Verfasst von: haferklee | 15. Januar 2018

The Truth about Catalogers

Unsere Zeit ist schnelllebig. Ein Beweis dafür ist die Dauer der Anwendung von landesweiten Regeln zur bibliographischen Beschreibung. Der erste Standard, die „Preußischen Instruktionen“ (PI), hatten ungefähr 80 Jahre Bestand. Deren Nachfolger, die „Regeln für die Alphabetische Katalogisierung“ (RAK), wurden etwa vier Jahrzehnte als nationaler Standard angewendet. Dem aktuellen, international ausgelegten Regelwerk „Ressource Description and Access“ (RDA) hatte ich 20 Jahre gegeben. Aber unsere Zeit ist einerseits noch schnelllebiger geworden, als ich dachte, andererseits aber auch komplizierter:

Im Rahmen des 3R-Projekts (RDA Toolkit Restructure and Redesign Project) erfolgt derzeit eine umfassende Umstrukturierung und Neugestaltung des Regelwerkstextes.

Schreibt die verdienstvolle Heidrun Wiesenmüller in einem in der neuen Ausgabe von obib erschienenen Aufsatz, aus dem ich hier zitiere. Obwohl das Regelwerk also einerseits seinen Namen behält, hätte es, wenn es so kommen sollte, dann also andererseits eigentlich nicht mal zehn Jahre Bestand gehabt. Und:

Auch danach ist nicht mit einem merklichen Nachlassen der Dynamik zu rechnen.

Soll das aber funktionieren, geht es nicht ohne

die Bereitstellung ausreichender Personalressourcen. … Auch wenn man es sich vielleicht anders gewünscht hätte: die Arbeit am Regelwerk … bindet erheblich mehr Ressourcen, als dies unter dem früheren Regelwerk RAK jemals der Fall war. [Hervorhebungen von mir.]

Angesichts dieser Entwicklung ist es dringend geboten, auf ein Werk hinzuweisen, das wegen des vermeintlichen Bedeutungsverlusts seines Themas in Vergessenheit zu geraten drohte, das aber durch die beschriebene Entwicklung von RDA eine unerwartete Aktualität erfährt: Die grundlegende Arbeit „The Truth about Catalogers“ von Will Manley, illustriert von Richard Lee.

Bildergebnis für "Will Manley"

Will Manley im Jahr 2008 als Keynote Speaker einer Bibliothekskonferenz.

In dem 1995 erschienenen Werk lassen sich die beiden auf 130 Seiten nur über eines aus: die Macken, Spleens, fixen Ideen, seltsamen Verhaltensweisen, Neurosen, Obsessionen und was sonst noch an Absonderlichkeiten im menschlichen Verhalten denkbar ist, und zwar von formal und inhaltlich katalogisierenden Bibliothekswesen. Und sie kennen sich aus, denn beide sind gelernte Bibliothekare, und Manley hat zu jener Zeit bereits langjährige Berufserfahrung als Leiter von öffentlichen Bibliotheken in den USA. Genüsslich breiten sie aus, was ihnen an ihren BerufskollegInnen aufgefallen ist. Da mangelt es nicht an Stereotypen und Klischees.

In Manleys und Lees Buch finden sich unter anderem die folgenden Kapitel:

  • Theories on the Origin of Catalogers. Als eine von mehreren wird die Hypothese referiert, dass Gott uns nicht nur seinen Sohn gesandt habe, sondern immer wieder ganz besondere Menschen zur Bewältigung spezieller Aufgaben: „God in a sense … was the First Cataloger.“
  • Catalogers and Sex.“… catalogers do indeed have a strong physical attraction for each other …“
  • Contemporary Cataloging Issues. „At what age did you first start to worry about the distinction between a dash and a hyphen?“
  • The Anglo-American Cataloging Hall of Fame. Alle in diesem Kapitel aufgeführten Personen sind natürlich frei erfunden, so auch „Father Feasley“, „… who broke into libraries after midnight and poured goats‘ blood over catalog cards with the heading ‚Vietnam Conflict‘ to protest the use of the euphemistic word ‚Conflict‘ instead of the more honest term ‚War'“.
  • Cataloging Associations. „Phil, I’d like you to meet Mabel. She’s doing some interesting things with semicolons.“

