:

Auch danach ist nicht mit einem merklichen Nachlassen der Dynamik zu rechnen.

Soll das aber funktionieren, geht es nicht ohne

die Bereitstellung ausreichender Personalressourcen. … Auch wenn man es sich vielleicht anders gewünscht hätte: die Arbeit am Regelwerk … bindet erheblich mehr Ressourcen, als dies unter dem früheren Regelwerk RAK jemals der Fall war. [Hervorhebungen von mir.]

Angesichts dieser Entwicklung ist es dringend geboten, auf ein Werk hinzuweisen, das wegen des vermeintlichen Bedeutungsverlusts seines Themas in Vergessenheit zu geraten drohte, das aber durch die beschriebene Entwicklung von RDA eine unerwartete Aktualität erfährt: Die grundlegende Arbeit „The Truth about Catalogers“ von Will Manley, illustriert von Richard Lee.

Bildergebnis für "Will Manley"

Will Manley im Jahr 2008 als Keynote Speaker einer Bibliothekskonferenz.

In dem 1995 erschienenen Werk lassen sich die beiden auf 130 Seiten nur über eines aus: die Macken, Spleens, fixen Ideen, seltsamen Verhaltensweisen, Neurosen, Obsessionen und was sonst noch an Absonderlichkeiten im menschlichen Verhalten denkbar ist, und zwar von formal und inhaltlich katalogisierenden Bibliothekswesen. Und sie kennen sich aus, denn beide sind gelernte Bibliothekare, und Manley hat zu jener Zeit bereits langjährige Berufserfahrung als Leiter von öffentlichen Bibliotheken in den USA. Genüsslich breiten sie aus, was ihnen an ihren BerufskollegInnen aufgefallen ist. Da mangelt es nicht an Stereotypen und Klischees.

In Manleys und Lees Buch finden sich unter anderem die folgenden Kapitel:

  • Theories on the Origin of Catalogers. Als eine von mehreren wird die Hypothese referiert, dass Gott uns nicht nur seinen Sohn gesandt habe, sondern immer wieder ganz besondere Menschen zur Bewältigung spezieller Aufgaben: „God in a sense … was the First Cataloger.“
  • Catalogers and Sex.“… catalogers do indeed have a strong physical attraction for each other …“
  • Contemporary Cataloging Issues. „At what age did you first start to worry about the distinction between a dash and a hyphen?“
  • The Anglo-American Cataloging Hall of Fame. Alle in diesem Kapitel aufgeführten Personen sind natürlich frei erfunden, so auch „Father Feasley“, „… who broke into libraries after midnight and poured goats‘ blood over catalog cards with the heading ‚Vietnam Conflict‘ to protest the use of the euphemistic word ‚Conflict‘ instead of the more honest term ‚War'“.
  • Cataloging Associations. „Phil, I’d like you to meet Mabel. She’s doing some interesting things with semicolons.“

Manley kennt auch die intime Feindschaft von KatalogisiererInnen und AuskunftsbibliothekarInnen, und Richard Lee illustriert sie mit kindischem Humor:

Manley und Lee pflegen nicht immer einen feinen Humor, sondern hauen auch schon mal drauf. Gern geben sie die Nestbeschmutzer. In ihrem Buch „The Laughing Librarian : A History of American Library Humor“ widmet Jeanette C. Smith Will Manley ein ganzes Kapitel und nennt ihn den „Bad Boy“ der amerikanischen Bibliothekshumoristen. Sie zitiert einen Kollegen: „Manley likes to test boundaries, including the boundaries of good taste. Manley delights in shocking his readers with his bold opinions, overstatements, and language“.

In den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts veröffentlichte Manley zahlreiche bibliothekshumoristische Bücher, und vor allem war er ein sehr produktiver Kolumnist in Fachzeitschriften. Allerdings ging er seinem Hausorgan, dem „Wilson Library Bulletin“, wo er bis 1992 regelmäßig publizierte, zu weit. Dafür sorgte seine zweite privatsoziologische Umfrage unter BerufskollegInnen, die er dort durchführte. Manley hatte sich die Aufgabe gesetzt, durch eine Serie von Umfragen zu bestimmten Themen hinter das Berufsklischee zu schauen und herauszufinden, wer BibliothekarInnen wirklich sind. Nachdem die erste, „Librarians and Food“, noch goutiert wurde, veröffentlichte er im Juni 1992 eine Umfrage zum Thema „Librarians and Sex“ mit Fragen wie

  • Have you ever been sexually harrassed by a supervisor or coworker on your library job?
  • Have you ever been sexually harrassed by a library patron?
  • Do you think AIDS is a punishment from God for those who are sexually promiscuous?
  • On the average, how many times a week do you have sex?
  • How many sexual partners have you had in your lifetime?
  • Describe your weirdest erotic fantasy.

