Verfasst von: haferklee | 24. Februar 2022

Danke und Schluss

Nur ein Tag früher, und dieses Blog wäre mit gutem Timing beendet worden.

Aber trotz der Geschehnisse des heutigen Tages kann und soll nicht vergessen werden, dass ich mich bei einigen Menschen zu bedanken habe und dies sehr gern tue:

– Bei den Mitstreiter*innen des Selbstlernkurses „13 Dinge“, mit dem 2008 alles begonnen hat
– Bei allen geneigten und geduldigen Leserinnen und Lesern
– Bei denen, die auf dieses Blog verlinkt und die hier kommentiert haben
– Ganz besonders danke ich Edlef Stabenau und Christian Hauschke, die damals viel Zeit und Energie investiert haben, um einigen Bibliothekswesen, darunter auch mir, das Web 2.0 nahezubringen. Es hat sich gelohnt!

Nochmals allen herzlichen Dank und alles Gute!
Gerhard Hachmann

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Verfasst von: haferklee | 24. Februar 2022

Zugabe: Der Führer in der Bibliothek

Nach dem Applaus (herzlichen Dank dafür!) folgt üblicherweise eine Zugabe. So soll es auch hier sein.

Der Film „Jojo Rabbit“, eine teils groteske Nazi-Satire, ist Anfang 2020 in die deutschen Kinos gekommen. Er wurde im selben Jahr für den Oscar als bester Film nominiert und hat ihn in der Kategorie für das beste adaptierte Drehbuch bekommen. Was das mit unserem Thema zu tun hat? Nun, er enthält eine zwar nur kurze, aber äußerst gelungene und hoch komische Bibliotheksszene.

Die Hauptfigur des Films, der zehnjährige Johannes Betzler, genannt Jojo, ist ein begeisterter Hitlerjunge, der sich in seinen Fantasien gern mit seinem Idol Adolf Hitler unterhält. Der Clou: Jojos imaginärer Freund tritt im Film, nur für Jojo sichtbar, als reale Person auf und steht ihm bei Problemen zur Seite. Jojos Mutter allerdings versteckt im Dachgeschoss des Wohnhauses ein jüdisches Mädchen. Jojo entdeckt dies eines Tages, kann aber nichts dagegen machen, weil sonst seine Mutter bedroht wäre. Er fragt Elsa, das Mädchen, aus, um alles über die „jüdische Rasse“ zu erfahren, und Elsa überspitzt die bestehenden Vorurteile sogar noch.

Im Verlauf dieser Gespräche sucht Jojo die örtliche Bibliothek auf, um sich weiter kundig zu machen. Dabei begleitet ihn sein imaginärer Freund, stört ihn aber auch ständig bei der Lektüre. Erstmals von Adolf genervt, weist Jojo ihn darauf hin, dass er in der Bibliothek gefälligst die Klappe zu halten habe. Er „shusht“ ihn also, was den Führer außerordentlich irritiert. Eine umwerfende Szene, die dieses bibliothekarische Klischee grandios aufnimmt und umsetzt.

Im Trailer ist sie zwischen 1:01 und 1:10 und vor allem 5:36 und 5:40 zu sehen, leider auszugsweise verstümmelt und nicht im Aufbau der Situation. Deshalb am besten gleich den ganzen, hervorragenden Film schauen!

Jojo, der imaginäre Adolf und Jojos Mutter beim Abendbrot.
https://www.flickr.com/photos/cristiano_betta/48853514271
https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/
Verfasst von: haferklee | 23. Februar 2022

Best Of, Platz 1: Goethe und die Bibliothek(en)

Auf Platz 1 steht natürlich unangefochten unser Dichterfürst. Der soll einmal gesagt haben:

In Bibliotheken fühlt man sich wie in der Gegenwart eines großen Kapitals, das geräuschlos unberechenbare Zinsen spendet.

Aber auch, wenn es fast immer so zitiert wird, ist das nicht korrekt! Ich bin, offensichtlich als einziger, dem Ausspruch nachgegangen. Wie das Bonmot Goethes wirklich lautet und wie es dazu gekommen ist, steht hier, und nur hier:

https://haferklee.wordpress.com/2013/09/26/wie-lautet-goethes-bekanntes-zitat-uber-bibliotheken-richtig/

Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer dem Schreiber John.
Ölgemälde von Johann Joseph Schmeller, 1834.
Gemeinfrei, uploader was Hajotthu at de.wikipedia
https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=44268538





Verfasst von: haferklee | 22. Februar 2022

Best Of, Platz 2: Will Manley, der „Kinsey of Libraryland“

Will Manley ist das Enfant terrible des US-amerikanischen Bibliothekswesens. Und den oben genannten Ehrentitel hat er sich redlich verdient. Wer mehr über ihn erfahren möchte, lese hier nach, ich verspreche, dass es sich lohnt. Der Beitrag beginnt gemächlich, aber so bleibt es nicht:


https://haferklee.wordpress.com/2018/01/15/the-truth-about-catalogers/


Wer mehr über Manley in deutscher Sprache lesen möchte, muss eh dort nachschauen, es gibt nämlich praktisch nichts anderes.

Will Manley im Jahr 2008 als Keynote Speaker einer Bibliothekskonferenz.
(Bildquelle aus dem Internet verschwunden, weil das Dowling College 2016 geschlossen wurde.)

PS.: Platz 1 ist natürlich vom deutschen Dichterfürsten belegt, wie man morgen sehen wird. Manley aber ist mein Herzenssieger.