Manley kennt auch die intime Feindschaft von KatalogisiererInnen und AuskunftsbibliothekarInnen, und Richard Lee illustriert sie mit kindischem Humor:

Manley und Lee pflegen nicht immer einen feinen Humor, sondern hauen auch schon mal drauf. Gern geben sie die Nestbeschmutzer. In ihrem Buch „The Laughing Librarian : A History of American Library Humor“ widmet Jeanette C. Smith Will Manley ein ganzes Kapitel und nennt ihn den „Bad Boy“ der amerikanischen Bibliothekshumoristen. Sie zitiert einen Kollegen: „Manley likes to test boundaries, including the boundaries of good taste. Manley delights in shocking his readers with his bold opinions, overstatements, and language“.

In den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts veröffentlichte Manley zahlreiche bibliothekshumoristische Bücher, und vor allem war er ein sehr produktiver Kolumnist in Fachzeitschriften. Allerdings ging er seinem Hausorgan, dem „Wilson Library Bulletin“, wo er bis 1992 regelmäßig publizierte, zu weit. Dafür sorgte seine zweite privatsoziologische Umfrage unter BerufskollegInnen, die er dort durchführte. Manley hatte sich die Aufgabe gesetzt, durch eine Serie von Umfragen zu bestimmten Themen hinter das Berufsklischee zu schauen und herauszufinden, wer BibliothekarInnen wirklich sind. Nachdem die erste, „Librarians and Food“, noch goutiert wurde, veröffentlichte er im Juni 1992 eine Umfrage zum Thema „Librarians and Sex“ mit Fragen wie

  • Have you ever been sexually harrassed by a supervisor or coworker on your library job?
  • Have you ever been sexually harrassed by a library patron?
  • Do you think AIDS is a punishment from God for those who are sexually promiscuous?
  • On the average, how many times a week do you have sex?
  • How many sexual partners have you had in your lifetime?
  • Describe your weirdest erotic fantasy.

Die Umfrage trug Manley den Ehrentitel „Kinsey of Libraryland“ ein. Leserinnen und Leser der Kolumne wurden von ihm aufgefordert, den Fragebogen anonym, aber wahrhaftig auszufüllen und ihm die Antworten zuzusenden. Es war zugleich seine letzte Kolumne in dieser Zeitschrift. Eine Woche später wurde er dort gefeuert.

Allerdings gab ihm die „American Library Association“ (ALA) in ihrer Hauszeitschrift „American Libraries“ als Reaktion kurz darauf eine neue Kolumne namens „Will’s World“.

Das war eine noble Geste der ALA. Denn Manley hatte sich bis dahin keineswegs als einer ihrer Fans profiliert. Schon 1987 hatte er sich den Vorwurf des Sexismus eingehandelt, als er in seiner alten Kolumne vorschlug, bei einer ALA-Konferenz einen Wet-T-Shirt-Wettbewerb für die Frauen durchzuführen. Und auch die ALA-Unterstützung in der geschilderten Angelegenheit hielt ihn nicht davon ab, sich in „Will’s World“ weiter über diese Institution lustig zu machen. Beispielsweise parodierte er ihre Überorganisiertheit und den Hang zu Akronymen, indem er die Einrichtung eines „Foolish Activities Round Table“ (abgekürzt FART) vorschlug.

In seiner neuen Kolumne veröffentlichte Manley dann die Ergebnisse seiner Umfrage: Er hatte 2.797 Antworten bekommen. Und mag man bisher über die Befragung (wohlwollend?) geschmunzelt oder über ihren Sinn die Stirn gerunzelt haben, und völlig zu Recht ihre wissenschaftliche Belastbarkeit bestritten haben, gerät man dennoch ins Grübeln über eine Zahl, die erschreckend in die aktuelle #metoo-Debatte passt: 78 Prozent der antwortenden weiblichen Beschäftigten gaben damals an, schon einmal von Bibliotheksnutzern sexuell belästigt worden zu sein. (Ergebnisse veröffentlicht in „American Libraries“, March 1993, S. 258, im Original online nur via JSTOR zugänglich; sekundär zitiert beispielsweise hier und hier sowie, als einzigem deutschsprachigen Text im Web dazu, den ich gefunden habe, hier.)

