Verfasst von: haferklee | 7. Dezember 2017

Arbeitet Google Scholar an Kontakten ins Jenseits?

Linus Pauling, doppelter Nobelpreisträger, ist 1994 gestorben. Er hat ein Nutzerprofil bei Google Scholar, in dem, wie in den Profilen üblich, seine Publikationen aufgelistet sind. Normalerweise werden auch Kontaktmöglichkeiten genannt. In diesem Fall hält sich Scholar aber bedeckt und gibt nur an: „Keine bestätigte E-Mail-Adresse“.

 

Das ist derzeit zweifellos korrekt. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Es ist sicher nur eine Frage der Zeit, bis die Google-Crawler die aktuelle E-Mail-Adresse von Pauling ausfindig gemacht haben. Wir sind gespannt!

PS. Nun der ernsthafte Teil. Pauling ist einer von wenigen bereits gestorbenen WissenschaftlerInnen, die auf Scholar ein Nutzerprofil haben. Da sie das kaum selbst initiiert haben können, wird es wohl Google selbst für einige berühmte Personen beispielhaft angelegt haben und pflegen. (Oder ist dieser Kenntnisstand nicht korrekt? Dann bitte einen Hinweis im Kommentar.) Ob da keine Zeit ist für die Korrektur der kuriosen E-Mail-Angabe? Bei Albert Einstein, Margaret Mead, Alonzo Church und Paul Dirac sieht es genauso aus.

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Die „Arbeitsgruppe Regionalbibliographie“

verfolgt das Ziel, die VDL auf der obersten Ebene des KVK (in der Säule der deutschen, österreichischen und schweizerischen Kataloge) zu verankern, um die Präsenz und Sichtbarkeit der VDL als einer wichtigen länderübergreifenden Rechercheplattform zur Landesgeschichte und Landeskunde zu erhöhen.

Schreibt Ludger Syré in seinem Bericht zur diesjährigen Jahrestagung der AG Regionalbibliographie (frisch erschienen im „Bibliotheksdienst“ 51 (2017) Heft 10/11, hier Seite 830; https://doi.org/10.1515/bd-2017-0091). Meines Erachtens ist das überfällig. Nach meinem persönlichen Eindruck ist die VDL bei WissenschaftlerInnen nahezu überhaupt nicht und bei BibliothekarInnen wenig bekannt. Das ist nicht gut, denn für bestimmte Suchanfragen ist sie ein wichtiges Rechercheinstrument.

Ich sehe drei Gründe für den geringen Bekanntheitsgrad:

Erstens die bereits genannte fehlende Sichtbarkeit. Dabei gehört die VDL schon lange auf die erste Ebene des KVK.

Der zweite Grund steckt meines Erachtens in der Selbstbezeichnung als „Rechercheplattform zur … Landeskunde“. Die Landeskunde wird möglicherweise von vielen fälschlicherweise zu eng mit dem Fach Geographie verknüpft. Sie ist im Grunde aber ein Oberbegriff, der sich in recht verschiedenen, nämlich beispielsweise historischen, wirtschaftlichen, sozialen oder kulturellen Aspekten eines Ortes, einer Region, eines politischen oder eines Naturraums konkretisiert. In der VDL wird man also Literatur finden zum Nationalsozialismus in Tübingen, zu Museen in Frankfurt oder zur Berliner Tafel. Auch der Naturschutz findet in der Fläche statt und dementsprechend seinen Niederschlag in der VDL: Literatur zum Biosphärenreservat Rhön ist reichlich recherchierbar. Besser als die oben genannte Bezeichnung finde ich die von Jürgen Plieninger verwendete Beschreibung: Man wird in der VDL fast immer fündig, wenn die Suchanfrage einen Bezug zu einem geografischen Raum hat.

Schließlich mag es auch sein, dass die Ergebnisse der VDL als zu wenig wissenschaftlich eingeschätzt werden. Tatsächlich erschließt sie vor allem das regionale Schrifttum, in Bezug auf Periodika also eher das nicht peer-reviewte Schrifttum. Aber genau das ist auch ihre Stärke, denn dieser Ausschnitt aus der Literatur wird an keiner anderen Stelle nachgewiesen. Und für bestimmte Suchanfragen wäre es ein Fehler, solche Quellen zu übersehen.

Es lässt sich sicher das eine oder andere gegen die VDL einwenden. Die nach dem Modell des KVK gebaute Suchoberfläche über alle Landesbibliographien hinweg ist natürlich nur der kleinste gemeinsame Nenner für die Suche. Die Recherchemöglichkeiten einzelner Bibliographien sind dagegen deutlich vielfältiger. So verfügt zum Beispiel die Nordrhein-Westfälische Bibliographie über viele zusätzliche Features, darunter eine Karte mit unterlegter Raumsystematik, die als Rechercheeinstieg genutzt werden kann. Auch das Design der VDL-Oberfläche ist, wie Syré an oben genannter Stelle selbst schreibt, in die Jahre gekommen. Und Beiträge in Sammelbänden werden häufig nicht immer in Gänze erschlossen, worauf Klaus Graf vor längerem hingewiesen hat. Dies dürfte seinen Grund in der personellen Ausstattung an den Landesbibliotheken haben, die die VDL erstellen.