Ein Kollege und ich haben in den letzten Jahren einige neue, wesentliche Erkenntnisse zur Entstehung des Naturschutzgedankens in Deutschland vor 150 Jahren beitragen können:

  • Wir haben die Leistungen von Philipp Leopold Martin für den Naturschutz wiederentdeckt. Er ist derjenige, der 1871 den Begriff „Naturschutz“ geprägt und in die deutsche Sprache eingeführt hat. Was noch wichtiger ist: Er ist derjenige, der eines der ersten Konzepte zum Naturschutz in deutscher Sprache publiziert hat, wenn nicht, je nach historischer Einordnung, sogar das erste. Beides war sämtlichen Naturschutzhistoriker*innen völlig unbekannt. Das ist in etwa so, als hätte jemand entdeckt, nicht Konrad Zuse habe den ersten Computer gebaut, sondern eine andere Person zehn Jahre früher, die aber danach in Vergessenheit geraten sei; nur eben im Naturschutz.
  • Wir haben die bis dato verschollene erste Publikation von Ernst Rudorff aufgespürt und neu publiziert. Daran hatten sich vorher verschiedentlich Historiker*innen die Zähne ausgebissen. Rudorff ist derjenige, dem für über hundert Jahre, also bis zu unserer Wiederentdeckung P.L. Martins im Jahr 2011, beide oben genannte Verdienste (Wortschöpfung und erstes Naturschutzkonzept) zugeschrieben worden waren.
  • Wir haben die Gründung des „Naturschutzvereins Plauen“ im Jahr 1883 beschrieben, des ersten Vereins in Deutschland, der das Wort „Naturschutz“ im Titel trägt. Auch das war bis dahin nicht bekannt.
  • Wir konnten nachweisen, dass der Begriff „Ökologie“, dessen Wort- und Begriffsschöpung Ernst Haeckel für das Jahr 1866 zugeschrieben wird, in renommierten Lexika mehrfach bereits seit 1838 nachweisbar ist, allerdings in einem etwas anderen, nämlich humanmedizinisch-kulturellen Zusammenhang. Es ist zu vermuten, dass Haeckel hiervon wusste. [Im Wikipedia-Artikel „Ökologie“ wurde diese von mir eingefügte Erkenntnis merkwürdigerweise als „hier fehl am Platze und inhaltlich verwirrend, da abweichend“ gestrichen.]
  • Auch der Begriff „Artenschutz“ wurde nicht, wie bislang bekannt, 1936 erstmals verwendet. Wir konnten mehrere Publikationen anführen, die eine vorherige Verwendung bis ins Jahr 1912 belegen.

Im Jahr 2015 haben wir alle naturschutzbezogenen Schriften Philipp Leopold Martins als Faksimilie in Printform und digital frei zugänglich publiziert und damit wieder für die Forschung zugänglich gemacht.

Wer sich dafür näher interessiert, schaue hier nach:
https://haferklee.wordpress.com/2017/01/16/naturschutzgeschichte_1/
https://haferklee.wordpress.com/2017/01/16/naturschutzgeschichte_2/
https://haferklee.wordpress.com/2017/01/16/naturschutzgeschichte-3/

Philipp Leopold Martin (1815-1885). Gemeinfrei,
Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Philipp_Leopold_Martin_Portrait.jpg
Verfasst von: haferklee | 17. Februar 2022

Best Of, Platz 4: Moby-Dick; or, The Librarian

Eines der zwei, drei ältesten bibliothekarischen Klischeezitate der Weltliteratur findet sich – thematisch völlig unerwartet – in Herman Melvilles Roman „Moby Dick“. In seiner Ausführlichkeit dürfte es sich wohl sogar um das älteste Beispiel handeln. Das Verblüffende: Es wurde früher in keiner einzigen der einschlägigen Veröffentlichungen von Klischeezitaten erwähnt! Die Ehre des Aufspürens gebührt also bis zum Beweis des Gegenteils mir.

Hier ist der Spaß!

Illustration aus einer Ausgabe von 1892 (gemeinfrei).

Kann das wahr sein?


Porträt Johann Jakob Wilhelm Heinse (von Johann Friedrich Eich) (Gleimhaus Halberstadt CC BY-NC-SA)
Johann Jakob Wilhelm Heinse (1746-1803)
(Public Domain, http://museum-digital.de/nat/index.php?t=objekt&oges=900)
Verfasst von: haferklee | 15. Februar 2022

Best Of, Platz 6: Bibliotheken im Flirttest

Im August 2009 stritt man sich in Bibliothekskreisen über die Aussage, Bibliotheken seien ein häufig genutzter Ort für Flirts. Ich habe damals in einer kleinen Serie mit dem Titel „Die Bibliothek als Singlebörse“ Stellung bezogen. Wen es beispielsweise interessiert, wo Wladimir Kaminer als junger Mann Frauen angebaggert hat, schaue hier nach.

Als unwiderleglichen Beweis, dass es sich bei der Aussage um keine urban legend handelt, habe ich den großen Vergleichstest von Bonner Bibliotheken in der Boulevardzeitung „Express“ vorgelegt; mit Angabe des jeweiligen Flirtfaktors! Ein feines Schmankerl für die staunende Fachwelt!

File:Ernst Ludwig Kirchner - Paar in der Bibliothek - 1930.jpg

Ernst Ludwig Kirchner: Paar in der Bibliothek (1930)

Das ist allerfeinstes Partywissen!!!

Verfasst von: haferklee | 14. Februar 2022

Best Of, Platz 8: Langzeit-Ausleihrekord

Heute geht es um den Rekord des am längsten jemals regulär verliehenen Mediums. Und den hält die Bibliothek, in der ich gearbeitet habe, und er ist wirklich erstaunlich.
(Es geht also nicht um Bibliotheksexemplare, die irgendwann auf irgendwelchen Dachböden wiedergefunden wurden, sondern um Exemplare, die regulär verliehen waren.)

Leihschein1979

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