2010 entstand in den USA völlig unerwartet plötzlich ein viraler Hype um die achtzehn Jahre alte Umfrage. Manley erklärte den vielen, die ihn jetzt interviewten, seine damalige Aktion sei von Anfang an als Scherz gemeint gewesen und ohne jeden Hauch von Wissenschaftlichkeit durchgeführt worden. Das interessierte aber niemanden mehr, es wurde nur noch ernsthaft darüber berichtet.

Manley hat 2003 der Fachwelt beruflich den Rücken gekehrt und einen Job als City Manager von Tempe/Arizona angetreten, blieb der bibliothekarischen Zunft aber als Kolumnist erhalten. Jeanette C. Smith hat ihn in seinem neuen Büro interviewt, und es zeigte sich, dass er seinen Humor nicht verloren hatte:

 

Zum Schluss: Was lassen sich laut Manley Katalogisiererinnen auf ihren Grabstein meißeln?

„SHE KNEW THE RULES“

———-

Phil Manley, with illustrations by Richard Lee: The truth about catalogers.
Jefferson/N.C.: McFarland, 1995. 0-7864-0103-6.
Quelle für alle Angaben zu Will Manley:
Jeanette C. Smith: The Laughing Librarian: A History of American Library Humor.  Jefferson/N.C.: McFarland, 2012. 978-0-7864-6452-4.
Das Kapitel über Will Manley steht auf den Seiten 106-115.

Am Ende seines Buchs veräppelt Manley übrigens schnell noch mal die inhaltliche Erschließung: Das Stichwortverzeichnis hat genau 26 Einträge, einen für jeden Buchstaben des Alphabets.

 

 

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Verfasst von: haferklee | 18. Dezember 2017

Die Entwicklung des Bibliothekswesens

Na ja, vielleicht nicht des Bibliothekswesens, aber immerhin eines Bibliothekswesens. Denn was sonst soll aus einem Mädchen werden, das von seinem Vater gebeten wird, ein entliehenes Buch wieder irgendwo zu den anderen in das Regal zu stellen, und ihn daraufhin bestürzt fragt:

„Hast Du sie denn nicht nach einem System geordnet?“
„Nein, stell es einfach irgendwohin.“
Sie sah auf, mit einem Mal eifrig.
„Soll ich sie vielleicht für dich sortieren?“
„Was?“
„Die Bücher. Ich könnte sie alphabetisch nach dem Namen des Verfassers stellen, wenn Du willst.“
Sie ließ einfach nicht locker.
„Tja … ja, warum eigentlich nicht.“
Sie lächelte, beugte sich über das Regal und setzte sich auf den Boden. …
Dann begann sie mit ihrer Aufgabe. Sie arbeitete schnell, mit zielstrebigen Bewegungen. Und wie fürsorglich sie die Bücher behandelte … als wären es Spatzenküken, die sie wieder ins Nest zurücksetzte. … Ich konnte den Blick einfach nicht von ihr abwenden. Die Begeisterung, die aus ihren Bewegungen sprach, die Sorgfalt, die Konzentration, die Ehrfurcht, jeder Buchrücken schloss genau mit dem nächsten ab, sie strich mit dem Finger darüber, um sich zu vergewissern, dass kein Buch aus der Reihe hervorragte.

Dieses Zitat ist in dem aktuellen Roman „Die Geschichte der Bienen“ von Maja Lunde zu finden, auf deutsch 2017 bei btb erschienen, und steht dort auf den Seiten 181-182.

Ein ähnliches Schicksal dürfte dem Mädchen in diesem Cartoon blühen. Er stammt von Richard Lee und ist dem von Will Manley verfassten und von Lee illustrierten Buch „The truth about catalogers“ entnommen (Jefferson, NC: McFarlane 1995, 0-7864-0103-6). Manley und Lee befassen sich darin mit einigen sonderlichen Aspekten unseres Berufs. Der Cartoon ist erkennbar noch zu Zeiten des Zettelkatalogs entstanden, aber problemlos auf heutige Verhältnisse, sprich RDA, übertragbar:

 

 

Verfasst von: haferklee | 7. Dezember 2017

Arbeitet Google Scholar an Kontakten ins Jenseits?