Übersehen oder vernachlässigen sollte man die VDL deswegen aber trotzdem nicht.

 

Verfasst von: haferklee | 15. November 2017

Rekordverdächtig: Erscheinungstermin noch unbestimmt

„Der Erscheinungstermin dieses Titels ist noch unbestimmt“. So steht es heute auf der Webshopseite des Kohlhammer Verlags zum Titel „Landesnaturschutzgesetz Rheinland-Pfalz“ mit der ISBN 978-3-555-45136-7. So etwas ist ja keineswegs ungewöhnlich. Verlage können einfach nicht immer genau wissen, wann ihre Autoren die Arbeit abschließen. Da muss dann ein Erscheinungstermin nach hinten verschoben werden, ein oder zwei Monate, auch schon mal ein oder zwei Jahre; wie gesagt, nichts Besonderes. Dieser Fall aber klingt rekordverdächtig.

Erstmals angekündigt wurde der Titel nämlich schon für das Erscheinungsjahr 2006, noch jetzt nachweisbar durch Bestelldaten der Rheinischen Landesbibliothek Koblenz im HBZ-Verbundkatalog und der SULB Saarbrücken via SWB. Letztere hat die Bestellung 2013 wegen des weiter ungewissen Erscheinens schließlich storniert. Meine Bibliothek führt ihn mit dem zum Zeitpunkt unserer Bestellung angekündigten Erscheinungsjahr 2008 seit neun Jahren im Katalog, für zwei weitere Universitätsbibliotheken sind Bestelldaten nachweisbar. Bisher also schon elf Jahre Wartezeit, nicht schlecht.

Aber wir haben ja eine Bibliothek, die es wissen muss: die DNB. Und sie weiß offensichtlich mehr als der Verlag selbst, denn im zugehörigen Datensatz ist Folgendes zu lesen:

Das ist doch mal eine mutige Ankündigung: Exakt im Dezember 2030 wird das Werk erscheinen, dann werden satte 24 Jahre seit der ersten Ankündigung vergangen sein! Leider arbeite ich dann nicht mehr …
Woher die DNB diesen recht präzisen Termin hat, kann ich mir allerdings nicht erklären. Vom Verlag wohl eher nicht.

Verfasst von: haferklee | 11. November 2017

Google News sagt: Amsterdam liegt in Asien

Google News bietet die Möglichkeit, Nachrichten nicht nur aus Deutschland, sondern gezielt auch aus einzelnen anderen Ländern zu erhalten. Um diese Funktion nutzen zu können, scrollt man ganz nach unten auf die Seite. Klickt man dort auf „Weitere News-Ausgaben“, erhält man eine Auflistung der möglichen Länder. So sah die Liste, auf Asien bezogen, am 10.11.2017 aus:

 

Amsterdam liegt also in Asien. Wenn Google das sagt, wird es wohl stimmen.

PS. Klickt man auf den Link „Amsterdam“, erhält man keine News aus Holland, sondern aus Australien (das in dieser Aufzählung, genau wie Neuseeland, einfach Asien zugeschlagen wird). Der Link funktioniert, nur seine Benennung ist falsch. Seit wann auch immer.

Verfasst von: haferklee | 15. Oktober 2017

Heute im Angebot: Bio-Bücher

Im „cafe der provinz“, Wien. Ach, die herrlichen Wiener Kaffeehäuser und Cafés!

Verfasst von: haferklee | 6. Juli 2017

Das Bücherregal für Geologie

http://www.politicalcartoons.com/cartoon/5e5a5b0c-8385-485f-8aba-e96b4fe9d705.html

Leider gab es das wegen der Geologie auch schon in Wirklichkeit, siehe
https://haferklee.wordpress.com/2010/09/18/erdbeben-in-christchurch/

Verfasst von: haferklee | 4. Juli 2017

Ein Türschlüssel im Schriftentausch?

„Im Rahmen unseres Schriftentausches senden wir Ihnen die aktuellen Neuerscheinungen unseres Hauses“, lese ich in dem Brief, der dem Päckchen mit mehreren Printpublikationen beiliegt. Aber was ist denn das kleine Ding da, das zwischen den Bänden hervorlugt? Haben die etwa versehentlich einen Türschlüssel mit eingepackt?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich drehe die kleine Folientasche um …
Ach so! Es handelt sich um einen USB-Stick, auf dem eine der Neuerscheinungen, ein Tagungsband, gespeichert ist. Nicht, dass ich bisher noch nie einen Stick gesehen hätte. Aber im Schriftentausch habe ich bisher tatsächlich keinen erhalten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Und ich empfinde die Lösung, die gefunden wurde für den Konflikt zwischen einerseits dem Wunsch der Vermeidung einer dicken Printpublikation und andererseits der Zugänglichmachung für Schriftentauschpartner, als nicht glücklich.

 

 

 

Verfasst von: haferklee | 29. Juni 2017

Die Bibliothek als Alibi für ein Rendezvouz

Welches Alibi gibt ein halbwüchsiger, in New York lebender Junge einem Freund, der heimlich seine Freundin besuchen möchte, wenn die Mutter fragt, wo er ist?