Die Umfrage trug Manley den Ehrentitel „Kinsey of Libraryland“ ein. Leserinnen und Leser der Kolumne wurden von ihm aufgefordert, den Fragebogen anonym, aber wahrhaftig auszufüllen und ihm die Antworten zuzusenden. Es war zugleich seine letzte Kolumne in dieser Zeitschrift. Eine Woche später wurde er dort gefeuert.

Allerdings gab ihm die „American Library Association“ (ALA) in ihrer Hauszeitschrift „American Libraries“ als Reaktion kurz darauf eine neue Kolumne namens „Will’s World“.

Das war eine noble Geste der ALA. Denn Manley hatte sich bis dahin keineswegs als einer ihrer Fans profiliert. Schon 1987 hatte er sich den Vorwurf des Sexismus eingehandelt, als er in seiner alten Kolumne vorschlug, bei einer ALA-Konferenz einen Wet-T-Shirt-Wettbewerb für die Frauen durchzuführen. Und auch die ALA-Unterstützung in der geschilderten Angelegenheit hielt ihn nicht davon ab, sich in „Will’s World“ weiter über diese Institution lustig zu machen. Beispielsweise parodierte er ihre Überorganisiertheit und den Hang zu Akronymen, indem er die Einrichtung eines „Foolish Activities Round Table“ (abgekürzt FART) vorschlug.

In seiner neuen Kolumne veröffentlichte Manley dann die Ergebnisse seiner Umfrage: Er hatte 2.797 Antworten bekommen. Und mag man bisher über die Befragung (wohlwollend?) geschmunzelt oder über ihren Sinn die Stirn gerunzelt haben, und völlig zu Recht ihre wissenschaftliche Belastbarkeit bestritten haben, gerät man dennoch ins Grübeln über eine Zahl, die erschreckend in die aktuelle #metoo-Debatte passt: 78 Prozent der antwortenden weiblichen Beschäftigten gaben damals an, schon einmal von Bibliotheksnutzern sexuell belästigt worden zu sein. (Ergebnisse veröffentlicht in „American Libraries“, March 1993, S. 258, im Original online nur via JSTOR zugänglich; sekundär zitiert beispielsweise hier und hier sowie, als einzigem deutschsprachigen Text im Web dazu, den ich gefunden habe, hier.)

2010 entstand in den USA völlig unerwartet plötzlich ein viraler Hype um die achtzehn Jahre alte Umfrage. Manley erklärte den vielen, die ihn jetzt interviewten, seine damalige Aktion sei von Anfang an als Scherz gemeint gewesen und ohne jeden Hauch von Wissenschaftlichkeit durchgeführt worden. Das interessierte aber niemanden mehr, es wurde nur noch ernsthaft darüber berichtet.

Manley hat 2003 der Fachwelt beruflich den Rücken gekehrt und einen Job als City Manager von Tempe/Arizona angetreten, blieb der bibliothekarischen Zunft aber als Kolumnist erhalten. Jeanette C. Smith hat ihn in seinem neuen Büro interviewt, und es zeigte sich, dass er seinen Humor nicht verloren hatte:

 

Zum Schluss: Was lassen sich laut Manley Katalogisiererinnen auf ihren Grabstein meißeln?

„SHE KNEW THE RULES“

———-

Phil Manley, with illustrations by Richard Lee: The truth about catalogers.
Jefferson/N.C.: McFarland, 1995. 0-7864-0103-6.
Quelle für alle Angaben zu Will Manley:
Jeanette C. Smith: The Laughing Librarian: A History of American Library Humor.  Jefferson/N.C.: McFarland, 2012. 978-0-7864-6452-4.
Das Kapitel über Will Manley steht auf den Seiten 106-115.

Am Ende seines Buchs veräppelt Manley übrigens schnell noch mal die inhaltliche Erschließung: Das Stichwortverzeichnis hat genau 26 Einträge, einen für jeden Buchstaben des Alphabets.