Linus Pauling, doppelter Nobelpreisträger, ist 1994 gestorben. Er hat ein Nutzerprofil bei Google Scholar, in dem, wie in den Profilen üblich, seine Publikationen aufgelistet sind. Normalerweise werden auch Kontaktmöglichkeiten genannt. In diesem Fall hält sich Scholar aber bedeckt und gibt nur an: „Keine bestätigte E-Mail-Adresse“.

 

Das ist derzeit zweifellos korrekt. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Es ist sicher nur eine Frage der Zeit, bis die Google-Crawler die aktuelle E-Mail-Adresse von Pauling ausfindig gemacht haben. Wir sind gespannt!

PS. Nun der ernsthafte Teil. Pauling ist einer von wenigen bereits gestorbenen WissenschaftlerInnen, die auf Scholar ein Nutzerprofil haben. Da sie das kaum selbst initiiert haben können, wird es wohl Google selbst für einige berühmte Personen beispielhaft angelegt haben und pflegen. (Oder ist dieser Kenntnisstand nicht korrekt? Dann bitte einen Hinweis im Kommentar.) Ob da keine Zeit ist für die Korrektur der kuriosen E-Mail-Angabe? Bei Albert Einstein, Margaret Mead, Alonzo Church und Paul Dirac sieht es genauso aus.

Die „Arbeitsgruppe Regionalbibliographie“

verfolgt das Ziel, die VDL auf der obersten Ebene des KVK (in der Säule der deutschen, österreichischen und schweizerischen Kataloge) zu verankern, um die Präsenz und Sichtbarkeit der VDL als einer wichtigen länderübergreifenden Rechercheplattform zur Landesgeschichte und Landeskunde zu erhöhen.

Schreibt Ludger Syré in seinem Bericht zur diesjährigen Jahrestagung der AG Regionalbibliographie (frisch erschienen im „Bibliotheksdienst“ 51 (2017) Heft 10/11, hier Seite 830; https://doi.org/10.1515/bd-2017-0091). Meines Erachtens ist das überfällig. Nach meinem persönlichen Eindruck ist die VDL bei WissenschaftlerInnen nahezu überhaupt nicht und bei BibliothekarInnen wenig bekannt. Das ist nicht gut, denn für bestimmte Suchanfragen ist sie ein wichtiges Rechercheinstrument.

Ich sehe drei Gründe für den geringen Bekanntheitsgrad:

Erstens die bereits genannte fehlende Sichtbarkeit. Dabei gehört die VDL schon lange auf die erste Ebene des KVK.

Der zweite Grund steckt meines Erachtens in der Selbstbezeichnung als „Rechercheplattform zur … Landeskunde“. Die Landeskunde wird möglicherweise von vielen fälschlicherweise zu eng mit dem Fach Geographie verknüpft. Sie ist im Grunde aber ein Oberbegriff, der sich in recht verschiedenen, nämlich beispielsweise historischen, wirtschaftlichen, sozialen oder kulturellen Aspekten eines Ortes, einer Region, eines politischen oder eines Naturraums konkretisiert. In der VDL wird man also Literatur finden zum Nationalsozialismus in Tübingen, zu Museen in Frankfurt oder zur Berliner Tafel. Auch der Naturschutz findet in der Fläche statt und dementsprechend seinen Niederschlag in der VDL: Literatur zum Biosphärenreservat Rhön ist reichlich recherchierbar. Besser als die oben genannte Bezeichnung finde ich die von Jürgen Plieninger verwendete Beschreibung: Man wird in der VDL fast immer fündig, wenn die Suchanfrage einen Bezug zu einem geografischen Raum hat.