„Sag ihr, ich musste noch in der Schule bleiben oder so was.“
„Dann glaubt sie, du hast Ärger.“
„Na und?“
„Na, ich will nicht, dass sie in der Schule anruft und sich nach dir erkundigt.“
„Sag ihr, ich bin im Kino.“
„Dann will sie wissen, warum ich nicht mitgegangen bin. Ich kann doch sagen, du bist in der Bibliothek.“
„Was für eine lahme Ausrede.“
„Okay“ … Er zuckte die Achseln. „Das Hauptgebäude ist bis sieben Uhr abends geöffnet“, sagte er in seinem ausdruckslosen, fast matten Ton. „Aber ich muss ja nicht wissen, in welcher Zweigstelle du bist, wenn du vergessen hast, es mir zu sagen.“*

Das Zitat entstammt dem Roman „Der Distelfink“ von Donna Tartt, ein Werk, in dem die Autorin an anderer Stelle einer Romanfigur die folgende Frage in den Mund legt:

„Stimmt es, was man sagt, dass junge Leute heutzutage einen Abschluss machen können, ohne je einen Fuß in die Bibliothek gesetzt zu haben?“

In diesem Roman ist an mehreren Stellen von Bibliotheken ganz selbstverständlich die Rede. Selbst ein Musikbibliothekar kommt vor, und dieses Wort habe ich in einem literarischen Werk zum ersten Mal gelesen.

*Tatsächlich, zu meiner großen Überraschung: Die meisten Zweigstellen der berühmten NYPL haben (nur!) bis 19 Uhr geöffnet.

„Der Distelfink“ (1654). Gemälde von Carel Fabritius, Königliche Gemäldegalerie Mauritshuis, Den Haag. Public Domain.

Verfasst von: haferklee | 14. Juni 2017

Für Menschen wie sie gibt es eigentlich nur einen Beruf!

In dieser Woche läuft im Kino der Film „Der wunderbare Garten der Bella Brown“ an. In den Filmkritiken wird die Titelheldin so beschrieben:

  • „bisschen schrullig, … lebt ganz allein in ihrem kleinen Reihenhäuschen“ (Carsten Beyer, Kulturradio RBB)
  • „liebt sie Ordnung über alles … neurotische[n] Person … sonderbarer Sonderling“ (Antje Wessels, Quotenmeter.de)
  • hat „Angst vor der Natur … und vor Unordnung im Allgemeinen“ (ES, Moviepilot)
  • „sonderlichsten aller Sonderlinge … liebenswert scheu und jegliche Kontakte größtenteils vermeidend“ (Britta Schmeis, epd-film)
  • „Mensch[en] mit allerlei Zwängen … sortiert alles akribisch“ (Annekatrin Liebisch, Radio Köln)
  • „ziemlich spleenig: eine gehemmte Einzelgängerin, … die ihr Leben nach festen Regeln gestaltet“ (Gaby Sikorski, Programmkino)
  • „a woman with an obsessive-compulsive touch inside her small home“ (Neil Genzlinger, New York Times)
  • „an oddball loner“ (Katie Walsh, LA Times)

Und so geht es immer und immer weiter. Wir wissen es natürlich längst und benötigen das alles zusammenfassende Fazit des „Filmdienst“ gar nicht:

  • „Ordnung und Sicherheit gehen ihr über alles. Für Menschen wie sie gibt es eigentlich nur einen Beruf: Bella ist Bibliothekarin.“ (Anonym, Filmdienst)

Wie aber wird der berufliche Alltag in der städtischen Bibliothek dargestellt? So:

  • „verrückte Figuren wie eine verhärmte Büchereileiterin mit Keksleidenschaft“ (nochmals Antje Wessels)
  • „Job in einer Bibliothek, die ebenfalls seltsam altmodisch wirkt“ und schließlich
  • „Tagsüber sortiert sie unter dem strengen Blick ihrer Chefin, die wahlweise über Schilder oder durch ein Megafon zur Ordnung ruft, Bücher.“ (Beide Zitate im Filmdienst)

Na dann viel Spaß im Kino, liebe Kolleginnen und Kollegen!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jessica Brown-Findlay, die Hauptdarstellerin der Bella Brown.

Fotograf: Ian Smith, cc by-nc-nd/2.0/

 

 

 

 

 

Verfasst von: haferklee | 7. Juni 2017

Wären Sie lieber Hollywood-Schauspieler oder Bibliothekar?

Diese Frage ist, wenn man es glauben soll, wohl mal einem Teil der britischen Bevölkerung gestellt worden. Das Ergebnis:

Anteil der Briten, die sich vorstellen können, ihr ganzes Leben als Hollywood-Schauspieler zu arbeiten, in Prozent: 31

Anteil der Briten, die sich vorstellen können, ihr ganzes Leben als Bibliothekar zu arbeiten, in Prozent: 54

Meine Quelle für diese Angaben: Die Ausgabe 4/2017 der Zeitschrift „brand eins“.
Quelle der „brand eins“ für die Umfrageergebnisse: keine.

 

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