 

 

Verfasst von: haferklee | 18. Dezember 2017

Die Entwicklung des Bibliothekswesens

Na ja, vielleicht nicht des Bibliothekswesens, aber immerhin eines Bibliothekswesens. Denn was sonst soll aus einem Mädchen werden, das von seinem Vater gebeten wird, ein entliehenes Buch wieder irgendwo zu den anderen in das Regal zu stellen, und ihn daraufhin bestürzt fragt:

„Hast Du sie denn nicht nach einem System geordnet?“
„Nein, stell es einfach irgendwohin.“
Sie sah auf, mit einem Mal eifrig.
„Soll ich sie vielleicht für dich sortieren?“
„Was?“
„Die Bücher. Ich könnte sie alphabetisch nach dem Namen des Verfassers stellen, wenn Du willst.“
Sie ließ einfach nicht locker.
„Tja … ja, warum eigentlich nicht.“
Sie lächelte, beugte sich über das Regal und setzte sich auf den Boden. …
Dann begann sie mit ihrer Aufgabe. Sie arbeitete schnell, mit zielstrebigen Bewegungen. Und wie fürsorglich sie die Bücher behandelte … als wären es Spatzenküken, die sie wieder ins Nest zurücksetzte. … Ich konnte den Blick einfach nicht von ihr abwenden. Die Begeisterung, die aus ihren Bewegungen sprach, die Sorgfalt, die Konzentration, die Ehrfurcht, jeder Buchrücken schloss genau mit dem nächsten ab, sie strich mit dem Finger darüber, um sich zu vergewissern, dass kein Buch aus der Reihe hervorragte.

Dieses Zitat ist in dem aktuellen Roman „Die Geschichte der Bienen“ von Maja Lunde zu finden, auf deutsch 2017 bei btb erschienen, und steht dort auf den Seiten 181-182.

Ein ähnliches Schicksal dürfte dem Mädchen in diesem Cartoon blühen. Er stammt von Richard Lee und ist dem von Will Manley verfassten und von Lee illustrierten Buch „The truth about catalogers“ entnommen (Jefferson, NC: McFarlane 1995, 0-7864-0103-6). Manley und Lee befassen sich darin mit einigen sonderlichen Aspekten unseres Berufs. Der Cartoon ist erkennbar noch zu Zeiten des Zettelkatalogs entstanden, aber problemlos auf heutige Verhältnisse, sprich RDA, übertragbar:

 

 

Verfasst von: haferklee | 7. Dezember 2017

Arbeitet Google Scholar an Kontakten ins Jenseits?

Linus Pauling, doppelter Nobelpreisträger, ist 1994 gestorben. Er hat ein Nutzerprofil bei Google Scholar, in dem, wie in den Profilen üblich, seine Publikationen aufgelistet sind. Normalerweise werden auch Kontaktmöglichkeiten genannt. In diesem Fall hält sich Scholar aber bedeckt und gibt nur an: „Keine bestätigte E-Mail-Adresse“.

 

Das ist derzeit zweifellos korrekt. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Es ist sicher nur eine Frage der Zeit, bis die Google-Crawler die aktuelle E-Mail-Adresse von Pauling ausfindig gemacht haben. Wir sind gespannt!

PS. Nun der ernsthafte Teil. Pauling ist einer von wenigen bereits gestorbenen WissenschaftlerInnen, die auf Scholar ein Nutzerprofil haben. Da sie das kaum selbst initiiert haben können, wird es wohl Google selbst für einige berühmte Personen beispielhaft angelegt haben und pflegen. (Oder ist dieser Kenntnisstand nicht korrekt? Dann bitte einen Hinweis im Kommentar.) Ob da keine Zeit ist für die Korrektur der kuriosen E-Mail-Angabe? Bei Albert Einstein, Margaret Mead, Alonzo Church und Paul Dirac sieht es genauso aus.

Die „Arbeitsgruppe Regionalbibliographie“

verfolgt das Ziel, die VDL auf der obersten Ebene des KVK (in der Säule der deutschen, österreichischen und schweizerischen Kataloge) zu verankern, um die Präsenz und Sichtbarkeit der VDL als einer wichtigen länderübergreifenden Rechercheplattform zur Landesgeschichte und Landeskunde zu erhöhen.

Schreibt Ludger Syré in seinem Bericht zur diesjährigen Jahrestagung der AG Regionalbibliographie (frisch erschienen im „Bibliotheksdienst“ 51 (2017) Heft 10/11, hier Seite 830; https://doi.org/10.1515/bd-2017-0091). Meines Erachtens ist das überfällig. Nach meinem persönlichen Eindruck ist die VDL bei WissenschaftlerInnen nahezu überhaupt nicht und bei BibliothekarInnen wenig bekannt. Das ist nicht gut, denn für bestimmte Suchanfragen ist sie ein wichtiges Rechercheinstrument.

Ich sehe drei Gründe für den geringen Bekanntheitsgrad:

Erstens die bereits genannte fehlende Sichtbarkeit. Dabei gehört die VDL schon lange auf die erste Ebene des KVK.