Schließlich mag es auch sein, dass die Ergebnisse der VDL als zu wenig wissenschaftlich eingeschätzt werden. Tatsächlich erschließt sie vor allem das regionale Schrifttum, in Bezug auf Periodika also eher das nicht peer-reviewte Schrifttum. Aber genau das ist auch ihre Stärke, denn dieser Ausschnitt aus der Literatur wird an keiner anderen Stelle nachgewiesen. Und für bestimmte Suchanfragen wäre es ein Fehler, solche Quellen zu übersehen.

Es lässt sich sicher das eine oder andere gegen die VDL einwenden. Die nach dem Modell des KVK gebaute Suchoberfläche über alle Landesbibliographien hinweg ist natürlich nur der kleinste gemeinsame Nenner für die Suche. Die Recherchemöglichkeiten einzelner Bibliographien sind dagegen deutlich vielfältiger. So verfügt zum Beispiel die Nordrhein-Westfälische Bibliographie über viele zusätzliche Features, darunter eine Karte mit unterlegter Raumsystematik, die als Rechercheeinstieg genutzt werden kann. Auch das Design der VDL-Oberfläche ist, wie Syré an oben genannter Stelle selbst schreibt, in die Jahre gekommen. Und Beiträge in Sammelbänden werden häufig nicht immer in Gänze erschlossen, worauf Klaus Graf vor längerem hingewiesen hat. Dies dürfte seinen Grund in der personellen Ausstattung an den Landesbibliotheken haben, die die VDL erstellen.

Übersehen oder vernachlässigen sollte man die VDL deswegen aber trotzdem nicht.

 

Verfasst von: haferklee | 15. November 2017

Rekordverdächtig: Erscheinungstermin noch unbestimmt

„Der Erscheinungstermin dieses Titels ist noch unbestimmt“. So steht es heute auf der Webshopseite des Kohlhammer Verlags zum Titel „Landesnaturschutzgesetz Rheinland-Pfalz“ mit der ISBN 978-3-555-45136-7. So etwas ist ja keineswegs ungewöhnlich. Verlage können einfach nicht immer genau wissen, wann ihre Autoren die Arbeit abschließen. Da muss dann ein Erscheinungstermin nach hinten verschoben werden, ein oder zwei Monate, auch schon mal ein oder zwei Jahre; wie gesagt, nichts Besonderes. Dieser Fall aber klingt rekordverdächtig.

Erstmals angekündigt wurde der Titel nämlich schon für das Erscheinungsjahr 2006, noch jetzt nachweisbar durch Bestelldaten der Rheinischen Landesbibliothek Koblenz im HBZ-Verbundkatalog und der SULB Saarbrücken via SWB. Letztere hat die Bestellung 2013 wegen des weiter ungewissen Erscheinens schließlich storniert. Meine Bibliothek führt ihn mit dem zum Zeitpunkt unserer Bestellung angekündigten Erscheinungsjahr 2008 seit neun Jahren im Katalog, für zwei weitere Universitätsbibliotheken sind Bestelldaten nachweisbar. Bisher also schon elf Jahre Wartezeit, nicht schlecht.

Aber wir haben ja eine Bibliothek, die es wissen muss: die DNB. Und sie weiß offensichtlich mehr als der Verlag selbst, denn im zugehörigen Datensatz ist Folgendes zu lesen:

Das ist doch mal eine mutige Ankündigung: Exakt im Dezember 2030 wird das Werk erscheinen, dann werden satte 24 Jahre seit der ersten Ankündigung vergangen sein! Leider arbeite ich dann nicht mehr …
Woher die DNB diesen recht präzisen Termin hat, kann ich mir allerdings nicht erklären. Vom Verlag wohl eher nicht.

Verfasst von: haferklee | 11. November 2017

Google News sagt: Amsterdam liegt in Asien

Google News bietet die Möglichkeit, Nachrichten nicht nur aus Deutschland, sondern gezielt auch aus einzelnen anderen Ländern zu erhalten. Um diese Funktion nutzen zu können, scrollt man ganz nach unten auf die Seite. Klickt man dort auf „Weitere News-Ausgaben“, erhält man eine Auflistung der möglichen Länder. So sah die Liste, auf Asien bezogen, am 10.11.2017 aus:

 

Amsterdam liegt also in Asien. Wenn Google das sagt, wird es wohl stimmen.