Der zweite Grund steckt meines Erachtens in der Selbstbezeichnung als „Rechercheplattform zur … Landeskunde“. Die Landeskunde wird möglicherweise von vielen fälschlicherweise zu eng mit dem Fach Geographie verknüpft. Sie ist im Grunde aber ein Oberbegriff, der sich in recht verschiedenen, nämlich beispielsweise historischen, wirtschaftlichen, sozialen oder kulturellen Aspekten eines Ortes, einer Region, eines politischen oder eines Naturraums konkretisiert. In der VDL wird man also Literatur finden zum Nationalsozialismus in Tübingen, zu Museen in Frankfurt oder zur Berliner Tafel. Auch der Naturschutz findet in der Fläche statt und dementsprechend seinen Niederschlag in der VDL: Literatur zum Biosphärenreservat Rhön ist reichlich recherchierbar. Besser als die oben genannte Bezeichnung finde ich die von Jürgen Plieninger verwendete Beschreibung: Man wird in der VDL fast immer fündig, wenn die Suchanfrage einen Bezug zu einem geografischen Raum hat.

Schließlich mag es auch sein, dass die Ergebnisse der VDL als zu wenig wissenschaftlich eingeschätzt werden. Tatsächlich erschließt sie vor allem das regionale Schrifttum, in Bezug auf Periodika also eher das nicht peer-reviewte Schrifttum. Aber genau das ist auch ihre Stärke, denn dieser Ausschnitt aus der Literatur wird an keiner anderen Stelle nachgewiesen. Und für bestimmte Suchanfragen wäre es ein Fehler, solche Quellen zu übersehen.

Es lässt sich sicher das eine oder andere gegen die VDL einwenden. Die nach dem Modell des KVK gebaute Suchoberfläche über alle Landesbibliographien hinweg ist natürlich nur der kleinste gemeinsame Nenner für die Suche. Die Recherchemöglichkeiten einzelner Bibliographien sind dagegen deutlich vielfältiger. So verfügt zum Beispiel die Nordrhein-Westfälische Bibliographie über viele zusätzliche Features, darunter eine Karte mit unterlegter Raumsystematik, die als Rechercheeinstieg genutzt werden kann. Auch das Design der VDL-Oberfläche ist, wie Syré an oben genannter Stelle selbst schreibt, in die Jahre gekommen. Und Beiträge in Sammelbänden werden häufig nicht immer in Gänze erschlossen, worauf Klaus Graf vor längerem hingewiesen hat. Dies dürfte seinen Grund in der personellen Ausstattung an den Landesbibliotheken haben, die die VDL erstellen.

Übersehen oder vernachlässigen sollte man die VDL deswegen aber trotzdem nicht.

 

Verfasst von: haferklee | 15. November 2017

Rekordverdächtig: Erscheinungstermin noch unbestimmt

„Der Erscheinungstermin dieses Titels ist noch unbestimmt“. So steht es heute auf der Webshopseite des Kohlhammer Verlags zum Titel „Landesnaturschutzgesetz Rheinland-Pfalz“ mit der ISBN 978-3-555-45136-7. So etwas ist ja keineswegs ungewöhnlich. Verlage können einfach nicht immer genau wissen, wann ihre Autoren die Arbeit abschließen. Da muss dann ein Erscheinungstermin nach hinten verschoben werden, ein oder zwei Monate, auch schon mal ein oder zwei Jahre; wie gesagt, nichts Besonderes. Dieser Fall aber klingt rekordverdächtig.

Erstmals angekündigt wurde der Titel nämlich schon für das Erscheinungsjahr 2006, noch jetzt nachweisbar durch Bestelldaten der Rheinischen Landesbibliothek Koblenz im HBZ-Verbundkatalog und der SULB Saarbrücken via SWB. Letztere hat die Bestellung 2013 wegen des weiter ungewissen Erscheinens schließlich storniert. Meine Bibliothek führt ihn mit dem zum Zeitpunkt unserer Bestellung angekündigten Erscheinungsjahr 2008 seit neun Jahren im Katalog, für zwei weitere Universitätsbibliotheken sind Bestelldaten nachweisbar. Bisher also schon elf Jahre Wartezeit, nicht schlecht.

Aber wir haben ja eine Bibliothek, die es wissen muss: die DNB. Und sie weiß offensichtlich mehr als der Verlag selbst, denn im zugehörigen Datensatz ist Folgendes zu lesen:

Das ist doch mal eine mutige Ankündigung: Exakt im Dezember 2030 wird das Werk erscheinen, dann werden satte 24 Jahre seit der ersten Ankündigung vergangen sein! Leider arbeite ich dann nicht mehr …
Woher die DNB diesen recht präzisen Termin hat, kann ich mir allerdings nicht erklären. Vom Verlag wohl eher nicht.

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