PS. Klickt man auf den Link „Amsterdam“, erhält man keine News aus Holland, sondern aus Australien (das in dieser Aufzählung, genau wie Neuseeland, einfach Asien zugeschlagen wird). Der Link funktioniert, nur seine Benennung ist falsch. Seit wann auch immer.

Verfasst von: haferklee | 15. Oktober 2017

Heute im Angebot: Bio-Bücher

Im „cafe der provinz“, Wien. Ach, die herrlichen Wiener Kaffeehäuser und Cafés!

Verfasst von: haferklee | 6. Juli 2017

Das Bücherregal für Geologie

http://www.politicalcartoons.com/cartoon/5e5a5b0c-8385-485f-8aba-e96b4fe9d705.html

Leider gab es das wegen der Geologie auch schon in Wirklichkeit, siehe
https://haferklee.wordpress.com/2010/09/18/erdbeben-in-christchurch/

Verfasst von: haferklee | 4. Juli 2017

Ein Türschlüssel im Schriftentausch?

„Im Rahmen unseres Schriftentausches senden wir Ihnen die aktuellen Neuerscheinungen unseres Hauses“, lese ich in dem Brief, der dem Päckchen mit mehreren Printpublikationen beiliegt. Aber was ist denn das kleine Ding da, das zwischen den Bänden hervorlugt? Haben die etwa versehentlich einen Türschlüssel mit eingepackt?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich drehe die kleine Folientasche um …
Ach so! Es handelt sich um einen USB-Stick, auf dem eine der Neuerscheinungen, ein Tagungsband, gespeichert ist. Nicht, dass ich bisher noch nie einen Stick gesehen hätte. Aber im Schriftentausch habe ich bisher tatsächlich keinen erhalten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Und ich empfinde die Lösung, die gefunden wurde für den Konflikt zwischen einerseits dem Wunsch der Vermeidung einer dicken Printpublikation und andererseits der Zugänglichmachung für Schriftentauschpartner, als nicht glücklich.

 

 

 

Verfasst von: haferklee | 29. Juni 2017

Die Bibliothek als Alibi für ein Rendezvouz

Welches Alibi gibt ein halbwüchsiger, in New York lebender Junge einem Freund, der heimlich seine Freundin besuchen möchte, wenn die Mutter fragt, wo er ist?

„Sag ihr, ich musste noch in der Schule bleiben oder so was.“
„Dann glaubt sie, du hast Ärger.“
„Na und?“
„Na, ich will nicht, dass sie in der Schule anruft und sich nach dir erkundigt.“
„Sag ihr, ich bin im Kino.“
„Dann will sie wissen, warum ich nicht mitgegangen bin. Ich kann doch sagen, du bist in der Bibliothek.“
„Was für eine lahme Ausrede.“
„Okay“ … Er zuckte die Achseln. „Das Hauptgebäude ist bis sieben Uhr abends geöffnet“, sagte er in seinem ausdruckslosen, fast matten Ton. „Aber ich muss ja nicht wissen, in welcher Zweigstelle du bist, wenn du vergessen hast, es mir zu sagen.“*

Das Zitat entstammt dem Roman „Der Distelfink“ von Donna Tartt, ein Werk, in dem die Autorin an anderer Stelle einer Romanfigur die folgende Frage in den Mund legt:

„Stimmt es, was man sagt, dass junge Leute heutzutage einen Abschluss machen können, ohne je einen Fuß in die Bibliothek gesetzt zu haben?“

In diesem Roman ist an mehreren Stellen von Bibliotheken ganz selbstverständlich die Rede. Selbst ein Musikbibliothekar kommt vor, und dieses Wort habe ich in einem literarischen Werk zum ersten Mal gelesen.

*Tatsächlich, zu meiner großen Überraschung: Die meisten Zweigstellen der berühmten NYPL haben (nur!) bis 19 Uhr geöffnet.

„Der Distelfink“ (1654). Gemälde von Carel Fabritius, Königliche Gemäldegalerie Mauritshuis, Den Haag. Public Domain.

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